Sieg gegen Slowenien Handballern gelingt endlich der große Wurf

Riesenjubel beim Team von Heiner Brand: Deutschland ist erstmals Europameister. Die deutschen Handballer haben ihren "Final- Fluch" besiegt und fahren als Europameister zu den Olympischen Spielen in Athen. Erneut zeigte die Mannschaft in der "Hölle von Ljubljana" gegen Gastgeber Slowenien ein briliantes Spiel und gewann das Finale ebenso verdient wie souverän.
Christian Schwarzers Gesichtsausdruck war stellvertretend für die Entschlossenheit der ganzen DHB-Mannschaft. Foto: dpa

Christian Schwarzers Gesichtsausdruck war stellvertretend für die Entschlossenheit der ganzen DHB-Mannschaft. Foto: dpa

HB LJUBLJANA. Nach zwei verlorenen Finals bei der WM 2003 und der EM 2002 besiegte die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand im Endspiel am Sonntag in Ljubljana EM-Gastgeber Slowenien mit 30:25 (16:10). Damit feierte der Vizeweltmeister den größten Erfolg für den deutschen Männer-Handball seit dem Olympiasieg der DDR 1980 und holte für den Deutschen Handball-Bund (DHB) den ersten Titel seit der Weltmeisterschaft 1978.

Nach der Schlusssirene brach bei den deutschen Spielern unbeschreiblicher Jubel aus. Trotz der Strapazen nach acht Spielen in elf Tagen tanzten und sprangen sie ausgelassen auf dem Parkett in der mit 7000 Zuschauern ausverkauften Halle Tivoli und sangen "We are the champions". Die Siegerehrung war der Startschuss zu einer langen Nacht. Noch am Abend sollte Bundestrainer Brand sein Markenzeichen, den Schnauzbart, verlieren.

"Seit 1989 kämpfe ich in der Nationalmannschaft. Jetzt bin ich endlich oben. Das ist eigentlich Wahnsinn", sagte der völlig erschöpfte Lemgoer Kreisspieler Christian Schwarzer. Die Rolle des Olympia-Favoriten nehme die Mannschaft gern an: "Damit haben wir kein Problem." "Ich kann es nicht glauben. Beinahe wären wir in der Vorrunde ausgeschieden, und jetzt sind wir Europameister", beschrieb Schwarzers Vereinskollege Florian Kehrmann seine Gefühle, der mit neun Toren maßgeblichen Anteil am Finalerfolg hatte. Spielmacher Daniel Stephan (8/4) meinte nur: "Wir haben es einfach verdient."

Bundesinnenminister Otto Schily gratulierte kurz nach dem Abpiff: "Ein Riesenkompliment an die Mannschaft, die eine großartige Partie gespielt hat. Das war eine tolle Mannschaftsleistung. Glückwunsch an Heiner Brand und sein Team. Das ist ein hervorragender Auftakt für Deutschland im Olympia-Jahr 2004."

Das DHB-Team bestimmte im Finale ab der ersten Führung (3:2/4.) das Spiel mit Routine, Abgeklärtheit und Disziplin. Beim 16:10 zur Halbzeit hatte die Mannschaft erstmals einen Sechs-Tore-Vorsprung. Auch nach dem Wechsel spielte das Team hochkonzentriert weiter, so dass der Sieg nicht mehr ernsthaft in Gefahr geriet. "Wir waren einfach einmal dran", meine Linksaußen Stefan Kretzschmar (Magdeburg), der wie auch der Anfang der Woche am Meniskus operierte Nationalmannschafts-Regisseur Markus Baur (Lemgo) mit dem Auto extra zum Finale angereist war.

Neben 40 000 ? von der Europäischen Handball-Föderation (EHF) kassierten die deutschen Spieler für den Triumph 10 000 ?, die ein Sponsor ausgelobt hatte. Zudem ist die Nationalmannschaft, in deren EM-Vorbereitung der DHB seit Januar 100 000 ? investierte, bereits für die WM 2005 in Tunesien und die EM 2006 qualifiziert. EM-Dritter wurde erneut Dänemark durch einen 31:27 (15:14)-Erfolg im "kleinen Finale" gegen Weltmeister Kroatien. Das Spiel um Platz fünf gewann Olympiasieger Russland mit 28:26 (14:11) gegen den WM-Dritten Frankreich.

"Das ist eine herausragende Leistung der Mannschaft, dass sie zum dritten Mal das Finale erreicht hat. Wir sind die einzigen, die das drei Jahre hintereinander geschafft haben, im Finale zu stehen. Das überrascht mich schon. Ich bin stolz auf die Mannschaft", lobte Brand seine Akteure. "Die deutsche Mannschaft bestimmt die Weltspitze", urteilte DHB-Präsident Ulrich Strombach über die Leistung der Auswahl. Dies drückte sich auch in die Wahl von Torhüter Henning Fritz und des Lemgoer Rückraumspielers Volker Zerbe in das Allstar- Team aus.

Vor dem Endspiel hatten die deutschen Spieler versucht, die zwei verlorenen Finals bei der EM 2002 und der WM 2003 aus den Köpfen zu verbannen. "Darüber denken wir nicht nach. Das ist ein neues Spiel", sagte der Kieler Fritz. Mit einer Quote von 49 % gehaltener Bälle war der Kieler auch ein großer Rückhalt beim 22:20- Halbfinalerfolg am Samstag gegen Dänemark.

Sloweniens Nationaltrainer Tone Tiselj, dessen Mannschaft in der Hauptrunde eine herbe 24:31-Schlappe gegen das deutsche Team erlitten hatte, stichelte angesichts zweier verlorener Endspiele vor dem Finale gegen das Brand-Team. "Deutschland hat zwei Finals verloren. Ich kann nur sagen: Finals spielt man nicht, Finals gewinnt man", meinte er auf der Pressekonferenz, nachdem Slowenien im Halbfinale Weltmeister Kroatien mit 27:25 bezwungen und sich damit den letzten freien Olympia-Platz gesichert hatte. Nach dem Finale musste er den verdienten Sieg der Deutschen anerkennen.

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