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Comedy-Legende Der tiefe Fall des Bill Cosby

Immer wieder stand Bill Cosby im Verdacht, Frauen sexuell missbraucht zu haben. Doch die Gerüchte verstummten schnell wieder. Nun scheint die Comedy-Legende am Ende zu sein, mehrere Frauen reichen Klage ein.
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Der Star und die Frauen
Bill Cosby
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So kennt man Bill Cosby (Bildmitte am Mikrofon) in Deutschland: Komische Verrenkungen und flotte Sprüche waren sein Markenzeichen in "The Cosby Show". Von Links: Keshia Knight Pulliam, Phylicia Rashad, Malcolm-Jamal Warner, Raven-Symoné und Sabrina Le Beauf erhalten 2011 einen Preis in New York.

(Foto: ap)
Janice Dickinson
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Erhebt Vorwürfe gegen Bill Cosby: Das Model Janice Dickinson. Der Vorfall habe sich 1982 in Lake Tahoe, Kalifornien, ereignet.

(Foto: ap)
Therese Serignese
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Wendet sich ebenfalls gegen Bill Cosby: Die Krankenschwester Therese Serignese, 57, spricht über einen Vorfall im Jahr 1976, als sie 19 Jahre alt war.

(Foto: ap)
Bill Cosby, Camille Cosby
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„Far From Finished“, noch lange nicht fertig, lautet die Weihnachtstour des 77-jährigen Comedy-Stars Bill Cosby. Doch ob der Name hier Programm ist, wird sich noch zeigen müssen.

(Foto: ap)

San FranciscoEr war eine Legende. Er hat TV-Geschichte geschrieben. Jetzt ist sein Ruf zerstört. Geplante TV-Shows sind abgesagt, Fans geben Karten für seine Bühnenshows zurück. Eine Show in einem Casino in Las Vegas ist geplatzt. Mit dem Rücktritt vom Board of Trustees der Temple University nach fast 30 Jahren am Montag schien der Tiefpunkt erreicht.

Doch es kam noch schlimmer. Am Dienstag lag die Klageschrift auf einem Richtertisch in Los Angeles. Sie sei erst 15 gewesen, lautet der Vorwurf, als Cosby eine heute 55-jährige Frau zuerst betrunken gemacht und dann in der Playboy Mansion in Los Angeles sexuell missbraucht habe.

„Far From Finished“, noch lange nicht fertig, lautet die Weihnachtstour des 77-jährigen Comedy-Stars. Doch ob der Name hier Programm ist, wird sich noch zeigen müssen. Derzeit ist Cosby am Boden. Es scheint, als ob urplötzlich eine unsichtbare Mauer des Schweigens kollabiert ist, die ihn viele Jahre geschützt hat.

Anschuldigungen über sexuelle Belästigung von insgesamt 20 Frauen stehen jetzt im Raum. Es ist von Alkohol und verabreichten Drogen die Rede. Das ist einfach zu viel, um es zu ignorieren, auch wenn Cosby kategorisch jede Anschuldigung zurückweist. Zuerst schaltete er auf stur. Alles alte Geschichten, auf die er nicht eingehen werde, bürstete er Fragen ab, als es immer lauter zu rumoren begann.

„Auf bösartige Unterstellungen“ müsse er nicht antworten, erklärte er letztlich gegenüber einer Zeitung in Florida. Der Comedy-Kollege Hannibal Buress hatte ihn auf offener Bühne im Oktober als „Vergewaltiger“ bezeichnet. Jetzt spricht der Anwalt: Die Vorwürfe der Frauen seien „substanzlose Phantastereien“.

Tatsächlich ist Cosby niemals für irgendeinen Übergriff vor Gericht verurteilt worden. Erste Anschuldigungen einer Frau in 2006 löste eine unbekannte Geldsumme in einem außergerichtlichen Vergleich. Schon während dieses Verfahrens meldeten sich weitere Frauen mit ihren Erlebnissen. Doch Cosby schaffte es, den Flächenbrand noch einmal auszutreten. Nicht zuletzt, weil viele der angeblichen Übergriffe Jahrzehnte zurückliegen und teilweise verjährt sind.

