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Das Kapital der Kirche Steuertricks im Namen Gottes

Die katholische Kirche ist ein mächtiger Konzern. Ihr Besitz in Deutschland ist über sechs Milliarden Euro wert. Und sie nutzt moralisch bedenkliche Steuertricks, zeigt eine ZDF-Reportage. Doch die Kritik kommt nicht an.
25.09.2014 - 13:44 Uhr 2 Kommentare
Vom Missbrauchsskandal bis zur Geldwäsche
Cardinal Mahony of the U.S. arrives for a prayer at Saint Peter's Basilica in the Vatican
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Missbrauchsskandal

In Europa und den USA wurden seit der Jahrtausendwende massenhaft Fälle des Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch katholische Geistliche bekannt. Im Juni 2010 bat Benedikt XVI. erstmals öffentlich um Entschuldigung und versprach Aufklärung. Viele Kritiker sehen das Bemühen des Vatikans, Licht in die Verfehlungen zu bringen und die Verantwortlichen zu bestrafen, aber nicht als ausreichend an. Erst im Januar wurde der frühere Erzbischof von Los Angeles, der 76-jährige Kardinal Roger Mahony, aus allen Ämtern entlassen, weil er Missbrauchsfälle in seinem Wirkungsbereich verschleiert haben soll.

(Foto: Reuters)
Homo-Ehe
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Homosexualität

Das Familienbild von Benedikt XVI. blieb unverrückbar. Vor gut einem Jahr befand er, wer die traditionelle Familie in Frage stelle, bedrohe "die menschliche Würde" und "die Zukunft der Menschheit". Ohne Scheu griff der 85-Jährige jüngst zudem in die Debatten über eine Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen in Frankreich und Großbritannien ein. Jüngst berichtete eine italienische Tageszeitung, ausgerechnet Informationen über ein geheimes Schwulennetzwerk im Vatikan, das auch Kardinäle erpressbar mache, hätten Benedikt XVI. zum Rücktritt bewogen.

(Foto: dpa)
Deutsche Bischofskonferenz
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Abtreibung

Die Debatte über das Lebensrecht Ungeborener und das Selbstbestimmungsrecht Schwangerer erreichte zuletzt wieder einmal Deutschland. Ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer wurde von zwei katholischen Krankenhäusern in Köln mit der Begründung abgewiesen, die notwendigen Untersuchungen seien auch mit einem Verschreiben der sogenannten Pille danach verbunden. Die deutschen Bischöfe rückten inzwischen von ihrem grundsätzlichen Nein zu dem Medikament ab. Nach ihrer Ansicht darf es verschrieben werden, wenn lediglich verhütend und nicht abtreibend wirkt.

(Foto: dpa)
huGO-BildID: 17912954 Neun frisch ordinierte Katholische Priester beten am Sonntag, 9. Mai 2010, bei ihrer Priesterweihe im Muenster in Freiburg, (ap
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Priesternachwuchs

Dass sich vor allem in der westlichen Welt immer weniger junge Männer für das Priesteramt entscheiden, könnte die katholische Kirche nach Meinung vieler Kritiker dort über kurz oder lang vor veritable Existenzprobleme stellen. Vor allem eine Initiative selbsternannter ungehorsamer Geistlicher in Österreich machte zuletzt von sich reden und forderte ein Ende des Enthaltsamkeitsgebots sowie die Zulassung von Frauen zum Priesteramt. Beides lehnte Benedikt XVI. ab. Für die Frauenordination beispielsweise hat die Kirche seiner Ansicht nach „keine Vollmacht vom Herrn“.

(Foto: APN)
Former papal butler Paolo Gabriele walks in a street in Rome
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Geheimnisverrat

Schmerzlich musste Benedikt XVI. im vergangenen Jahr feststellen, dass selbst sein engstes Umfeld ihn hinterging. In der sogenannten Vatileaks-Affäre wurden geheime Dokumente kopiert und aus dem Vatikan geschmuggelt. Der päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele wurde deswegen im Oktober zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt und später begnadigt. Dass Benedikt XVI. lieber theologische Schriften liest und verfasst, als sich Verwaltungsaufgaben zu widmen, war nie ein Geheimnis. Jedem Nachfolger dürfte aber bewusst sein, dass er ähnlichem Geheimnisverrat Einhalt gebieten muss.

(Foto: Reuters)
Chef der Vatikanbank soll nach Misstrauensvotum zurücktreten
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Geldwäsche

Die Vatikanbank, mit offiziellem Namen das Institut für religiöse Werke, wusch in der Vergangenheit unter anderem Gelder der italienischen Mafia. Ihr zwischenzeitlicher Chef Ettore Gotti Tedeschi, der eigentlich gründlich aufräumen sollte, wurde im Mai entlassen - offenbar auf Druck vatikanischer Würdenträger, denen sein Engagement zu weit ging. Im Sommer bescheinigte der Europarat dem Institut anhaltende Defizite im Kampf gegen Geldwäsche. Seit Mitte Februar hat die Bank zwar einen neuen Chef, den 54 Jahre alten deutschen Finanzexperten Ernst von Freyberg, die Affäre ist aber nicht ausgestanden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Erst vor zwei Wochen forschte die ARD mit ihrer Doku „Vergelt's Gott“ in den gut gehüteten Finanzbüchern der katholische Kirche, nun legt das ZDF nach und prangert die Finanztechniken der Kirche an. Diese seien moralisch bedenklich, so der Tenor der aktuellen Zoom-Ausgabe „Glaube, Liebe, Kapital – Die katholische Kirche und ihre Finanzen. Doch mit der moralischen Keule blättern die Autoren bei der Kirche ab.

