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Debatte um Rassismus Die Angst vor dem Kapuzenpulli

Nach dem Tod des afroamerikanischen Jugendlichen Trayvon Martin führen die USA eine Debatte über Pullis, die vorher zum Alltag gehörten und angeblich bedrohlich wirken. Eigentlich geht es aber um Rassenkonflikte.
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An dieser Straßenecke wurde Trayvon Martin erschossen. Der weiße Schütze beteuert, er habe dies aus Notwehr getan. Quelle: Reuters

An dieser Straßenecke wurde Trayvon Martin erschossen. Der weiße Schütze beteuert, er habe dies aus Notwehr getan.

(Foto: Reuters)

New YorkBis vor wenigen Wochen schienen Kapuzenpullis in den USA ein einfaches Kleidungsstück zu sein, das vor allem bei Teenagern hoch im Kurs stand. Doch seit dem Tod des afroamerikanischen Jugendlichen Trayvon Martin, der Ende Februar in Florida von einem Mitglied einer Bürgerwehr erschossen wurde, führen die USA eine Debatte über die hochsymbolische Bedeutung der sogenannten Hoodies. Die schlabbrigen Oberteile mit angenähter Kapuze gehören zum Klischee des schwarzen Gangsters, das Trayvon Martin zum Verhängnis geworden sein könnte.

Der 17-jährige Schüler trug einen Kapuzenpulli, als er in jener regnerischen Februarnacht in der Stadt Sanford nach einem kleinen Einkauf auf dem Weg nach Hause war. Dabei fiel er George Zimmerman auf, der in der Nachbarschaft auf eigene Faust nach Verdächtigen Ausschau hielt. Zimmerman wählte den Notruf. Die Polizei wies ihn an, auf den Streifenwagen zu warten, doch Zimmerman mischte sich ein. Am Ende war der unbewaffnete Martin tot.

Die genauen Umstände sind noch immer ungeklärt. Zimmerman hat angegeben, aus Notwehr gehandelt zu haben, nachdem Martin ihn niedergeschlagen habe. Die Behörden sahen bislang keinen Anlass, den Schützen festzunehmen. Erst in der kommenden Woche soll über eine mögliche Anklage entschieden werden. Martins Eltern sagen, das liege daran, weil Zimmerman weiß und ihr Sohn schwarz gewesen sei.

„Wir wollen Gerechtigkeit“

Zehntausende Menschen prangerten bei Kundgebungen in den vergangenen Tagen den unterschwelligen Rassismus im Justizsystem der USA an, viele von ihnen erschienen in Kapuzenpullis. Der Basketball-Profi Dwayne Wade von der Mannschaft Miami Heat stellte ein Foto von sich mit Kapuze auf seine Facebook-Seite. Sein Mannschaftskamerad LeBron James schickte über den Online-Kurznachrichtendienst Twitter ein Foto des gesamten Teams in „Hoodies“. „Wir wollen Gerechtigkeit“, schrieb der afroamerikanische Sportstar.

Der US-Kongressabgeordnete Bobby Rush aus Illinois stellte sich zum Gedenken an Martin mit Kapuzenjacke und Sonnenbrille ans Rednerpult. „Nur weil jemand einen Kapuzenpulli trägt, ist er noch kein Gangster“, sagte er. Die rassistischen Verdächtigungen müssten ein Ende haben. „Zu oft wird auf den Straßen unseres Landes solche Gewalt angewendet, wie sie zum Tod Trayvon Martins führte“, beklagte Rush - und kassierte eine Rüge wegen Verstoßes gegen die Kleidungsvorschriften im Repräsentantenhaus.

Der Moderator Geraldo Rivera vom erzkonservativen TV-Sender Fox News erntete einen Sturm der Entrüstung, weil er Martin für seinen Tod mitverantwortlich machte. „Sein Kapuzenpulli hat Trayvon Martin genauso sehr getötet wie George Zimmerman“, hatte Rivera gesagt. Ein „farbiger Junge“ in einem Kapuzenpulli werde nun einmal als Bedrohung wahrgenommen. Der Journalist hat sich mittlerweile bei den Eltern des getöteten Jungen entschuldigt.

Angel Harris, Soziologieprofessor an der Universität Princeton, glaubt, dass der „Hoodie“ tatsächlich eine Rolle gespielt haben könnte. „Er wird mit der schwarzen städtischen Jugend in Verbindung gebracht“, sagt Harris. „Wenn eine junge schwarze Person auf diese Weise gekleidet ist, löst das Stereotypen und Wahrnehmungen von großer Armut, Kriminalität und solchen Dingen aus.“ Professor Lester Spence von der Johns Hopkins Universität ergänzt, dass Rassismus aber immer noch der Schlüsselfaktor in diesem Fall sei. „Es war nicht das Kleidungsstück“, sagt er. Als Zimmerman die Polizei angerufen habe, sei es um Afroamerikaner gegangen.

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  • afp
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