Zertifikate-Baukasten Planwirtschaft

Die Krise der internationalen Finanzmärkte ist noch lange nicht ausgestanden. Schutz vor Kursverlusten bieten in solchen Phasen nur wenige Finanzinstrumente. Doch durch die gezielte Kombination verschiedener Zertifikatetypen lassen sich die Risiken einer Anlage zumindest genau eingrenzen. Wichtig dabei ist die richtige Mischung.
  • Matthias von Arnim
Börse Frankfurt: Geringeres Risiko mit Zertifikaten. Foto: dpa Quelle: dpa

Börse Frankfurt: Geringeres Risiko mit Zertifikaten. Foto: dpa

(Foto: dpa)

Der Januar 2008 war kein guter Monat, jedenfalls nicht für Anleger. Deren Nervenkostüm wurde in den ersten Wochen heftig strapaziert, denn die Börsen Asiens, Europas und Amerikas fuhren Achterbahn. Der Wert des deutschen Aktienindex Dax schmolz in den ersten vier Wochen des Jahres von über 8 000 Punkten auf zwischenzeitlich unter 6 500 Punkte zusammen. Und die Turbulenzen scheinen noch lange nicht ausgestanden. Schutz vor Kursverlusten bieten in solchen Phasen nur wenige Finanzinstrumente. Doch mit dem richtigen Zertifikate-Mix lässt sich das Risiko eingrenzen.

"Gefragt sind derzeit vor allem Garantiezertifikate", bestätigt Lars Brandau, designierter Geschäftsführer des Deutschen Derivateverbandes. "85 Prozent aller derzeit verkauften Zertifikate bieten eine Kapitalgarantie oder zumindest einen Teilschutz." Beispiele dafür sind etwa sogenannte Rainbow-Zertifikate: Sie versprechen zum Ende der Laufzeit zwar keine Schüssel voll Gold, dafür aber eine optimierte Rendite verschiedener Anlageklassen. Lock-In-Zertifikate beispielsweise sichern einen Teil des einmal erreichten Gewinns ab, und mit Twin-Win-Zertifikaten lässt sich Geld verdienen, wenn die Kurse des jeweiligen Basiswertes fallen. Die Vielfalt der Papiere ist mittlerweile nahezu unüberschaubar. Gemeinsam ist den meisten Zertifikatetypen nur eines: Garantierte Gewinne gibt es nicht. Selbst sogenannte Garantiezertifikate sind nicht wirklich zu 100 Prozent sicher. Denn am Ende der Laufzeit wird nur die Rückzahlung des Emissionspreises zugesagt. Der Ausgabeaufschlag von bis zu zwei Prozent ist da nicht miteingerechnet, und bei fünf bis sechs Jahren Laufzeit fallen im schlechtesten Fall Inflationsverluste an. Selbst Lock-In-Zertifikate bieten nur eine begrenzte Sicherheit: Hier wird zwar die Verlustgrenze immer wieder optimiert, Verluste werden aber nicht vollkommen ausgeschlossen. Anleger auf der Suche nach Sicherheit müssen trotzdem nicht verzweifeln. Denn Renditegarantien sind keine Hexerei.

"Wenn Sie an der Börse alle Risiken ausschließen, gibt es zwar keine unbegrenzten Gewinnmöglichkeiten", sagt Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau, "doch Investoren, die gezielt verschiedene Zertifikatetypen mit aufeinander abgestimmten Kennzahlen kombinieren, können ihre Risikogrenzen selbst festlegen." Mit wenigen Zutaten aus dem Zertifikatebaukasten werden Anleger so zu Konstrukteuren wetterfester Anlagestrategien.

Die nachfolgenden Beispiele lassen sich nach Belieben verfeinern oder auch für defensive Strategien nutzen. Als Basisinvestment eignen sich immer Discountzertifikate, denn der auf den Basiswert gewährte Rabatt kann in Hebelprodukte investiert werden, die für mehr oder weniger Gewinngarantie sorgen. Statt in Discount-Calls, wie im dritten Baukasten gezeigt, können Anleger auch in Discount-Puts investieren und so auf fallende Dax-Werte setzen. Der Vorteil solcher Produktkombinationen: Gewinn- und Verlustgrenzen lassen sich scharf definieren.

