Formel 1 Der Nachwuchs kauft sich Arbeitsplätze

Eines kann Christian Klien schon nicht mehr hören: Er hätte sich seinen Platz in der Formel 1, deren neue Saison am Sonntag in Melbourne beginnt, nicht mit Leistung verdient, sondern es wäre einfach nur genug Geld geflossen, damit der 21-Jährige neuer Pilot bei Jaguar wird.
  • Karin Sturm (Handelsblatt)
Die Fahrer des Jaguar Racing Teams beim Jaguar Car Launch 2004, Foto: Puma

Die Fahrer des Jaguar Racing Teams beim Jaguar Car Launch 2004, Foto: Puma

HB MELBOURNE. "Ich habe doch eine gute Formel-3-Saison hinter mir", sagt Klien. In der Euroserie wurde er auf Anhieb Zweiter und gewann drei Rennen. "Wenn das nicht gewesen wäre, dann wäre die Formel 1 kein Thema. Und danach habe ich auch noch einen sehr guten Formel-1-Test gemacht. Dann haben wir es mit der Unterstützung durch Red Bull gemeinsam geschafft."

Wie viele Millionen Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz wirklich investiert hat, damit Klien mitfahren darf, ist nicht bekannt. Jedenfalls fördert er Klien schon seit acht Jahren. Daher wird heftig spekuliert. Zunächst wurde von zehn bis zwölf Millionen Euro gesprochen. Jetzt stehen fünf Millionen als Summe im Raum. Ob dies der Wahrheit näher kommt, will Klien aber nicht verraten: "Über Zahlen redet man nicht."

Die Unterlegenen im Kampf ums Jaguar-Cockpit waren eher zu Aussagen bereit: Kliens österreichischer Landsmann Alexander Wurz, der mit Jaguar angeblich schon ein Handschlagabkommen hatte, Nick Heidfeld, dem Jaguar sogar selbst ein Angebot gemacht hatte und auch Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve mussten dem Jungspund aus Vorarlberg schließlich weichen und posaunten so manche Zahl heraus. Sie haben sich schließlich gefragt, warum jetzt schon ein Werksteam wie Jaguar mit dem Ford-Konzern im Rücken seine Plätze verhökert wie es bisher nur bei Privatteams wie Minardi oder Jordan üblich war.

Eines ist allerdings sicher: Von den drei Neulingen, die 2004 mit viel Geld einen Formel-1-Platz erhielten, ist Klien derjenige mit den besten Perspektiven. Die beiden Italiener Giorgio Pantano und Gianmaria Bruni bei Jordan und Minardi dürften kaum mit sensationellen Leistungen auffallen. Aber auch für sie sollen fünf bis sechs Millionen Euro bezahlt worden sein, um sie ins Cockpit zu bringen.

Wenn Klien tatsächlich Erfolg hat, würde sich eine kleine Zahlenreihe fortsetzen. Denn alle zehn Jahre scheinen große Namen in die Formel 1 zu kommen: 1984 debütierten zum Beispiel Gerhard Berger, Stefan Bellof und Ayrton Senna, Kliens großes Idol, seit er ihn 1992 als Neunjähriger im Fahrerlager von Hockenheim traf. 1994 begannen Heinz-Harald Frentzen, David Coulthard und Olivier Panis. Und was das "Einkaufen" angeht: Ganz ohne ein derartiges Eintrittsgeld kam ja auch Michael Schumacher 1991 bei Jordan nicht zu seinem ersten Grand-Prix-Einsatz. Zwischen 200 000 und 300 000 Mark sollen damals von Mercedes und einigen Privatpersonen bezahlt worden sein.

Nun fährt Christian Klien in der Formel 1. Bei den Testfahrten für Jaguar zeigte er sich reif und abgeklärt. Wenn er auch im Wettkampf so gut fährt, könnte das Gerede über seinen erkauften Weg in die Formel 1 bald ein Ende finden. Vater Johannes, ein Architekt, der die Karriere seines Sohnes unterstützt und inzwischen auch sein Manager ist, hat keinerlei Zweifel: "Der Christian ist stabil genug, der schafft das." Und dann, so hofft er, werden auch alle Kritiker überzeugt sein, dass der Sohn zurecht im Cockpit sitzt.

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