Gerangel um Posten Wer wird was in München?

Auf der bayerischen Politbühne treten nach dem angekündigten Rückzug Edmund Stoibers mehr und mehr Herren auf den Plan, die bislang nicht in Erscheinung getreten sind. Im Gerangel um die verschiedenen Posten tauchen im Windschatten des Spitzenduells Seehofer gegen Huber verstärkt unbekannte Namen auf.
  • Jürgen Fischer und Maximilian Steinbeis
CSU: das Gerangel um die Posten ist im vollen Gange. Foto: dpa Quelle: dpa

CSU: das Gerangel um die Posten ist im vollen Gange. Foto: dpa

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MÜNCHEN/BERLIN.Wer ist Siegfried Schneider? Oder Markus Ferber? Georg Fahrenschon? Nie gehört? Macht nichts. Es wird, wie die Dinge liegen, noch genug Gelegenheiten geben, die Herren kennen zu lernen. Im Windschatten des Spitzenduells zwischen Horst Seehofer und Erwin Huber um den CSU-Vorsitz wird in den nächsten Wochen und Monaten so mancher Karriere machen in der CSU - und die drei Genannten gehören zu denen mit besonders guten Aussichten.

Der Abgang Edmund Stoibers auf dem Parteitag im September schafft nicht nur Vakanzen im Amt des bayerischen Ministerpräsidenten und des CSU-Vorsitzenden. Auch unterhalb gerät die Postenverteil-Maschinerie gewaltig in Bewegung. Zwar haben der designierte zukünftige Regierungschef Günther Beckstein und sein Tandempartner Erwin Huber, Aspirant auf den Parteivorsitz, die Devise ausgegeben, dass vor dem Tag des Wechsels keine Gespräche geführt, keine Bündnisse geschmiedet und keine Posten verteilt werden. Ränkespiele gibt es wahrhaftig auch so schon genug in der CSU in diesen Tagen. Doch wo Entscheidungen ausbleiben, gedeihen Spekulationen um so üppiger. Und so wird auf den Fluren des Münchener Landtags über nichts eifriger diskutiert als darüber, wer demnächst was werden könnte.

Anhaltspunkte liefert vor allem der in der CSU heilige Regionalproporz. Vor allem die Oberbayern, die mit dem Wolfratshausener Edmund Stoiber beide Spitzenjobs in der CSU auf einmal zu verlieren drohen, wetzen die Messer. Mindestens zwei Staatssekretäre zusätzlich müssten im 18-köpfigen Kabinett Beckstein für den CSU-Bezirk herausschauen, heißt es in ihren Kreisen.

Der Bezirk Oberbayern ist mit Abstand der größte und mächtigste in der CSU, sein Chef Alois Glück gilt nicht zuletzt deshalb als graue Eminenz der Partei. Glück hört auf, am 30. Juni wird sein Nachfolger gewählt und damit eine der folgenreichsten Karriereweichen in der Partei gestellt.

Als Favorit gilt Schulminister Siegfried Schneider. Im Herbst könnte er - sofern dieses Amt nicht an Huber geht - im Landtag Fraktionschef werden, wenn Amtsinhaber Joachim Herrmann ins Kabinett wechseln sollte, als Innenminister etwa. Herrmann galt bisher als Stoibers Kronprinz, hatte sich aber beim Aufstand der Landtagsfraktion gegen Stoiber nicht gerade mit Ruhm bekleckert. In dem 50-jährigen Schneider als Fraktions- und oberbayerischer Bezirkschef hätte Herrmann eine äußerst starke Konkurrenz.

Den Bezirksvorsitz Oberbayern macht Schneider allerdings Wissenschaftsminister Thomas Goppel streitig. Goppel, so heißt es, könne im Falle seiner Wahl womöglich sogar als lachender Dritter um den Vorsitz der durch das Duell Seehofer/Huber gespaltenen CSU mitbieten. Denn Goppel ist in der Partei populär und hat eine beachtliche politische Wegstrecke mit CDU-Kanzlerin Angela Merkel gemeinsam zurückgelegt. Von 1994 bis 1998 war er das bayerische Pendant der damaligen Bundesumweltministerin, danach arbeiteten beide als Generalsekretäre ihrer Parteien eng zusammen.

Hoffnungen auf einen Ministerposten kann sich auch Markus Ferber machen. Der Landesgruppenchef im Europaparlament gehört als Chef der CSU Schwaben ebenfalls zur mächtigen Riege der Bezirksvorsitzenden. Ferber könnte Wirtschaftsminister werden, wenn Huber das Amt abgibt. Er gäbe allerdings auch einen plausiblen Bundes- und Europaminister ab.

Ambitionen auf das Amt des Wirtschaftsministers werden Generalsekretär Markus Söder nachgesagt. Wenn Huber Parteichef wird, spricht allerdings viel dafür, dass sein bisheriger Verbündeter Söder sein jetziges Amt behält: Immerhin stehen im Frühjahr 2008 wichtige Kommunalwahlen bevor, da braucht man in der Landesleitung einen Mann mit Erfahrung.

Nicht wenige rechnen damit, dass der frühere Steuerbeamte Huber zurück in sein so geliebtes Finanzressort wechseln wird. Amtsinhaber Kurt Faltlhauser hört ohnehin auf. Dort könne sich Huber am leichtesten aus der Tagespolitik in München heraushalten und Konflikte mit Beckstein vermeiden. Als Finanzstaatssekretär könnte Georg Fahrenschon ins Kabinett aufrücken. Der 39-jährige Bundestagsabgeordnete und Finanzexperte gilt als großes Talent. 2008 wird in seiner Heimat München/Land der Landtagswahlkreis frei. Nach der Bundestagswahl 2009, wenn Huber nach Berlin geht, könnte er Finanzminister werden.

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