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Mein Handelsblatt Beständig ist nur der Wandel

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Computer statt Schreibmaschine

In der Redaktion hatten 1979 Computer die Schreibmaschinen ersetzt, der Aufbruch ins digitale Zeitalter  begann 1998 mit dem Start der ersten Web-Site „handelsblatt interaktiv“, 2001 in „handelsblatt.com“ umbenannt. Steingart forcierte die Digitalisierungsstrategie. Auf das Korrespondentennetz setzend und die Zeitverschiebung zwischen Europa, den USA und Asien nutzend,  führte er einen 24-Stunden-Betrieb der Online-Redaktion ein. Im März 2013 startete die digitale Tageszeitung Live für das iPad, einige Monate später kam das E-Paper auf den Markt, mit dem die Handelsblatt-Ausgabe des nächsten Tages schon am Vorabend digital verfügbar ist. Seit Oktober 2014 erscheint die Wirtschaftszeitung auch in einer englischen Ausgabe, der Handelsblatt Global Edition. Die vorerst letzte Neuerung ist die Smartphone-App Handelsblatt 10, eine mobile Abendzeitung mit den zehn aktuell wichtigsten Themen.

Bei allen Erfolgen gab es natürlich auch in der Geschichte des Handelsblatts Höhen und Tiefen, schwere Irrtümer und existenzielle Herausforderungen.  Eine Schnapsidee war es etwa, zeitweise den traditionellen Werbeslogan  „Substanz entscheidet“ durch  den Spruch „Jeder Tag zählt“ zu ersetzen. Seit dem Jahr 2000 musste sich das Handelsblatt der ernst zu nehmenden Konkurrenz der neuen „Financial Times Deutschland“ (FTD) erwehren, massiv subventioniert von ihrem Verlag Gruner + Jahr.

2008 legte der Verlag die FTD mit seinen Wirtschaftsmagazinen „Capital“, „Börse Online“ und „Impulse“ zusammen – eine fatale Fehlentscheidung. Ende 2012 wurde die FTD aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Auch in der Geschäftsführung der Verlagsgruppe  Handelsblatt hatte es Überlegungen gegeben, das Handelsblatt mit der „Wirtschaftswoche“ zu verschmelzen – doch wurde diese redaktionsintern „Operation Fischsuppe“ genannte Idee nicht in die Tat umgesetzt.

Buchstäblich am Scheideweg stand das Handelsblatt Mitte 2009: Acht Jahre zuvor hatte Dieter von Holtzbrinck die Leitung der Verlagsgruppe Handelsblatt an seinen damals erst 37-jährigen Halbbruder Stefan übergeben. Nun stand Stefan offenbar kurz davor, die Verlagsgruppe an die Konkurrenz zu verkaufen. In dieser Stunde größter Not übernahm Altverleger Dieter die Verlagsgruppe Handelsblatt wieder von seinem Halbbruder. „Die Rückkehr des Verlegers“, formulierte Gabor Steingart, „war mehr als nur eine Übertragung von Gesellschafteranteilen. Sie war ein Bekenntnis zum Handelsblatt – und zur Kultur der Qualitätszeitung“.

Seinen 70. Geburtstag feiert das Handelsblatt in einer Zeit, deren Signum die digitale Innovation ist. Die 2.500 Jahre alte Erkenntnis des antiken Philosophen Heraklit: „Panta rhei – alles ist im Fluss“ scheint heute mehr denn je zu gelten. Gerade in schnelllebigen Zeiten braucht Innovation aber auch Tradition. Das Handelsblatt kann jedenfalls aus einem langen, erfolgreichen Fundus schöpfen. Vielleicht ist gerade das der Garant für eine gute Zukunft.

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11 Kommentare zu "Mein Handelsblatt: Beständig ist nur der Wandel"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warum brauche ich die Auswahl zwischen 25 inhaltlich gleichen TV-Programmzeitschriften, wenn mir letztlich eine genügt?
    Sowas ist doch Wahnsinn!

  • Erstmal herzlichen Glückwunsch ans Handelsblatt für die bisherigen 70 Jahre!
    „Auflagen-Verluste der Magazine dramatischer denn je“
    Wenn der stern so weitermacht, ist er auch bald nur noch Geschichte und das absolut zurecht, Jörges sei Dank.
    Gilt für viele weitere Printerzeugnisse und Verlage. Sind ja eh alle im Eigentum der paar Großen, die den noch vorhandenen immer kleiner werdenden Markt unter sich aufteilen => Bertelsmann, Bauer, Burda, Holtzbrinck (verlegt das Handelsblatt), Springer, Gruner + Jahr, Medien-Union Schaub. Wenn man sich mal die Preise (zwischen 5 und 20 Euro) anschaut, welche zum größten Teil heute für die Printausgaben der Magazine und Sonderhefte aufgerufen werden, dann verzichte ich als möglicher Käufer gerne auf deren Nachfrage und den Kauf. Auch die Inhalte können nicht mehr überzeugen, da fast alle eh das gleiche voneinander klauen und abschreiben. Nennt sich dann politisch motivierter Journalismus. Nein, auf große Teile der aktuellen Printmedienlandschaft kann ich gut und gerne verzichten. Zu D-Mark Zeiten waren es mir die 3,50 D-Mark noch wert, ein Wochenmagazin käuflich zu erwerben. Seit sich aber die Preise mittlerweile innerhalb von nur 14 Jahren verdoppelt haben, sind mir diese Ausgaben schlicht und ergreifend zu teuer geworden. Das Internet ist für mich persönlich übrigens kein wirklicher Leseersatz zu den Printausgaben. Hinzu kommt eine Flut von Zeitschriftentiteln, die kein Mensch wirklich braucht. Ich frage mich oft, wie die Verlage diese Überproduktion finanzieren, da sich die Zeitschriften und Magazine immer mehr als Ladenhüter entpuppen.

