ADAC Hitzewelle steigert Risiko von Blow-ups

Heiß – und gefährlich. Ältere Betonautobahnen können bei Temperaturen um 30 Grad plötzlich aufplatzen – und für schwere Unfälle sorgen. Die gab es laut ADAC in diesem Jahr aber wohl noch nicht.
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Durch große Hitze hat sich etwa auf der A5 in der Nähe der Anschlussstelle Heidelberg/Schwetzingen der Fahrbahnbelag um rund 30 Zentimeter angehoben. Quelle: dpa
Straßenschäden durch große Hitze

Durch große Hitze hat sich etwa auf der A5 in der Nähe der Anschlussstelle Heidelberg/Schwetzingen der Fahrbahnbelag um rund 30 Zentimeter angehoben.

(Foto: dpa)

MünchenDie tropischen Temperaturen um 30 Grad und darüber lassen auf den Autobahnen die Gefahr für Blow-ups steigen. Hauptgrund für diese Aufplatzungen sei das Alter der betreffenden Betonfahrbahnen, die meist aus den 1970er oder 1980er Jahren stammten, sagte der Fachreferent für Straßen- und Verkehrsplanung des ADAC, Jürgen Berlitz, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. „So eine Autobahn kann nur eine gewisse Zahl an Überrollungen hinnehmen.“ Manche Fahrbahn habe eine stärkere Lkw-Belastung erfahren als seinerzeit prognostiziert. „Regensburg zum Beispiel war damals Zonenrandgebiet.“

Bundesländer wie Baden-Württemberg, Bayern oder Sachsen-Anhalt drosselten auf gefährdeten Autobahn-Abschnitten das Tempo auf 80. Dazu zählen in Bayern die A93 südlich von Regensburg, die A92 zwischen München und Dingolfing und ein Abschnitt der A3 westlich von Regensburg, ferner die A9 in Sachsen-Anhalt bei Halle, die A5 bei Schwetzingen in Baden-Württemberg, Autobahnabschnitte der A1, A3 und A6 und A61 in Rheinland-Pfalz sowie die A2 in Brandenburg vom Berliner Ring Richtung Magdeburg. „Das sind alles Autobahnen, die ihre Lebensdauer schon überschritten haben“, sagte Berlitz.

Wo die Hitze zum Problem wird
Hitzewelle in Deutschland
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Das extreme Wetter macht Mensch und Natur zunehmend zu schaffen. An der Uniklinik Mainz zum Beispiel wird befürchtet, dass mit jedem weiteren Hitzetag mehr Menschen in die Notaufnahme eingeliefert werden. Mit akuten Kreislaufproblemen kämpften vor allem alte Menschen. Am Donnerstag versorgte die Klinik schon fünf Notfälle, darunter einen völlig ausgetrockneten Mann, der zeitweise auf der Intensivstation behandelt werden musste.

Auswirkungen auf die Gesundheit
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„Die Kollegen sind für weitere Einsätze gewappnet“, sagte ein Sprecher der Klinik. Infusionen und Kühldecken stünden bereit. Laut einer Studie steigt nach dem dritten Tag einer Hitzewelle die Zahl der Menschen, die in der Notaufnahme medizinisch betreut werden müssten.

Hitze weicht Straße auf
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Die Gluthitze kann zu einer Gefahr im Straßenverkehr werden und verursacht Schäden an Autobahnen. Vorfälle gab es aktuell etwa auf der A7 in Hamburg und auf der A5 bei Heidelberg. „Der Asphalt reagiert auf die Hitze und je heißer es wird, desto weicher werden die Fahrbahnen“, sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Stuttgart. Der ADAC warnte, Autobahnen und Landstraßen könnten aufbrechen oder es entstünden Dellen. Verkehrsteilnehmer sollten besonders vorsichtig fahren und den Sicherheitsabstand vergrößern.

