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Dopingmittel aus Fernost Stoff fürs Bodybuildervolk

Der Handel mit illegalen Doping- und Potenzmitteln blüht. Hauptabnehmer ist die Bodybuilder-Szene. Den Tätern winken höhere Gewinne als beim Drogenhandel – und ihnen drohen geringere Strafen.
11.09.2015 - 14:07 Uhr
Der Handel mit illegalen Dopingmitteln aus Fernost floriert. Quelle: dpa
Hohe Gewinne, niedrige Strafen

Der Handel mit illegalen Dopingmitteln aus Fernost floriert.

(Foto: dpa)

Frankfurt Einem groß angelegten internationalen Handel mit Dopingmitteln sind Zollfahnder auf die Spur gekommen. Wie am Freitag bekanntwurde, wurden bei zwei Aktionen in den vergangenen Monaten rund 365.000 Tabletten und etwa 160.000 Ampullen mit den illegalen Substanzen am größten deutschen Flughafen in Frankfurt und bei Durchsuchungen im Rhein-Main-Gebiet sichergestellt. Das sagte der Sprecher des Zollfahndungsamtes, Hans-Jürgen Schmidt, der Deutschen Presse-Agentur. Den gesamten Umfang der in diesem internationalen Netz gehandelten Substanzen schätzen die Ermittler auf elf Tonnen. „Durch den Verkauf dieser Menge hätten sich mehrere Millionen Euro erzielen lassen.“

Rund zwei Tonnen vor allem anaboler Steroide wurden bereits in Dänemark und Großbritannien sichergestellt. Den Tätern drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Zwei Männer aus dem Rhein-Main-Gebiet seien vorübergehend festgenommen worden. Der Haftbefehl gegen einen der beiden wurde gegen Auflagen außer Kraft gesetzt. Gegen mehrere andere Verdächtige werde noch ermittelt.

Die Zahl der Ermittlungsverfahren wegen der Einfuhr verbotener Arznei- und Dopingmittel ist in den vergangenen drei Jahren deutlich gestiegen. Rund 250 Kilo illegale Doping-Wirkstoffe haben die Zollfahnder 2014 in Deutschland insgesamt sichergestellt. 2013 waren es 126 Kilo und 2012 rund 73 Kilo. Zahlen für 2015 gibt es noch nicht.

Die Dopingmittel seien vor allem in der Kraftsport- und Bodybuilderszene gefragt, die Nebenwirkungen jedoch erheblich, warnte Schmidt. Dazu gehörten schwere Schädigungen der inneren Organe - insbesondere der Leber - und des Herzkreislaufsystems, Hautausschläge (Doping-Akne), Depressionen und Potenzstörungen.

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    Daher würden häufig gefälschte Potenzmittel zusammen mit illegalen Dopingsubstanzen gehandelt. „Mit der extremen Zufuhr durch Testosteron stellt der Körper seine eigene Produktion um. Das führt dazu, dass die Hoden verkümmern“, sagte Schmidt. „Die Potenzmittel werden oft in Fernost in Hinterhofküchen illegal hergestellt, häufig von Kindern, unter unhygienischen Bedingungen.“ Eine einzelne Tablette könne ein Vielfaches der regulären Menge des Wirkstoffs enthalten und damit zu schweren akuten Herzkreislaufproblemen führen.

    Am Internationalen Postzentrum am Frankfurter Flughafen würden Tag für Tag gepolsterte Umschläge mit den gefälschten Potenzpillen entdeckt. Beschlagnahmt werden häufig auch Rohstoffe, aus denen dann Dopingmittel in deutschen Untergrundlaboren hergestellt werden. „In den letzten Jahren haben wir zahlreiche Untergrundlabore ausgehoben“, sagte Schmidt. So etwa kürzlich im saarländischen St. Ingbert in der Wohnung eines 31-Jährigen.

