Geplanter Konsolidierungskurs hilft Aktie bislang nicht Niebaum spricht vom „Super-Gau"

Nach wochenlangen Spekulationen hat die Borussia Dortmund KGaA am Donnerstag die Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt - und mit ihrem Verlust die Befürchtungen noch übertroffen. Obwohl hochgerechnet auf das Gesamtjahr bis zu 60 Millionen Euro fehlen könnten, geben sich die Verantwortlichen gelassen.

HB DORTMUND. Vor Steuern habe der einzige börsenortierte Fußball-Verein in Deutschland von Juli bis Dezember 2003 einen Rekordverlust von 29,4 Mill. ? eingefahren, teilte die Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA am Freitag in einem Zwischenbericht mit. Das Unternehmen rutschte damit erstmals seit dem Börsengang tief in die roten Zahlen. Marktbeobachter hatten lediglich mit einem Fehlbetrag von 25 Mill. ? gerechnet. Im Vorjahreszeitraum hatte die als GmbH & Co KGaA aufgestellte Borussia noch einen Gewinn nach Steuern von 4 Mill. ? eingespielt. Hochgerechnet auf das ganze Spiel- und Bilanzjahr könnte sich das Minus damit auf 60 Millionen Euro auswachsen. Das wäre der mit Abstand höchste Fehlbetrag, den je ein Klub der Fußball-Bundesliga erwirtschaft hat.

Verantwortlich für das Finanzloch sind vor allem die fehlenden Einnahmen aus internationalen Wettbewerben, nachdem der Klub in der Champions-League-Qualifikation gescheitert und auch im Uefa-Pokal früh gescheitert war. Am gravierendsten schlugen die Einnahmeausfälle bei den internationalen Fernseh-Geldern zu Buche: sie verringerten sich binnen Jahresfrist um 16,6 Mill. ? auf nur noch 2,34 Mill. ?. Zuwächse beim Sponsoring, dem Ticket-Verkauf und auch im Transfergeschäft konnten diese Einbußen bei weitem nicht auffangen. Im operativen Geschäft verzeichnete die Borussia vor Zinsen und Steuern (Ebit) einen Verlust von 28,57 Mill. ? nach einem operativen Gewinn von 7,65 Mill. ? im Vorjahreszeitraum. Der gesamte Konzern, zu dem auch die Goool.de Sportswear GmbH, die Beteiligung am Westfalenstadion sowie einige weitere kleinere Aktivitäten gehören, schloss das Halbjahr mit einem Verlust von 29,33 Mill. ? ab nach einem Gewinn von zuvor 7,48 Mill. ?. Der Gesamtumsatz des Vereins mit den meisten Zuschauern in der höchsten deutschen Fußball-Liga fiel um 5,6 % auf 49,31 Mill. ?.

BVB-Präsident Gerd Niebaum kündigte Sparmaßnahmen in Höhe von "mindestens 20 Mill. ?" an. Die Geschäftsführung habe ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Ergebnissicherung verabschiedet, hieß es in der Mitteilung weiter. Der volle Umfang dieser Programme werde sich erst mit Ende des laufenden und des kommenden Geschäftsjahres zeigen.

Obwohl die Verantwortlichen sich schwer verkalkuliert haben, geben sie sich gelassen. Entscheidend sei das Ergebnis zum Ende eines Geschäftsjahres. "Wir haben einen Gestaltungsspielraum bis zum 30. Juni, den werden wir nutzen", sagte Gerd Niebaum, Geschäftsführer der KG und zeigte sich zuversichtlich, im zweiten Geschäftshalbjahr 2003/04 mit deutlichen Kostensenkungen wieder operativ Gewinn zu schreiben.. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" räumte Niebaum aber zugleich ein: "Für Borussia Dortmund ist der "worst case', ein Super-Gau, eingetreten." Der Verein wäre besser gefahren, wenn er sich schon früher gegengesteuert hätte und sich von teuren Spielern getrennt hätte.

Wenn die Borussia erneut die Champions League verpasse, werde sie sich von weiteren Spielern trennen, kündigte Niebaum im Halbjahresbericht an. "Unser Lizenzspielerkader ist für die lukrative Champions League zusammengestellt worden. Sollten wir die Königsklasse im europäischen Fußball nicht erreichen, werden wir die Kostenstruktur des Spielerkaders den wirtschaftlichen Gegebenheiten anpassen."

Fußball-Experten halten angesichts der wirtschaftlichen Krise bereits im Frühsommer zum Ende der laufenden Spielzeit 2003/2004 den Verkauf auch von Stars für möglich - wie etwa des tschechischen Mittelfeldspielers Tomas Rosicky, der gleich von mehreren Klubs in Europa umworben wird. Der Verkauf von Stars wie Rosicky oder Dédé hätte eine doppelte Wirkung. Die Transfererlöse würden das Defizit mildern, und die Spitzenverdiener würden künftig den Personaletat (derzeitiges Volumen etwa 57 Millionen Euro) nicht mehr belasten. Seine Anteile am Westfalenstadion hat das Unternehmen schon im vergangenen Jahr veräußert. Zielsetzung sei, mindestens einen Platz im Uefa-Cup zu erreichen, sagte Niebaum. Derzeit stehen die Gelb-Schwarzen nur auf dem sechsten Tabellenplatz - noch hinter dem deutlich kleineren Revierrivalen VfL Bochum.

Die Börse zeigt sich von dem beabsichtigten Konsolidierungskurs unbeeindruckt. Am Freitagmorgen gab die BVB-Aktie - Emissionswert im Oktober 2000: 11 Euro - nach Bekanntgabe der Zahlen um weitere 3 % auf 2,85 Euro nach und notierte damit unwesentlich über ihrem 52-Wochen-Tief von 2,60 Euro.

Startseite
Serviceangebote