Qualität der privaten Piloten-Schulen ist sehr unterschiedlich Cockpit-Karriere ohne Lufthansa

Neben der Lufthansa in Bremen bilden rund 20 kleinere private Schulen in Deutschland Berufspiloten aus. Wer bei der Kranich-Airline abgelehnt wird, bekommt auch hier das Rüstzeug für eine Cockpit-Karriere. Doch die Lage am Arbeitsmarkt macht den Absolventen das Leben schwer.
  • Stefanie Schulte
28.05.2002 - 11:27 Uhr

DÜSSELDORF. "Einer unserer Schüler hatte den Aufkleber 'Sponsored by Oma' auf seinem Pilotenkoffer", erzählt Werner Küper, Geschäftsführer der German Flight Academy (RWL) in Mönchengladbach schmunzelnd. "Das Geld für ihre Ausbildung kratzen sich unsere Schüler auf ganz unterschiedlichen Wegen zusammen". Die meisten haben sich nach einem erfolglosen Anlauf im Test-Marathon der Lufthansa-Fliegerschule in Bremen zu dieser Investition durchgerungen. Während die Lufthansa ihren Schülern die Pilotenausbildung vorfinanziert und ihnen eine Jobgarantie gibt, müssen die Schüler an den rund 20 anderen Flugschulen in Deutschland 60 000 bis 70 000 Euro komplett aus eigener Tasche bezahlen - und mit der Gefahr leben, arbeitslos zu werden.

Philipp Röttgen hat dieses Risiko in Kauf genommen. An der RWL hat er in rund 800 Unterrichtsstunden den Theorie-Stoff in Luftrecht, Navigation, Flugzeugkunde, Technik, Flugphysiologie und Meteorologie durchgezogen. In ein paar Wochen reist er in die USA, um vier Monate lang in der Wüste von Arizona zu fliegen. Nach rund zwei Jahren Ausbildungszeit wird er ähnlich wie seine Kollegen bei der Lufthansa die Pilotenlizenz für Verkehrsflieger (ATPL) in der Tasche haben. "Da ich seit der Schulzeit Segelflieger bin und auf einen Job im Büro keine Lust hatte, lag es nahe, Pilot zu werden. Und die Lufthansa hat mich leider nicht genommen, weil ich nur Fachabi habe. So bin ich bei der RWL gelandet."

Kleinere Fluggesellschaften stellen kaum ein

Das war im Grunde genommen keine schlechte Entscheidung, meint Georg Fongern, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. "Die guten Schulen bieten eine ähnliche Qualität wie die Lufthansa. Vor allem, wenn sie ihre Theorie- und Praxis-Ausbildung gemeinsam mit den Airlines konzipieren - wie die RWL." Allerdings hat Philipp Röttgen die Weichen - was er damals noch nicht wissen konnte - zum denkbar schlechten Zeitpunkt gestellt: Die kleineren deutschen Fluggesellschaften wie Air Berlin, Eurowings oder Hapag-Lloyd, die ihren Bedarf bisher zu großen Teilen bei RWL und vergleichbaren Schulen gedeckt haben, stellen seit dem 11. September kaum noch Cockpit-Personal ein. Und bei der Fluggesellschaft mit dem Kranich hat - außer bei der Regionalflug-Tochter Cityline - nur eine Chance, wer die firmeneigene Nachwuchsschmiede in Bremen besucht hat.

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    "Ich denke, dass im besten Fall 200 Piloten, die nicht von der Lufthansa kommen, in diesem Jahr bei einer Airline unterkommen werden. Dem gegenüber stehen rund 700 Piloten, die mit der Ausbildung fertig werden", schätzt Fongern. Leichter zu bekommen, aber bei den meisten Jungpiloten unbeliebt sind Jobs als Geschäftsreisepiloten bei großen Unternehmen oder Lufttaxi-Firmen - denn hier verdienen sie schlechter und müssen oft mit dem Handy unterm Kopfkissen schlafen.

    Was die Lage noch brenzliger macht: Jedes Jahr müssen Berufspiloten mindestens zwölf Stunden fliegen und einen Checkflug absolvieren, um ihre Pilotenlizenz zu behalten - notfalls selbst finanziert. Und mit jedem Monat, der seit der Flugausbildung verstreicht, sinken die Chancen auf eine Festanstellung, weil die fliegerische Übung verloren geht. Dass den meisten dabei noch die Bank im Nacken sitzt, macht die Sache nicht besser. "Viele Eltern verpfänden ihr Haus, damit ihre Kinder Piloten werden können", weiß Küper.