Investoren auf der Suche nach sicheren Anlagemöglichkeiten greifen gern auf Bundesanleihen zurück. Keine vier Prozent Rendite pro Jahr geben Bundesanleihen mit überschaubarer Laufzeit derzeit her. Wer mehr Rendite im Euro-Raum will, muss der griechischen oder lettischen Staatskasse Geld leihen. Mit der passenden Kombination von Discountzertifikaten und Put-Optionsscheinen können Anleger diese Renditen jedoch toppen. Besonderer Vorteil: Wer Scheine wählt, deren Laufzeiten noch vor dem 30.6.2009 enden, kann den Gewinn komplett steuerfrei einfahren. Einzige Voraussetzung dafür: Der Kauf muss vor dem 30.6.2008 erfolgen.

Das Prinzip: Zertifikate, die weniger kosten als ihr jeweiliger Basiswert, können mit Papieren kombiniert werden, die mögliche Verluste auffangen. Discountzertifikate bieten sich deshalb als ein idealer Baustein für solche Konstruktionen an. Hier wird die Gewinnchance begrenzt, dafür bekommen Anleger beim Kauf aber einen Rabatt auf den Basiswert gewährt. Die Differenz zwischen dem Preis und dem Cap des Discountzertifikats können Investoren in Put-Optionsscheine mit derselben Laufzeit investieren. Entspricht deren Basispreis dem Cap des Discountzertifikats, sind Verluste am Laufzeitende ausgeschlossen.

Der Effekt: Unterm Strich hat sich der Anleger ein Garantiezertifikat mit festem Kupon gebaut - vergleichbar einer Anleihe, aber je nach Zusammensetzung mit einer höheren Ausschüttung. Am Fälligkeitstag erhalten Anleger pro Kombipaket den Cap-Betrag (multipliziert mit dem Bezugsverhältnis) als Barwert ausgezahlt. Als garantierter Gewinn bleibt die Differenz zwischen Kaufpreis und Cap.

Ein Beispiel: Der Anleger kauft Discountzertifikate auf den Dax mit einem Cap von 6500 Punkten (ISIN DE000WGZ11Z7, Kaufkurs Ende Januar 56,56 Euro) und die gleiche Anzahl an Put-Optionsscheinen mit einem Basiswert von ebenfalls 6 500 Punkten (ISIN DE000BN7ZNH1, Kaufkurs Ende Januar: 5,12 Euro). Beide Wertpapiere haben die gleiche Laufzeit: Am 19.6.2009 werden Discountzertifikat und Optionsschein fällig. Dann werden insgesamt 65 Euro ausgezahlt, unabhängig davon, wie der Dax zu diesem Zeitpunkt steht. Bei einem Einstiegspreis von insgesamt 61,68 Euro kann der Anleger mit einem garantierten Gewinn von 3,32 Euro pro Kombipaar rechnen. Das entspricht einem sicheren Gewinn von 5,4 Prozent (siehe Tabelle).

"Die Kombination von Discountzertifikat und Put-Optionsschein lässt sich natürlich auch offensiver oder defensiver gestalten, je nachdem wie die Basispreise gewählt werden", erklärt Torsten Iben von FWW Research. So sind je nach Marktentwicklung deutlich höhere Renditen möglich - mit eingebauter Kapitalgarantie.

Das Prinzip: Kombiniert wird ein Put-Optionsschein mit einem Basiswert nahe am Geld (Anfang März also etwa bei 6700 Dax-Punkten) und ein Discountzertifikat mit höherem Cap. Discountzertifikat und Put-Optionsschein dürfen zusammen nicht mehr kosten als der Basispreis des Put-Optionsscheins (multipliziert mit dessen Bezugsverhältnis).

Der Effekt: Am Fälligkeitstag erhalten Anleger pro Kombipaket mindestens den Basispreis des Optionsscheins (multipliziert mit dem Bezugsverhältnis) als Barwert ausgezahlt. Gewinne sind darüber hinaus möglich bis zum Cap des Discountzertifikats. Ein Verlust ist nicht möglich.

