D&O-Haftpflichtversicherungen werden teurer und bieten weniger Schutz Auf dem „Haftungsauge" blind

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Der Zentrifugenhersteller Heinkel etwa vermeldet eine Prämie, die nun halbiert wurde - allerdings bei gleichzeitiger Absenkung der Deckungssumme um 60 Prozent. Eine AG aus der Unterhaltungsbranche musste es sich gefallen lassen, dass ihre Deckungsumme um 40 Prozent reduziert - und die Prämie verdoppelt wurde. Die Liste ist endlos. Die Prämienerhöhungen machen bis zu 100 Prozent aus. Etliche Assekuranzen setzen obendrein den Hebel bei den Vertragsbedingungen an: Dies ist für die versicherten Managementpositionen besonders tückisch, weil diejenigen, die den Job machen, nichts davon erfahren. Die Verträge schließt das Unternehmen, Änderungen laufen nur über die Rechtsabteilung. Die wenigsten Führungskräfte haben die Kopie ihrer Police, geschweige denn immer den neuesten Stand. Nach und nach schließen die Versicherer, so zum Beispiel bei Epcos, sämtliche Risiken aus US-Geschäften aus. Der Halbleiterproduzent schimpft, dass "die D&O bald nicht einmal das Papier wert ist, auf dem sie geschrieben steht." Mehr noch: Auch mit einzelnen, gefahrenträchtigen Risiken wollen die Versicherer nichts mehr zu tun haben. Von Terror- und Asbest-Fällen will der Epcos-Versicherer ab jetzt nichts mehr wissen.

Auch Ixos Software muss solche einseitigen Vertragsverschlechterungen hinnehmen: Eine Nachhaftung nur für 75 Prozent zusätzliche Prämie einzukaufen. D&O-Experte Hendricks fürchtet die unangenehme Folge: "Branchen mit Risiken, die nicht mehr versicherbar sind, dürften bald auch Probleme bei der Suche nach qualifizierten Managern bekommen." Umgekehrt dürften sich wirtschaftlich gesunde Unternehmen der Old Economy bald höherer Beliebtheit als Arbeitgeber erfreuen.

Arg gebeutelt sind etwa die Finanzdienstleister, Bauunternehmen und Startups sowie IPOs aller Branchen. Allein das Prospekthaftungsrisiko ist den Versicherern schon zu hoch. "Auch Börsenhändler wollen die Versicherer generell nicht mehr versichern, auch manche Lebensversicherer bekommen heute keine Deckung mehr", beobachtet Hendricks, der rund zehn Prozent aller deutschen D&O-Policen als Berater betreut. Ein namhafter Wertpapierhändler, der ungenannt bleiben will, meldete sich in der Redaktion: Er sei verzweifelt auf der Suche nach einer Versicherung - seine habe ihm zum ersten April den Stuhl vor die Tür gesetzt. Der einzige Ausweg in diesem Fall ist entweder eine Rechtsschutzversicherung oder eine ausländische D&O-Versicherung über Londoner Syndikate, die risikofreudiger und teurer sind, berichtet Hendricks. Denn: "Allein die Anwaltskosten können Summen von ein bis zwei Millionen Euro ausmachen. Gerade bei Klagen, bei denen der Gerichtsstand in USA ist", weiß Horst Ihlas, D&O-Leiter beim Versicherungsmakler Marsh in Frankfurt zu berichten.

Ein bemerkenswertes Umfrage- Ergebnis: Zehn Prozent der Befragten - darunter namhafte Markenartikler - haben keine Absicherung für die Berufsrisiken ihrer Führungskräfte. Entweder, weil es ihnen zu teuer ist - wie etwa manchen Landesbanken - und sie die hohen Prämien nicht zahlen wollen. Oder weil sie sich ihrer Sache so sicher fühlen.

Weitgehende Einigkeit besteht bei den Befragten, mit welchem Versicherer sie bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben: Chubb Insurance steht mit 56 Prozent einsam an der Spitze. Und kaum zu toppen ist diese Erfahrung von D&O-Profi Hendricks: "In einem Fall von Bilanzmanipulation erstattete eine renommierte Versicherung gleich selbst Strafanzeige gegen den Manager ihres eigenen Kunden."

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