Verein gerät in Erklärungsnot BVB weiter in den Schlagzeilen

Zum Trainingsauftakt für die Rückrunde belasten Gerüchten über eine angeblich bedrohliche Finanzlage den Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund.

HB DORTMUND. Obwohl der einstige deutsche Vorzeige- Club nicht nur in sportlicher Hinsicht schweren Zeiten entgegensieht und drei Profis beim ersten Training nach der Winterpause unentschuldigt fehlten, stellte die Vereinsführung demonstrativ Zuversicht zur Schau. Ungeachtet der Spekulationen über angebliche Liquiditätsprobleme des BVB forderte Manager Michael Meier das Team zu einem Kraftakt auf: "Wir verstehen die Winterpause als Zäsur, um den Verein wieder in einem anderen Licht zu zeigen. Mit der Rückkehr einiger Rekonvaleszenten haben wir wieder das Potenzial, um unseren Zielen näher zu kommen."

Die Forderung des Managers, sich wieder mehr auf rein sportliche Belange zu konzentrieren, entpuppte sich als Wunschdenken. Einmal mehr geriet die Clubführung nach kritischen Medienberichten in Erklärungsnot. Wie die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Montagsausgabe berichtet, sollen die Finanzprobleme des Revierclubs offenbar ernster als bisher angenommen sein. So könnten bis zum Ende der Saison 20 bis 25 Millionen Euro an flüssigen Mitteln fehlen. Geschätzten Einnahmen von 25 Millionen Euro in den nächsten sechs Monaten stünden Ausgaben von etwa 45,2 Millionen Euro gegenüber. Diese Zahlen dementierte Meier nicht, bestritt aber energisch Spekulation über Zahlungs- Rückstände gegenüber mehreren Spielern: "Wir haben genug liquide Mittel, um unseren Verpflichtungen nachzukommen."

Auch auf die Berichte von einer turbulent verlaufenen Eilsitzung des Aufsichtsrates vor Weihnachten, bei der Clubchef Gerd Niebaum angeblich zu einer weniger risikofreudigen Ausgabenpolitik gezwungen wurde, reagierte Meier mit einem Dementi: "Es hat gar keine Sitzung des Aufsichtsrates gegeben." Gleichwohl mehren sich die Anzeichen, dass Niebaums mutige Investitionspolitik clubintern zunehmend kritisch gesehen wird. So hatte der Aufsichtsrats-Vorsitzende Winfried Materna, Chef eines Software-Unternehmens mit 1300 Angestellten, "einen kompletten Paradigmen-Wechsel" gefordert.

Es passte ins Bild einer kriselnden Borussia, dass Coach Matthias Sammer beim Aufgalopp am Montag vergeblich auf Juan Ramon Fernandez, Leonardo Dede und Evanilson warten musste. Über den Verbleib der drei Südamerikaner konnte im Club niemand Auskunft geben. Um weitere Negativ-Schlagzeilen zu verhindern, spielte Meier das Fernbleiben der Profis zunächst herunter: "Das sollte man nicht überbewerten." Erst zum Ende seiner Ausführungen kam Verärgerung zum Ausdruck: "Sie werden ihre Strafe bekommen, wenn sich herausstellt, dass sie unentschuldigt fehlen. Wir müssen uns nicht alles gefallen lassen."

Bei so viel Problemen ging die positive Nachricht vom nahen Ende der größten Personalnot in der Vereinsgeschichte fast unter. Mit Torsten Frings, Flavio Conceicao, Andre Bergdölmo und Ahmed Madouni kehrten immerhin vier Rekonvaleszenten ins Training zurück. Vor allem Nationalspieler Frings ist nach seinem Kreuzbandriss voller Tatendrang: "Gott sei Dank geht es endlich wieder los. Ich bin voll fit und will schon im Trainingslager in Spanien erste Spielpraxis sammeln." Einem Einsatz im Revierderby gegen den FC Schalke 04 zum Rückrunden-Auftakt am 30. Januar stehe derzeit nichts im Wege.

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