  • @Caruso

    wie Sie sehen, wurde nun wegen "sachlich" gelöscht.......

    Einen "Grund", missliebige Meinungen zu löschen, findet sich eben immer.......

  • Ja, ich wäre auch für so ein bedingungsloses Grundeinkommen, wenn es zur Abwechslung mal die Industrie bezahlen würde. Dafür aber bräuchten wir eine Politikvertretung, die Lobbyarbeit für die Bürger und und nicht für die Industrie machen würde und so etwas gibt es nicht. Daran scheitert das Konzept.

  • @ Herr Pier
    Herr Weimer ist aber auch nur Gastautor, seine Beiträge sind die einzigen mit politischem Inhalt, die ich auf dieser Seite noch ernstnehmen kann (von den Kommentaren mal abgesehen).
    Nein, auch an mir verdient das HB schon lange keinen Cent mehr.
    Werbung? Kenne ich keine. Wozu gibt es das wunderbare Adblock Plus?

  • es ist sicher sinnvoll keine Namen zu nennen,sonst wird "gelöscht wegen "nicht persönlich werden......"

    Ich denke aber, dass jeder, der regelmäßig hier "unterwegs" ist weiß, wer gemeint ist.....
    Solange diese Leute beim HB auf der Gehaltsliste stehen, verdient das HB auch an mir, zumindest direkt, keinen Cent mehr.

    W. Weimer gehört in jedem Fall NICHT dazu.

    Werbung beachte ich gar nicht - die wird umgehend weggeklickt oder wo nicht mgl. , eben ignoriert.
    Es reicht, was ich jeden Monat an Zwangsgebühren für die ach' so neutralen GEZ-Sender abdrücken muss.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Hier die Vervollständigung des letzten Absatzes (sorry, eben keine Zeit mehr gehabt):

    Ist es für die Menschen da, oder ist es umgekehrt?

    Der letzte Absatz klingt reichlich zaghaft-resigniert:

    „Die Initianten glauben auch nicht ernsthaft an einen Sieg. Sie sind schon damit zufrieden, dass jetzt über das Konzept diskutiert wird.

    Auch wenn es die meisten (noch?) als „Spinnerei“ abtun, angesichts obiger Argmente gehört das Thema dringend aus der Versenkung geholt (und an prominenterer Stelle diskutiert)!!!

  • Richtig, beständig ist nur der Wandel. So gesehen, passt der Artikel „Die nächste soziale Revolution“, rechts oben auf Seite 11 der heutigen (06.05.16) HB-Printausgabe.

    Aus besagtem Artikel hier das gewichtigste Argument „PRO bedingungsloses Grundeinkommen“:

    „Guy Standing von der Universität London forscht seit Jahrzehnten über dieses Thema. Er hat Studien in Indien begleitet, bei denen 6.000 Menschen über Jahre ein bedingungsloses Grundeinkommen in bar bekamen. „Die Leute arbeiten mehr, nicht weniger, Kinderarbeit ging dagegen zurück“.

    Das muss natürlich erstmal nochmal genau überprüft werden, aber:

    Falls es sich so bestätigen sollte, dürfte es wohl das schlagendste Argument gegen die Befürchtung, dass eine Befreiung vom Zwang zur Arbeit von den Menschen als Freibrief zur Faulheit angesehen würde. Sondern dass diese Befreiung sich – ganz im Gegenteil – als ein sehr effektiver Impuls für die (nicht zuletzt wirtschaftliche) Weiterentwicklung der heutigen Gesellschaft erweisen könnte.

    Und jetzt das Argument „contra bedingungsloses Grundeinkommen“ (bezogen auf die Abstimmung in der Schweiz):

    „In einem hochentwickelten Industrieland wie der Schweiz hätte das Konzept indes pharaonische Kosten: Rund 200 Milliarden Franken im Jahr (…) Ohne massive Steuererhöhung würde es nicht gehen. Und die Folgen für die Wirtschaft wären kaum abzusehen.

    Dazu nur soviel:

    Was genau ist „Geld“? Und, weitaus interessantere Frage noch:

    Ist es für die Menschen da, oder ist es umgekehrt?
    Der letzte Absatz klingt reichlich zaghaft-resigniert:
    „Die Initianten glauben auch nicht ernsthaft an einen Sieg. Sie sind schon sehr Spinnerei oder nicht, Dabei gehört das Thema – auch wenn es die meisten (noch) als „Spinnerei“ abtun, angesichts obiger Argmente dringend aus der Versenkung geholt (und an prominenterer Stelle diskutiert).

  • Beständig ist nur die Erkenntniss dass sich das Volk gegen die tendenziöse Berichterstattung immer mehr wehrt wenn man sich die Auflage von Bild, Spiegel und Co. anschaut. Sie werden bald ihren Pressemüll nur noch gratis ans Kanzleramt liefern können denn die Leute werden es nicht mal zum anzünden ihres Kamins oder Grills kaufen.

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