Ein Beispiel: Der Anleger kauft Discountzertifikate auf den Dax mit einem Cap von 7 300 Punkten (ISIN DE000UB1T903, Kaufkurs Ende Januar 61,37 Euro) und die gleiche Anzahl an Put-Optionsscheinen mit einem Basiswert von 6 800 Punkten (ISIN DE000BN2DMC2, Kaufkurs Ende Januar 6,15 Euro) und einer Laufzeit bis zum 19.6.2009. Zu diesem Zeitpunkt werden so mindestens 68 und maximal 73 Euro ausgezahlt. Bei einem Einstandspreis von insgesamt 67,52 Euro ist sogar eine minimale Rendite garantiert. Der Investor hat darüber hinaus die Option auf eine fast sechsprozentige Jahresrendite, die je nach Kauf- und Verkaufszeitpunkt sogar noch steuerfrei möglich ist.

Wie in Baukasten 1 gezeigt, lassen sich mit der Kombination aus Discountzertifikaten und Put-Optionsscheinen sichere Renditen erzielen. Investieren Anleger diesen sicheren Gewinn, den sie am Laufzeitende erwarten können, zu Beginn in Discount-Call-Optionsscheine, können sie ein Garantiezertifikat bauen, mit dem sie ihre Gewinnerwartungen noch einmal zusätzlich fein justieren können. Insbesondere bei Erwartung stark steigender oder stark fallender Kurse lassen sich so risikofrei attraktive Renditen erzielen.

Das Prinzip: Die Differenz zwischen dem Preis und dem Cap eines Discountzertifikats wird (wie im ersten Beispiel in Baukasten 1) in Put-Optionsscheine mit derselben Laufzeit investiert, deren Basispreis dem Cap des Discountzertifikats entspricht. Daraus ergibt sich die Gewinngarantie am Laufzeitende. Erwartet der Anleger stark steigende Kurse, wird die erwartete Gewinnsumme aus Discount und Put in einen Capped Call investiert. Das ist ein Optionsschein mit Gewinn-Cap. Durch die Begrenzung des maximalen Gewinns ist dieser Schein günstiger als ein normaler Optionsschein. Am Laufzeitende wird bei diesen Scheinen maximal die Differenz zwischen Basispreis und Cap ausgezahlt.

Der Effekt: Am Fälligkeitstag erhalten Anleger pro Kombipaket mindestens eine Auszahlung in Höhe des Discountzertifikate-Caps. Gewinne sind darüber hinaus möglich bis zum Cap des Discount-Calls. Ein Verlust ist auch hier nicht möglich.

Ein Beispiel für ein Szenario mit der Erwartung stark steigender Kurse: Der Anleger kauft Discountzertifikate auf den Dax wie in Baukasten 1 gezeigt. Dafür zahlt er insgesamt 61,68 Euro. Zusätzlich investiert er in einen Discount-Call mit einem Basispreis von 7 500 und einem Cap von 8 000 Dax-Punkten. Gewinne werden mit diesem speziellen Schein nur dann erzielt, wenn der Dax am Ende der Laufzeit innerhalb dieser Spanne notiert. Mit der Gesamtposition aus Discountzertifikat, Put-Optionsschein und Discount-Call sind dem Anleger 1,63 Prozent Rendite sicher. Im günstigsten Fall werden 7,1 Prozent Gewinn erzielt - und das risikofrei.

Tipp: Bei der Auswahl der Discountzertifikate und Optionsscheine sollten Anleger die unterschiedlichen Angebote der Emittenten gut miteinander vergleichen. Trotz genau gleicher Eckdaten unterscheiden sich die Preise - und damit die Performanceerwartungen - zum Teil deutlich. In den Beispielen wurde ausschließlich der Dax als Basiswert herangezogen, da dort eine ausreichende Anzahl an vergleichbaren Produkten zur Auswahl steht. Prinzipiell ist für diese Art von Strategie aber jeder andere Basiswert denkbar. Bei Discountzertifikaten sollten Anleger allerdings die Fälligkeitsbedingungen zum Laufzeitende genau studieren. Bei Unterschreiten des Caps wird bei einigen Zertifikaten das Ergebnis nicht bar ausgezahlt, sondern der Basiswert geliefert.

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