Straßenschäden durch große Hitze
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Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will verstärkt Autobahnen überwachen. Er habe einen Aktionsplan gegen Hitzeschäden auf den Autobahnen aufgelegt, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ vom Freitag. Spezielle Messfahrzeuge würden untersuchen, wo die Gefahr für Blow-ups - aufgeplatzte Straßenabschnitte - am höchsten sei. „Alle Schäden werden umgehend repariert.“

Klimaanlage fällt aus
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Bei der Bahn fielen Klimaanlagen aus. Die Deutsche Bahn will für die besonders betroffene Linie Berlin-Amsterdam zwei Ersatzzüge bereitstellen. Sie sollen eingesetzt werden, wenn die Luftkühlung in anderen IC auf der Strecke versagt, teilte ein Bahnsprecher mit. Bei etwa einem Dutzend Intercitys auf der Linie Berlin-Amsterdam hatten die Klimaanlagen am Donnerstag ihre Arbeit eingestellt. Insgesamt mehrere Hundert Fahrgäste mussten deshalb in Osnabrück umsteigen und mit anderen Zügen weiterfahren. Manche Intercity-Waggons auf der Strecke sind mehr als 30 Jahre alt.

Badeunfälle
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Allein in Nordrhein-Westfalen wurden in den vergangenen Tagen vier Tote nach Badeunfällen gezählt, am Donnerstag ein 20-Jähriger an einem See in Leverkusen. In Mecklenburg-Vorpommern bereiten sich die Rettungsschwimmer auf einen großen Ansturm von Badegästen an der Ostseeküste vor. Alle Haupttürme und die wichtigsten Nebentürme seien besetzt, sagte die DLRG-Einsatzleiterin. „Niemand muss in einem unbewachten Strandbereich baden gehen.“

Hoher Wasserverbrauch
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In einigen Regionen droht Wasserknappheit. Nach einem Versorgungsengpass wegen Hitze und Trockenheit hat der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) die Verbraucher aufgefordert, Leitungswasser sparsam zu verwenden. Der Verband bat die Kunden, auf unnötiges Rasensprengen zu verzichten und Wasser in Pools nicht vorschnell auszutauschen.

Im Zuge der aktuellen Hitzewelle seien beim ADAC vier Fälle von Blow-ups bekanntgeworden: auf der A5 bei Schwetzingen, der A61 in Rheinland-Pfalz, der A2 in Brandenburg und der A9 bei Halle. Schwere Unfälle blieben offenbar aus. „Wir haben keine Aussagen über Unfälle und Personenschäden.“

Ende der Woche dürfte die Gefahr erst einmal gebannt sein - denn dann wird es kühler. „Wenn es auf unter 30 Grad geht, entspannt sich die Situation.“ 2013 hatte das Phänomen für schwere Unfälle vor allem in Südbayern gesorgt. Spekuliert wird, dass auch ein schneller Temperaturanstieg die Gefahr erhöht. Aber: „Es sind komplexe Zusammenhänge - deshalb weiß man nicht genau: Wo ploppt das nächste auf“, sagte Berlitz.

Viele Fahrbahnen müssten von Grund auf erneuert werden. „Jetzt hilft man sich mit lokalen Maßnahmen.“ Dazu zählten Entspannungsschnitte, die mit Asphalt ausgefüllt würden, oder abschnittsweise Sanierungen.

Schmelzender Asphalt, Klimaanlage auf Volllast
Extreme Hitze
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Die Temperaturen klettern weiter, die Hitzebelastung steigt: An diesem Donnerstag sind vor allem im Westen und Südwesten Deutschlands örtlich Temperaturen von bis zu 39 Grad möglich. Wie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach mitteilte, werden die Spitzenwerte vor allem am Rhein erreicht. Am Samstag könnte sogar der bisherige deutsche Temperaturrekord von 40,2 Grad aus den Jahren 2003 und 1983 ins Wackeln geraten, dann rechnen die Meteorologen mit dem Höhepunkt der Hitze. In der Nacht zum Donnerstag gab es vielerorts eine Tropennacht - die Temperaturen sanken nicht unter die Marke von 20 Grad.

