"Druschba" hat Vorrang Bush traf in Europa nur Freunde

Die Meister der Staatskunst sind überwiegend auch Meister des gegenseitigen Kompliments. Auf seiner Europareise setzte US-Präsident George W. Bush aber neue Maßstäbe. So viel war selten von Freundschaft die Rede, und das – fast – ohne Ansehen der Personen. Da traf es sich gut, dass er zum Abschluss der Reise an diesem Dienstag auf dem NATO-Russland-Gipfel in Rom alle Freunde noch einmal um sich versammeln konnte.

dpa PARIS. Ganz besondere Betonung lag diesmal auf Druschba, der russischen Version von "friendship". An der Seine wirkte die Freundschaft etwas strapaziert; ein leicht herablassender Ton war nicht zu überhören. Zwischendurch kamen hohe Beamte zu Wort, die der hohen Kunst der Höflichkeit durchaus nicht immer huldigten.

Aber der Reihe nach. In Washington vor dem Abflug nach Berlin, wo ihn Tausende von kritischen Demonstranten begrüßen wollten, eröffnete Bush der Presse in unnachahmlicher Art: "Ich freue mich auf meine bilateralen Treffen mit Gerhard Schröder. Wir haben ein gutes Verhältnis. Ich sehe meinen bilateralen Treffen mit Jacques und Premierminister Berlusconi ... der ist – drei Freunde. Wissen Sie, ich verlasse mich viel auf die persönliche Diplomatie ... Ich habe gute Beziehungen mit allen dreien, und natürlich haben wir auch gute Beziehungen mit Präsident Putin."

Diplomaten-Sprache ist nicht Bushs Stärke/p>

In Berlin erwies er Schröder seine Reverenz. "Der Kanzler und ich haben uns, denke ich, jetzt fünf Mal getroffen. Und ich schätze unsere Freundschaft. Ich bin für die offenen Diskussionen dankbar, die wir führen. Ich bin hier, um das deutsche Volk wissen zu lassen, wie stolz ich auf unser persönliches Verhältnis und dem zwischen unseren beiden Ländern bin." Der Hinweis auf die offenen Diskussionen bedeutet in der Diplomaten-Sprache meist Streit, aber Bush hat mehrfach klar gemacht, dass er ein deutliches Wort liebt und das Diplomatische nicht seine Stärke ist.

In Moskau, wo er und Frau Laura in der Residenz der Gastgeber Wladimir und Ludmilla Putin übernachteten, sagte der Präsident nach der Unterzeichnung des Abrüstungsvertrages: "Es ist ein wichtiges Signal an die Welt zu sehen, dass wir unsere Arbeit sehr ernst nehmen, uns im formellen Rahmen treffen und über bedeutende Fragen sprechen und uns dann, wenn der Arbeitstag vorüber ist, als Freunde zusammensetzen und gemeinsam zu Abend essen." In St. Petersburg lieferte er einen Bericht über den Feierabend ab: "Wir sprachen über unsere Familien, unsere Leidenschaften, über Dinge des Lebens, über die Freunde miteinander reden."

In Paris, nach dem Treffen mit dem etwas belehrend wirkenden französischen Staatschef Jacques Chirac, konnte sich Bush eine gewisse Ironie nicht verkneifen. "Ich schätze den Rat dieses guten Mannes. Ich höre sorgfältig zu, wenn er ihn gibt. Und ich bin stolz, ihn meinen Freund zu nennen." Als ein Reporter Chirac fragte, ob er vielleicht Bush anfangs unterschätzt habe, warf der US-Präsident ganz unfreundschaftlich ein: "Wie alle anderen auch."

Gerhard Schröder wäre vielleicht ins Grübeln gekommen, wenn er gehört hätte, wie schnell ein hochgestellter US-Beamter den Berlin-Besuch abhakte und der Presse auf dem Flug nach Moskau sagte: "Ich kann auch alle Fragen über Deutschland beantworten, aber offensichtlich sind wir jetzt auf der Etappe, der viele Leute entgegengefiebert haben." Nämlich Richtung Druschba.

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