    Zehntausende Tote durch Alkohol
    Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts 2015
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    Trotz aller Aufrufe zum Maßhalten riskieren Millionen Menschen in Deutschland Gesundheit und Leben durch Alkohol, Tabak und illegale Drogen. So gelten etwa 1,77 Millionen Erwachsene bis 64 Jahren als alkoholabhängig. Jedes Jahr sterben nach unveränderten Angaben mindestens 74.000 Menschen an den Folgen von Alkoholmissbrauch oder Alkohol und Tabak zusammen, wie aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Drogen- und Suchtbericht 2015 der Bundesregierung hervorgeht.

    (Foto: dpa)
    Alkohol
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    74.000 Menschen sterben jedes Jahr an den Folgen von Alkohol. 9,5 Millionen Menschen konsumieren riskant viel davon. Der zweithäufigste Anlass für einen Klinikaufenthalt waren 2013 psychische Störungen durch Alkohol mit 338.204 Fällen. An erster Stelle lag Herzschwäche. Die Zahl der 10- bis 20-Jährigen, die mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht wurden, sank aber um 12,8 Prozent auf 23.267 (2013).

    (Foto: dpa)
    Drogenbeauftragte Marlene Mortler
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    Rund 600.000 vorwiegend junge Menschen haben laut dem Bericht Probleme mit Cannabis. Cannabiskonsum sei bei den unter 25-Jährigen der Hauptgrund für eine Suchtbehandlung. Die Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) sagte, zwischen 2007 und 2013 sei die Zahl der Betroffenen um 31 Prozent gestiegen. „Cannabis ist eine ernsthafte Gesundheitsgefahr gerade für Jugendliche“, mahnte sie, „deshalb müssen wir alles vermeiden, was den Eindruck erweckt, es sei ein harmloses Genussmittel.“ Sie wandte sich gegen Forderungen wie jüngst von der FDP nach Freigabe von Cannabis jenseits medizinischer Zwecke.

    (Foto: dpa)
    Alkoholkomsum bei Jungen
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    Besser erreichen wolle sie Erwachsene bis 25 Jahren, kündigte Mortler an. „In dieser Altersgruppe gibt es besonders riskante Verhaltensweisen.“ Als riskant geltende Mengen Alkohol tranken 2012 19,2 Prozent der jungen Männer und 12,8 Prozent der jungen Frauen. Mitte des vergangenen Jahrzehnts waren es noch jeweils rund vier Prozentpunkte mehr.

    (Foto: dpa)
    Rauchen
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    24,5 Prozent der Erwachsenen rauchen – bei den Kindern und Jugendlichen sind es 9,7 Prozent. Mit 24,5 Prozent raucht fast jeder Vierte ab 15 Jahren – nach 28 Prozent vor 14 Jahren.

    (Foto: dpa)
    Medikamente
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    2,3 Millionen Menschen sind medikamentenabhängig.

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    Glücksspiel
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    Ein krankhaftes Glücksspielverhalten sollen 191.000 bis 339.000 Menschen haben.

    (Foto: dpa)

    Die Gewinnspannen seien bis zu 40 Mal so hoch wie die Produktionskosten, sagte Schmidt. „Viele wechseln vom Drogen- zum Dopinghandel, weil die Gewinnspanne höher und die Strafandrohung geringer ist.“ Nur der Besitz ganz kleiner Mengen sei nicht strafbar. „Diese Mengengrenze ist aber so gering, dass der tatsächliche Besitz ganz schnell illegal ist.“

    Die zuletzt in Hessen sichergestellten Tabletten und Ampullen kamen fast ausschließlich aus Finnland. Als Adresse sei die Ukraine vorgetäuscht worden, weil die reine Durchfuhr der Dopingmittel auch nicht verboten sei. Der größte Teil war bereits Ende Dezember 2014 am Frankfurter Flughafen entdeckt worden, der Rest bei Durchsuchungen in Erlensee Anfang Juli. Dabei wurden auch 90.000 Euro aus einem Schließfach und elektronische Datenträger sichergestellt.

    • dpa
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