Immer neue Berichte über sexuelle Übergriffe

Doch diesmal ist die öffentliche Meinung extrem sensibilisiert. Erst kürzlich hatte ein NFL-Football-Spieler für einen Skandal gesorgt, als er seine Freundin in einem Hotelfahrstuhl brutal zusammengeschlagen hatte und zunächst mit einer symbolischen Strafe davongekommen war. Mittlerweile ist er von der Liga suspendiert und hat seine Sponsorenverträge verloren.

Im „Rolling Stone“-Magazin Mitte November schildert eine College-Studentin, wie sie angeblich im Haus einer Burschenschaft von sieben Männern vergewaltigt wurde. Danach wurde ihr von mehreren Seiten nahegelegt, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Die Geschichte stieß auf breite Aufmerksamkeit. Hochkochende Berichte über sexuelle Übergriffe auf Universitätsgeländen sind seit Jahren keine Seltenheit.

Doch immer wieder enden Prozesse im „Sie sagt, er sagt“-Dilemma mit Freisprüchen aus Mangel an Beweisen und Zeugen. 2010 berichtet Salon.com von einem Vorfall, bei dem Studenten einer Burschenschaft vor die Wohnheime der Frauen zogen und skandierten „no means yes, yes means anal“.

Der Präsident des örtlichen Elite-Verbunds Delta Kappa Epsilon entschuldigte sich später öffentlich für den Vorfall, der „geschmacklos“ gewesen sei und „einen gravierenden Mangel an Beurteilungsvermögen“ offengelegt habe.

Der Druck auf die Politik zu handeln stieg ständig. Im Oktober 2014 schließlich verabschiedete Kalifornien als erster Bundesstaat ein neues „Nur Ja meint Ja“-Gesetz. Demnach ist für sexuelle Aktivitäten auf staatlichen und privaten Hochschulgeländen eine ausdrückliche Einwilligung erforderlich.

Wer unter Drogen steht, betrunken oder bewusstlos ist, der ist demnach automatisch nicht in der Lage, eine Zustimmung zu geben. Drogen und Alkohol ziehen sich auch durch die Geschichten der angeblichen Cosby-Opfer wie ein roter Faden. Die damals 15-jährige in Los Angeles spielte demnach Pool-Billard mit Cosby, aber nach seinen Regeln: Nach jedem verlorenen Spiel musste sie ein Bier trinken.

Der Name Bill Cosby war gesetzt in Hollywood

Das neue Gesetz ist ein dramatischer Wandel in der Art, wie Vergewaltigungsfälle behandelt werden, loben Frauenaktivisten. Das Fehlen eines „Nein“ ist jetzt nicht mehr automatisch ein „Ja“. Es ist diese neue und explosive Gemengelage, die Sensibilisierung für das alte Problem der Gewalt gegen Frauen, die den Fall des einstigen Sonnyboys so tief und steil werden lässt, obwohl noch nichts rechtskräfig bewiesen ist.

Der Komödiant Bill Cosby begründete seinen Ruf 1969 mit der „The Bill Cosby Show“. Eine typische amerikanische Sitcom, aber trotzdem etwas Besonderes. Es war die erste eigene Comedy-Show eines Farbigen im US-Fernsehen. 52 Folgen strahlte NBC zur besten Sendezeit Sonntagabends aus. Cosby weigerte sich, die typischen eingespielten Lacher in seiner Show zu verwenden, ungewöhnlich für die damalige Zeit.

Doch das Publikum liebte es, die Quoten stimmten, und der Name Bill Cosby war gesetzt in Hollywood. Der Witzbold mit dem sympathischen Lächeln war ein Familienstar. In den 80er Jahren erfolgte mit der „Cosby Show“ eine Neuauflage, und wieder landete der TV-Sender NBC einen Volltreffer.

Daneben spielte der am 12. Juli 1937 in Philadelphia geborene Cosby in mehreren Filmen und hörte nie auf, auf der Bühne zu stehen. Noch Mitte November spielte er vor vollen Häusern, doch seitdem türmt sich das Unbehagen bei seinen Fans immer weiter auf.

USA Today meldet, dass laufend Karten für seinen am Samstag geplanten Auftritt zurückgegeben worden seien. Die Tarrytown Music Hall hatte sich zunächst hinter ihrer strikten Nicht-Zurückname-Politik verschanzt, aber der öffentliche Druck war zu groß geworden. Und die Verlockung Cash statt Colby ist für viele zu groß. Ein Drittel der Sitze in der zunächst ausverkauften Halle werden aus heutiger Sicht wohl leer bleiben.

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