Zahlensalat Wann und warum es einmal einen 30. Februar gab

Über Kalenderkunde, einen pragmatischen Papst, widerspenstige Schweden und noch pragmatischere Banker
  • Michael Joswig (TU Darmstadt)
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In unserem Kalender hat der Februar 28 oder 29 Tage, je nachdem ob wir ein Schaltjahr haben oder nicht. Was viele nicht wissen: Es gab aber auch schon einen 30. Februar. Der heute gängige Gregorianische Kalender richtet sich nach dem Umlauf der Erde um die Sonne. Gelegentliche Schalttage sind nötig, weil das Jahr rund 365,25 Tage dauert. Ab und zu müssen die verpassten Vierteltage - zu einem ganzen Tag zusammengesetzt - nachgeholt werden, um nicht aus dem Takt zu kommen.

Die Regel lautet: Jedes durch vier teilbare Jahr ist ein Schaltjahr, es sei denn die Jahreszahl ist durch 100 teilbar. Jedoch gibt es auch von dieser Ausnahme wieder eine Ausnahme: Jedes durch 400 teilbare Jahr ist auch wieder ein Schaltjahr. Daher gab es 2000 einen 29. Februar, aber 1900 nicht. Insgesamt kommen wir so auf 97 Schalttage in je 400 aufeinander folgenden Jahren. Das Gregorianische Jahr ist damit im Mittel 365,2425 Tage lang. Das kommt den himmelsmechanischen Tatsachen recht nahe. Allerdings haben die Astronomen konkurrierende Definitionen: Je nach Auslegung beträgt die exakte Dauer eines Sonnenjahres zwischen 365,2422 und 365,2424 Tagen und verändert sich obendrein auch noch.

Der Gregorianische Kalender löste gegen Ende des 16. Jahrhunderts den älteren Julianischen Kalender ab, ganz einfach wegen seiner überlegenen Regel für die Schalttage. Dem Jahr 1582 wurden auf päpstliches Geheiß zehn Tage gestrichen, damit fortan die Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr auf den 21. März fallen konnte. Dieser Tag ist als Frühlingsanfang festgelegt, und hiernach richtet sich, wann Ostern gefeiert wird. Nicht alle Länder ließen sich sofort auf den neuen Kalender ein. Insbesondere das protestantische Schweden wartete bis 1700. Infolge umständlicher Regelungen und politischer Verwicklungen ergab es sich, dass beim schrittweisen Übergang vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender das Jahr 1712 in Schweden nicht nur einen, sondern sogar zwei Schalttage erhielt - deshalb gab es in diesem einen Jahr einen 30. Februar.

Bei Kaufleuten ist alles einfacher: Der Zinsberechnung liegt ein Jahr aus zwölf gleich langen Monaten zu je 30 Tagen zu Grunde. Der Banker hat daher jedes Jahr einen 30. Februar.

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