Karnevalshochburg „Mainz bleibt Mainz“ ist schon lange überholt

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"Mainz ist für Medienunternehmen wie unseres ideal, weil auf engem Raum alle Ressourcen verfügbar sind", schwärmt Dierk Heimann, Geschäftsführer der Medicine Medienproductions GmbH. "Wenn ich hier einen Kameramann buche, kostet er zudem bis zu 15 Prozent weniger als in München und Köln."

Der TV-Dienstleister nutzt gleich noch die zweite Stärke der Stadt, das Medizin-Know-how. Heimann hat sich auf Beiträge für Medizin- und Wissenschaftsmagazine spezialisiert, beliefert unter anderem das ZDF und Pro Sieben. "Viele unserer Filme nehmen in der Uni-Klinik ihren Anfang."

Mit ihren insgesamt 40 000 Studenten sind Universität und Fachhochschulen zudem wichtige Innovationsmotoren - wegen der hohen Lebensqualität der Stadt bleiben Jung-Akademiker nach dem Studium oft in der Stadt hängen. "Die Universität bringt Innovationen und Ausgründungen hervor", sagt Wirtschaftsstratege Vieregge.

Zum Beispiel Ganymed Pharmaceuticals. Das Biotechnologie-Unternehmen, 2001 von Mainzer und Züricher Wissenschaftlern gegründet, hat sich auf Krebsmedikamente spezialisiert und forscht nahe der Uni-Klinik in Räumen des städtischen Technologiezentrums - und hat in der Anfangsphase davon profitiert, dass die Uni gezielt Wissenschaftler fördert, die sich selbstständig machen wollen. Forschern, die dabei Drittmittel akquirieren, stellt die Hochschule Labore, Büros und Arbeitsmittel zur Verfügung. "Unser Start wurde insbesondere durch dieses Modell erleichtert", sagt Ganymed-Vorstandschef Rainer Wessel. "Die Wissenschaftler können ihren Forschungsdrang ausleben, müssen aber anwendungsorientiert arbeiten", beschreibt Wessel die Vorzüge dieses Modells. "Die Folge: Sie finden leichter den Weg in die Wirtschaft."

Wäre Mainz keine Stadt, sondern ein Unternehmen, würden Analysten es als "stark diversifiziert" beschreiben - die wirtschaftliche Potenz steht und fällt nicht nur mit einer Schlüsselbranche, sondern fußt auf mehreren Säulen. Das birgt entscheidende Vorteile: "Wenn sich bei uns ein Unternehmen erkältet, hustet nicht gleich die ganze Region", sagt Arbeitsagentur-Chef Walter Fries. Hinzu kommt, dass in der Landeshauptstadt Mainz auch die öffentliche Verwaltung ein wichtiger Arbeitgeber ist - Konjunkturschwankungen schlagen daher weniger stark auf Arbeitsmarkt, Kaufkraft und Einzelhandel durch.

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