Strukturelle Herausforderungen Strukturelle Herausforderungen

Der Weg in eine gemeinsame europäische Bankenlandschaft scheint steinig. Übernahmen werden wahrscheinlicher als freundliche Fusionen.
  • ROLAND SCHWEINS
Hilmar Kopper

Hilmar Kopper

FRANKFURT. "Es wird so schnell keine grenzübergreifende Fusionen in Europa geben", sagte Hilmar Kopper, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, am Donnerstag in Frankfurt. Er begründete seine These damit, dass es trotz der Euro-Einführung bislang nicht gelungen sei, eine "europäische AG" zu schaffen. Wenn überhaupt, dann seien Übernahmen denkbar, sagte der ehemalige Deutsche-Bank-Chef auf der Handelsblatt-Tagung "Banken im Umbruch". Weil die Deutsche Bank in Europa keinen Partner finden konnte, habe sie sich zum Kauf der US-amerikanischen Investment-Bank "Bankers Trust" entschieden - und damit gleichzeitig einen Fuß in den Dollar-Raum gesetzt.

Fusions-Versuche deutscher Banken in Europa sind nach Ansicht Koppers bislang gescheitert, weil alle großen Banken in den gleichen Geschäftsfeldern tätig sind. Wenn es dann über Details zu Unstimmigkeiten komme, sei es ein natürlicher Prozess, dass Zusammenschlüsse in der Vorbereitung scheiterten. Schließlich bedeute eine Fusion einen "unglaublich hohen Restrukturierungsaufwand". Dennoch erwarten sowohl Kopper als auch Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz einen sich weiter fortsetzenden Konsolidierungsprozess bei den Banken.

Auch Fahrholz betonte, dass sich die internationalen Finanzmärkte weiter "dramatisch" verdichteten. Die Dresdner Bank werde daher zahlreiche Bereiche noch wesentlich selbstständiger gestalten und erwäge, Dienstleistungen einzukaufen - beispielsweise für die globale Wertpapier-Verwahrung.

International gebe es weitere Hemmnisse, unter denen der Finanzplatz Frankfurt zurzeit leidet. Kopper sprach wiederholt die hohen Einkommensteuern in Deutschland an. "Ich habe mich schon seit Jahren gefragt, wie man denn einen guten Mitarbeiter aus dem Ausland nach Deutschland bekommen soll. Ich möchte ihm ja hier das gleiche Geld zahlen. Aber er möchte das gleiche Netto verdienen, das kann er hier nicht. Also bleibt er in den USA oder er geht nach London. Das ist schlecht für den Finanzplatz Frankfurt."

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