Tempolimit wegen Hitze auf 80 reduziert
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Wegen möglicher Hitzeschäden auf der Autobahn 3 nahe Regensburg ist das Tempolimit auf 80 Stundenkilometer gesenkt worden. Wie ein Sprecher der Autobahndirektion Südbayern am Mittwoch sagte, gilt die Geschwindigkeitsbeschränkung auf einem sieben Kilometer langen Abschnitt. Auch auf anderen Autobahnabschnitten mit alten Betondecken müsse mit hitzebedingten Fahrbahnschäden gerechnet werden. Bislang seien noch keine klassischen Hitzeschäden aufgetreten. Das kann sich jedoch in den kommenden Tagen ändern. Der Deutsche Wetterdienst erwartet am Wochenende Temperaturen von bis zu 38 Grad in Bayern.

Trockene Hitze gut für Getreide
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Die Hitzewelle lässt viele Menschen schwitzen und stöhnen - für die Getreidebauern in Baden-Württemberg ist das Wetter dagegen gut. „Bei der Ernte der Wintergerste, die jetzt anläuft, ist es hilfreich, wenn es trocken ist“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des Landesbauernverbandes, Horst Wenk, am Mittwoch. „Sonst können die Körner feucht werden und müssen getrocknet werden.“ Auch in den vergangenen Wochen seien die Wetterverhältnisse aus landwirtschaftlicher Sicht recht gut gewesen.

Kliniken rechnen mit mehr Notfällen
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Krankenhäuser und Feuerwehr in Hamburg rechnen wegen der Wärme mit mehr Notfällen. Vielen alten Leuten mache die Hitze zu schaffen, sagte der Chefarzt der Geriatrie am Marienkrankenhaus, Daniel Kopf, am Mittwoch. Durch Flüssigkeitsmangel komme es schnell zu einem Blutdruckabfall und Kreislaufbeschwerden. Auch kleine Kinder seien gefährdet, erklärte der Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin und Kardiologie am Asklepios-Westklinikum.

Schattenplätze beim Tennisturnier in Wimbledon
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Mehr Platz in Wimbledon: Die Veranstalter des Tennisturniers reagierten auf die Hitze und verringerten die Zahl der Zuschauer auf 38 000. So sollen die Besucher bessere Chancen auf einen Platz im Schatten haben und leichter an die Wasser-Ausgabestellen kommen. Auch auf manchen Bahnhöfen in Großbritannien verteilten Zugbetreiber Wasser an wartende Reisende. Auf einigen Strecken müssen die Züge ihre Fahrt bremsen: Unter der brennenden Sonne können sich die Stahlschienen ausdehnen.

Schifffahrtsamt: Badeverbote unbedingt beachten
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Das Wasser- und Schifffahrtsamt Heidelberg mahnt beim Baden und Schwimmen im Neckar zur Vorsicht. Badeverbote sollten unbedingt beachtet werden, sonst drohe Lebensgefahr, erklärte Leiter Jörg Huber am Mittwoch in Heidelberg. So könnten Schwimmer in der Nähe von Wehren und Schleusen in den Sog der Anlagen geraten. In der Fahrrinne in der Mitte des Neckars drohe Gefahr durch Schiffe, warnte Huber. Der Kapitän eines Transportschiffs könne im Umkreis von 200 Metern vor dem Schiffsbug keine Schwimmer oder kleinere Boote sehen.

Zur Abkühlung auf die Zugspitze
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Hitzegeplagten in Bayern bietet sich neben dem Sprung ins kühle Nass auch ein Ausflug auf die Zugspitze an. Auf Deutschlands höchstem Berg wurden am Mittwochmittag kühle 11 Grad gemessen, wie Dirk Petzner von der Gipfelstation des Deutschen Wetterdienstes berichtete. Für die Zugspitze sei das allerdings eine hohe Temperatur: „Hier oben wird es selbst im Hochsommer selten wärmer als 14 bis 15 Grad.“ Die Nächte sind derzeit auf der Zugspitze frostfrei; die Tiefsttemperatur lag in der Nacht zum Mittwoch bei 6,6 Grad.

  • dpa
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