„Doping wird in den USA klein geredet" Ein Schuhkarton voll kleiner Fläschchen

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Der Arzt sagt, er habe mal bei einer Weltklassesprinterin übernachtet. "Die ist bei der WM in Paris gestartet." Diese Frau habe erzählt, wie sie und ihre Kolleginnen Doping-Kontrolleure möglichst gut austricksen wollten. "Ständig neue Handynummern, keine Postadresse, ganz selten selber ans Telefon gehen." Kurz zuvor hatte der Arzt auch das National Olympic Center (NOC) in Colorado Springs besucht. Das NOC ist eine Mischung aus Sport-Stützpunkt und Universität. Dort, sagt der Arzt, sei er auf den Trainer eines College-Basketballteams gestoßen. "Der erzählte mir: ,Wir arbeiten mit Steroiden. Die sind leicht zu besorgen.?" Diese Steroide würden quasi monatlich von Entwicklungslabors abgewandelt, so dass sie nicht nachweisbar seien. Auch das jetzt festgestellte THG ist ein leicht verändertes Steroid.

An einem Abend saß der Arzt, so erzählt er es, in einem Studentenzimmer des NOC mit mehreren College-Footballern. Plötzlich habe ihn ein 21-jähriger Spieler in einen Nebenraum gebeten. Dort stand ein Schuhkarton voll mit Medikamentenschachteln und Arzneifläschchen. "Mein Trainer sagt immer, dass ich das nehmen soll", habe der Footballer gesagt, "kannst du mir sagen, was das ist?" Der Arzt konnte das problemlos. "Aufputschmittel, Wachstumshormone, vor allem aber Anabolika." Der Spieler habe aber nur mit den Schultern gezuckt. Diese Haltung sei durchaus typisch, sagt der Arzt. "Doping wird dort klein geredet."

Einmal habe er einem Sportler erzählt, dass wegen Dopingmitteln schon Leute gestorben seien. Der Athlet habe nur erwidert: "Na und, das ist Berufsrisiko."

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