    Steiniger Weg

    Mit den bis zu 4 200 Euro monatlich, die ein Copilot verdient, lassen sich die Kredit-Raten zwar zurückzahlen. Aber der Weg dorthin ist steinig. Viele Fluglinien schicken die fertig ausgebildeten Bewerber als Einstiegsvoraussetzung durch den Pilotentest des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), den die Lufthansa schon vor Beginn der Schulung voraussetzt. Alle, die hier bereits gescheitert sind, haben schlechte Karten. Aber es gibt auch Fluggesellschaften, die das standardisierte Verfahren ablehnen. "Den DLR-Test schaffen meist nur Bewerber, die einen teuren Vorbereitungskurs absolviert haben - und das möchten wir nicht", sagt Tanja Hake, zuständig für die Piloten-Rekrutierung bei der Hapag Lloyd-Fluggesellschaft. Deswegen überprüft die Airline potenzielles Cockpit-Personal in einem eigenen psychologischen Test auf Belastbarkeit, emotionale Stabilität, Flexibiltät, Durchsetzungsvermögen und Handlungsorientierung. Wer hier punktet, den nehmen die Recruiter auch noch im Flugsimulator und bei einem persönlichen Gespräch in Augenschein.

    Ein Diplom im Lebenslauf verbessert die Chancen. "Weil wir eine kleine Airline sind, haben viele Piloten bei uns eine Doppelfunktion - beispielsweise in der Technik, im Training oder der Fortbildung von Flugbegleitern", erzählt Tanja Hake. Wer den Traum vom Job am Himmel nicht aufgeben möchte, fährt bei der derzeitigen Job-Flaute am besten zweigleisig, meint die Personalerin. "Studieren und nebenher in mehreren Stufen die Pilotenausbildung absolvieren - das geht an vielen Flugschulen, und es bietet die Möglichkeit, den Jobeinstieg herauszuzögern, bis die Zeiten besser werden. Mit dem Studium, zum Beispiel Luft- und Raumfahrttechnik, hat man immer noch ein zweites Standbein, falls es mit dem Cockpit nicht klappt."

    Nicht alle Flugschulen gleich gut

    Ein wichtiges Erfolgskriterium ist aber auch die Wahl der Flugschule. Die Einstiegsvoraussetzungen sind überall gleich: Tauglichkeitszeugnis vom Fliegerarzt und ein Nachweis über fundierte Kenntnisse in Mathe, Physik und Englisch. Doch die Qualitätsunterschiede sind immens. "Es ist wichtig, dass die Schulen ihren Schülern nicht nur Fragenkataloge einprügeln, sondern auch die theoretischen Zusammenhänge vermitteln", betont Fongern. Auf ihrer Website hat die Pilotenvereinigung Cockpit eine Checkliste für die Wahl der Schule zusammengestellt.

    Mit Spannung und etwas Skepsis blicken Piloten und Arbeitgeber auf einen neuen Anbieter, der im vergangenen Herbst seinen Betrieb aufgenommen hat: Die Fliegerschule Intercockpit in Frankfurt will als Ableger des Lufthansa-Konzerns vom Image der Schwester in Bremen profitieren. Der Einstieg ist hier auch ohne Pilotentest möglich, doch mit einer Übernahme in die Lufthansa können die Schüler nicht rechnen. Und die Kosten sind höher als bei vielen Konkurrenten. "Wir arbeiten zwar mit Intercockpit zusammen, aber wie gut die Absolventen wirklich sind, muss sich erst noch zeigen", betont Tanja Hake von Hapag-Lloyd.

    Die Frage nach dem richtigen Ausbildungsweg hat Michael Elvermann längst abgehakt. Der 29-Jährige fliegt seit drei Jahren bei Hapag-Lloyd. Nach einem abgebrochenen Maschinenbaustudium hat er seine Pilotenlizenz an der Fachschule für Flugzeugführer (FFL) in Mülheim an der Ruhr erworben. "Nach der Ausbildung war ich ein halbes Jahr auf Jobsuche, bis mich Eurowings eingestellt hat". Er flog zwei Jahre lang turbinengetriebene Propellermaschinen, bevor Hapag-Lloyd ihm den Traumjob als Copilot eines Airbus A 310 anbot. Jetzt bringt Elvermann im Charterbetrieb Touristen nach Palma de Mallorca und an andere Sonnen-Ziele in Europa und Nordafrika.

    "Die Ausbildung an der Flugschule war für mich optimal. Anders als bei der Lufthansa gab es keinen starren Lehrplan, und so habe ich alles in einem Jahr durchgezogen." Weil er schnell fertig war, kam Elvermann mit 80 000 Mark aus. Die Schulden bei seinen Eltern hat er längst beglichen. "Sie haben nur die Summe zurückgefordert, um die meine Ausbildung teurer war als das Studium meines Bruders. Das war nicht viel - und anders als er hatte ich schon nach anderthalb Jahren einen gut bezahlten Job."

