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Christopher Street Day Party schlägt Politik

Hunderttausende Schwule und Lesben haben auf Ihrer Parade in Köln die Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften gefordert. Viele Zuschauer fühlten sich mehr von Konfetti und Fetisch als von Politik angezogen.
08.07.2012 - 17:57 Uhr Kommentieren
Besucher des Christopher Street Days: Das diesjährige Motto des CSD lautet: „Ja, ich will“. Es soll darauf aufmerksam machen, das sich Homosexuelle zwar „verpartnern“ lassen können, aber vor dem Gesetzt nicht über die gleichen Rechte wie heterosexuelle Paare verfügen. Quelle: dpa

Besucher des Christopher Street Days: Das diesjährige Motto des CSD lautet: „Ja, ich will“. Es soll darauf aufmerksam machen, das sich Homosexuelle zwar „verpartnern“ lassen können, aber vor dem Gesetzt nicht über die gleichen Rechte wie heterosexuelle Paare verfügen.

(Foto: dpa)

Köln Tosender Applaus für die Konfetti-Kanone: Als der Paradewagen der HIV-Initiative „Herzenslust“ beim Christopher Street Day (CSD) in Köln tausende Glitterschnipsel in die Luft schießt, johlen die Zuschauer. Bei der Schwulen- und Lesbenparade steht am Sonntag der Spaß eindeutig im Vordergrund. „Das ist Feiern auf hohem Niveau“, sagt James Schwindowski (42). „Die politische Ebene ist dem CSD schon vor 10 Jahren abhandengekommen.“

Dabei ist das Motto der Veranstaltung in diesem Jahr besonders aktuell: Mit dem Slogan „Ja, ich will!“ will der Kölner Lesben- und Schwulentag e.V. (KLuST) als Veranstalter des dortigen CSD die Forderung nach voller rechtlicher Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnerschaften mit der Ehe unterstreichen. „Auch wenn wir den Besuchern Spaß bieten wollen, unser Anliegen ist politisch“, sagt KLuST-Vorstandsmitglied Markus Danuser.

Mit Karneval soll die Veranstaltung auf keinen Fall gleichgestellt werden. „Das ist Brauchtum, wir sind eine Emanzipationsbewegung“, sagte Danuser. Dass viele Menschen trotzdem kommen, um die bunten Drag-Queens und Fetisch-Verkleidungen zu sehen, ist ihm bewusst. „Wir müssen sowohl die heterosexuelle wie unsere homosexuelle Gesellschaft erreichen.“ Trotz des strömenden Regens zu Beginn der Parade sind nach Schätzung des Veranstalters mehr als 500.000 Menschen gekommen. Das sind fast ein Drittel weniger als im Vorjahr. Das Wetter sei am Rückgang schuld, findet Danuser, nicht die politische Kampagne.

Zwischen Party und Politik bewegt sich auch Andreas Rudi (42). Halb als Braut, halb als Bräutigam verkleidet läuft er beim Straßenumzug mit. Für den Paradewagen der „Schwulen Unternehmer aus dem Rhein-Erftkreis“ verteilt er Rosen, die Zuschauer sind begeistert und wollen sich mit ihm fotografieren lassen. „Ich möchte die Vielfalt zeigen“, sagt er. Sein Kostüm soll die Leute zum Nachdenken anregen, aber trotzdem möchte er Spaß haben beim CSD.

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    Gesellschaftliche Gleichberechtigung für jede sexuelle Orientierung fordert auch Ute Danicke-Biskup (48): „Die gleichen Pflichten wie Heteros haben wir ja auch.“ Auch wenn der CSD keine wirkliche Demo ist, für Danicke-Biskup und ihre Freundinnen ist es wichtig, Präsenz zu zeigen. „Insbesondere Regenbogenfamilien sind von der aktuellen Regelung betroffen.“ Sie und ihre Partnerin ziehen gemeinsam zwei Kinder groß, werden aber als Alleinstehende besteuert.

    Dass sich die Rechtslage für eingetragene Lebenspartnerschaften bald ändern soll, fordern auch Politiker im Rahmen des CSD. NRW-Sozialminister Guntram Schneider (SPD) sichert die volle Unterstützung der Landesregierung zu. „Wir haben dies in unserem Koalitionsvertrag festgeschrieben“, sagte er. „Es gibt leider immer noch Vorurteile bis hin zu Anschlägen auf Schwule und Lesben.“ Der Kampf für gleiche Rechte und Toleranz sei noch lange nicht beendet.

    • dpa
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