NOK-Präsidiumssitzung in Berlin Streit um Steinbachs Alleingänge wird verschoben

Die Mitglieder des Bundespräsidiums werden sich eine große Abrechnung mit NOK-Chef Klaus Steinbach bei der Vorstandssitzung in Berlin verkneifen. Dabei schwelt hinter den Kullissen die Kritik.

HB HAMBURG. Vor allem der Vizepräsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Ulrich Feldhoff, ist mit Steinbachs Entscheidungen nicht zufrieden. Er halte das Vorgehen des NOK-Chefs für "irritierend", sagt Feldhoff. Seine Kritik zielt auf einen Vorstoß des ehemaligen Meisterschwimmers Steinbach, im NOK ohne Abstimmung mit dem DSB und den Verbänden eine Leistungssportabteilung etablieren zu wollen. Das wird von der DSB-Spitze intern als "ein erneuter Alleingang" des NOK-Präsidenten bewertet, der die Kooperation der beiden Dachverbände gefährdet und die Grundsatzfrage der Zuständigkeit für den deutschen Hochleistungssport neu aufwirft. Bisher tragen NOK und DSB gemeinsam den Bereich Leistungssport (BL), dessen Vorsitzender Ulrich Feldhoff ist.

Stein des Anstoßes ist die von Steinbach veranlasste Ausschreibung einer Planstelle Abteilungsleiter Leistungssport im NOK. "Das hat uns völlig überrascht", sagt Feldhoff, der auch dem NOK-Präsidium angehört. "Wenn es neue Überlegungen gibt, dann muss man zumindest vorher darüber sprechen. Wer einen Abteilungsleiter für den Leistungssport will, der plant ja wohl auch eine Abteilung mit Mitarbeitern."

Trotzdem wird Feldhoff offenbar nicht die Absetzung Steinbachs fordern. "Das Dümmste, was wir uns zum jetzigen Zeitpunkt erlauben können, wäre, wenn wir uns in einer Personaldiskussion zerfleischen würden", sagt der DSB-Vizechef.

Steinbach wehrt sich

Gegenüber dem "Tagesspiegel" sagte Steinbach: "Das NOK muss niemanden fragen, wenn es eine Stelle ausschreibt." Bisher gibt es eine direkte Zuständigkeit des NOK für den Leistungssport lediglich für Olympische Spiele. Das NOK-Präsidium wird in Berlin in einem ersten Durchgang die Athen-Aufgebote in 13 Sportarten benennen. Die Koordination zwischen den Spielen liegt beim BL, der mit dem Bundesinnenministerium auch die Fördergelder für die Maßnahmen der Verbände aushandelt.

Steinbach hat unter anderem eine "Zuständigkeit für den olympischen Leistungssport" reklamiert. Damit trifft er auf den entschiedenen Widerstand von DSB-Präsident Manfred von Richthofen, der eine solche Teilung der Verantwortlichkeit für "völlig systemfremd" hält.

Als Präsident und Mitglied der Evaluierungskommission trägt Steinbach auch eine wesentliche Verantwortung für das Scheitern Leipzigs als Austragusgsort der Olympiade 2012. Das IOC hatte die Stadt als zu klein und unzureichend in Infrastruktur und Beherbergung bewertet. Ausgerechnet in diesen beiden Kriterien hatten die NOK-Prüfer Leipzig hervorragend benotet. Steinbach sagte: "Schon als Sportler bin ich vor keiner Auseinandersetzung davon gelaufen." Er sei bis 2006 gewählt und werde sich weiter "zum Wohle des NOK einsetzen".

So wird es in Berlin darum gehen, wie man künftig in einem besseren Auswahlverfahren nur aussichtsreiche deutsche Bewerber in ein internationales Rennen schickt. Laut Richthofen kommen für eine Kandidatur für Sommerspiele ohnehin nur Berlin, Hamburg und München in Frage. Doch da vor 2024 wohl keine realistische Chance auf Sommerspiele besteht, wird bei der Sitzung des NOK-Präsidiums wohl eine deutsche Bewerbung für die Winterspiele 2014 in den Vordergrund rücken.

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