    Links

    Häufig gestellte Fragen zur Pilotenausbildung:
    www.vcockpit.de/ausbildungfaq.php

    Checkliste für Flugschulen der Vereinigung Cockpit:
    www.vcockpit.de/checkliste.php

    Verband Deutscher Verkehrsfliegerschulen mit Mitgliederliste:
    www.verkehrsfliegerschulen.de

    Liste von Flugschulen beim Luftfahrtbundesamt:
    http://www.lba.de

    Flugschulen, die eine theoretische und praktische ATPL-Ausbildung anbieten:

    AFIT GmbH
    Großhesseloher Straße 5
    82049 Pullach
    Tel.: 0 89/45 09 95 30
    Fax: 0 89/45 09 95 55
    E-Mail: [email protected]

    Bavaria Flugschule GmbH
    Kreujochstraße 4 a
    81825 München
    Tel.: 0 89/43 67 03 22
    Fax: 0 89/43 48 56

    COMFLY - German Flight Training Organisation GmbH
    Hohenzollerndamm 53
    14199 Berlin-Wilmersdorf
    Tel.: 0 30 / 8 23 64 46
    Fax: 0 30 / 8 24 81 28
    E-mail: [email protected]

    Deutsche Verkehrsfliegerschule Hamburg
    Weg beim Jäger 208
    22335 Hamburg
    Tel.: 0 40/5 93 94 90
    Fax: 0 40/59 39 49 17
    E-Mail: [email protected]

    Außenstelle Berlin-Schönefeld
    Tel.: 0 30/63 40 94 44
    Fax: 0 30/63 40 94 45
    E-Mail: [email protected]

    Fachschule für Luftfahrzeugführer GmbH
    Brunshofstraße 1
    45470 Mülheim a.d. Ruhr
    Tel.: 02 08/37 20 24
    Fax: 02 08/37 47 47

    Flug- und Trainingscenter
    Euroflight GmbH
    Seckenheimer Landstr. 170
    68163 Mannheim
    Tel: 06 21/42 27 00
    Fax: 06 21/41 23 29
    E-Mail: [email protected]

    FMG - Flugschule M. Gross
    Flughafenstr. 33
    33142 Büren-Ahden
    Tel.: 0 29 55/7 74 55
    Fax: 0 29 55/7 74 66
    E-Mail: [email protected]

    Haeusl Air
    Drosselweg 1
    85055 Ingolstadt
    Tel.: 08 41/39 01 33
    Fax: 0 87 65/15 15
    E-Mail: [email protected]

    FFH - Flugdienst Freiburg Heinz Harter
    Flugplatz
    79108 Freiburg
    Tel.: 07 61/50 05 79
    E-Mail: [email protected]

    IFR - Instrumenten-Flugschule
    Reichelsheim GmbH
    Flugplatz
    61203 Reichelsheim
    Tel.: 0 60 35/44 77
    Fax: 0 60 35/22 20
    E-Mail: [email protected]

    IKON GmbH
    Ausbildungszentrum für die Allgemeine Luftfahrt
    Wetterkreuz 11
    91058 Erlangen-Tennenlohe
    Tel.: 0 91 31/60 40 45
    Fax: 0 91 31/60 40 39
    E-Mail: [email protected]

    InterCockpit Pilot Training Network
    Airportring Tor 24 (Flughafen FRA)
    60549 Frankfurt am Main
    Tel.: 069 / 69 69 65 12
    Fax.: 069 / 69 69 64 07
    E-mail: [email protected]

    LGM Luftfahrt GmbH
    Flughafen Mannheim
    68163 Mannheim
    Tel.: 06 21/3 28 18-0
    Fax: 06 21/41 60 35
    E-Mail: [email protected]

    Fliegerschule Schwabenflug GmbH
    Flughafenstraße 6
    86169 Augsburg
    Tel.: 08 21/70 10 98
    Fax: 08 21/74 19 08
    E-Mail: [email protected]

    PTL
    Pilot Training und Luftfahrtunternehmen GmbH
    Flugplatzstraße 4
    84034 Landshut
    Tel.: 08765/920100
    Fax: 08765/920102
    E-Mail: [email protected]

    RWL - German & Co. KG
    Flughafen, RWL-Center
    41066 Mönchengladbach
    Tel.: 0 21 61/6 89 00
    Fax: 0 21 61/68 90 90
    E-Mail: [email protected]

    TFF
    Fachschule für Flugzeugführer GmbH
    Westruperstr. 15
    49434 Neuenkirchen-Vörden
    Tel.: 0 54 95-12 37
    Fax: 0 54 95-99 46 89

    Westflug Aachen
    Luftfahrtgesellschaft mbH
    Flugplatz Merzbrück
    52146 Würselen
    Tel.: 02405/48 51-0
    Fax: 02405/48 51 87
    E-Mail: [email protected]

    VHM
    Schul- und Charterflug
    Flughafen Essen-Mülheim
    45470 Mülheim/Ruhr
    Tel.: 02 08/99 23 40
    Fax: 02 08/9 92 35 20

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