Für die Spurensuche begibt sich das ZDF-Team nach Köln. Hier hat das größte und reichste Bistum Deutschlands direkt gegenüber vom Dom in den 90er Jahren eine Immobilie erworben – das Dom-Forum. Für die Immobilie zahlte das Bistum rund vierzig Millionen Euro.

Aber erst nach dem Skandal des Bischofs Tebartz-van Elst kam heraus – der Kauf gelang per Steuertrick. Übers Ausland wurde der Deal abgewickelt. Um der Grunderwerbssteuer zu entgehen, kaufte die Kirche nicht die Immobilie, sondern gleich die ganze Firma.

„Zwei Millionen Euro hat die Kirche damit eingespart“, sagt die Finanzexpertin Katrin McGauran in dem Beitrag. Ob das für ihn einen Geschmack habe, so eine Briefkastenfirma, konfrontiert Nina Behlendorf daraufhin den zuständigen Finanzdirektor des Kölner Erzbistums, Hermann Schon.

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    „Nein, nein, nein,“ sagt dieser. „Ich denke nicht, dass wir, wenn eine solche Situation entsteht, die diesen besonderen Hintergrund hat, moralisch eingreifen müssten, um damit dem Staat erkennen zu geben, dass das, was er ins Grunderwerbsteuergesetz herein geschrieben hat, unmoralisch ist.“

    Die Dokumentation macht klar; längst funktioniert die katholische Kirche perfekt als Großkonzern. Sie hat die gängigen Tricks der Unternehmen übernommen. Aber ist die Kirche nun ein Unternehmen oder nicht?

    Auf vielen Feldern wie ein Unternehmen tätig
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    2 Kommentare zu "Das Kapital der Kirche: Steuertricks im Namen Gottes"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Staat und Kirche sollten laut Verfassung getrennt sein. Doch der Raubzug der Kirche beim Staat sollte endlich mal beendet werden. Die skandalösen Subventionen an die Kirche sind nicht mehr zeitgemäß.
      Wussten Sie, dass die Bundesrepublik Deutschland jedes Jahr Subventionen von ca. 17 Milliarden Euro an die Kirchen bezahlt? Dass also wir alle, die Bürger dieses Landes, dieses Geld bezahlen, gleich welchen Glauben wir haben? Muslim, Jude, Atheist, Konfessionsloser ... jeder bezahlt mit seinen Steuern diese Milliardensubventionen mit.
      Mein Filmtipp: 8.9.2014, ARD, 22.45 Uhr -
      Dokumentation über den unermesslichen Reichtum der Kirche - ab 9.9. in der Mediathek nachträglich schauen
      http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Vergelt-s-Gott-Der-verborgene-Reichtum/Das-Erste/Video?documentId=23370618&bcastId=799280
      Es wurden Konten für vermeintlich soziale Zwecke geführt, wo aber nur Geld aus Korruptionsgeschäften gewaschen wurde. Dann der Immobilienbesitz in Deutschland im Wert von Minimum 200 Milliarden Euro. Nimmt man die etwas größere genannte Zahl, liegt man schon bei ca. 330 Milliarden nur für die katholische Kirche und vermutlich ca. 600 Milliarden für beide – nur Grundbesitz. Die Kirche ist also mit Sicherheit Billionär. Und ein Wiedereingliederungsprojekt für Obdachlose wird dicht gemacht aus Kostengründen, das heißt: es gibt nicht genügend Staatsgelder, damit sich die Kirche auch mit dieser Lorbeere schmücken kann.
      Warum wird der Kirche nicht die so genannte “Gemeinnützigkeit” entzogen? Denn das Gemeine ist, dass man vor allem auf den eigenen Nutzen bedacht ist.
      Ein Sprichwort aus Italien besagt sinngemäß: “Die Kirche nimmt. Und dort, wo die Kirche gibt, kann man sicher sein, dass sie zuvor um einiges mehr genommen hat.”
      Und dann noch die Geschichte mit den Steueroasen, wobei man überwiegend sowieso keine Steuern zahlt, sondern alle Steuerzahler nach Strich und Faden für Bischofsgehälter, Priesterseminare usw. ausnimmt

    • Es heißt immer Religionsfreiheit, wenn man die Geschichte und das Zeitgeschehen betrachtet kann man nur zu dem Schluss kommen, dass Religionen die größte Geißel der Mennschheit sind und weltweit für Krieg, Terror, Tod und Armut stehen. Das Vermögen der Kirchen basiert auf Ausbeutung über die Jahrtausende und selbstverständlich ist man heute Steuertrickser und Kindesmisshandlungen wurden auch zahlreich aufgedeckt. Religion gehört abgeschafft!!!

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