Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Drei Monate Fukushima Ein Ende der Katastrophe ist nicht in Sicht

Der Katastrophenzustand in Japan dauert bereits drei Monate. Die Atomruine in Fukushima strahlt. Zehntausende hausen in Notlagern. Regierungschef Kan muss sich gegen Intrigen wehren. Seine Tage im Amt sind gezählt.
Kommentieren
Die Chronik einer Atomkatastrophe
Schweres Erdbeben erschüttert Japan - Tsunami
1 von 13

März

Am 11. März erschüttert ein Erdbeben der Stärke 9,0 Japan. Eine Flutwelle tötet schätzungsweise 25.000 Menschen.

(Foto: dpa)
Explosion im Atomkraftwerk Fukushima
2 von 13

März

Zudem gerät das Atomkraftwerk Fukushima Eins, das sechs Reaktoren hat, außer Kontrolle. Es gibt Explosionen, Radioaktivität wird freigesetzt. Die Kühlung der Anlage fällt aus. Erst Ende Mai gibt Tepco zu, dass es in den ersten Tagen nach dem Unfall nicht nur in einem, sondern in drei Reaktorblöcken zur teilweisen Kernschmelze kam. Experten hatten das sofort vermutet. Die Regierung ruft den atomaren Notfall aus.

(Foto: dpa)
huGO-BildID: 21362990 In this photo
3 von 13

März

Die Reaktorblöcke werden notdürftig etwa mit Wasserwerfern gekühlt - auch mit Meerwasser. Trotzdem steigt die Strahlung weiter. Lebensmittel aus der Präfektur Fukushima dürfen nicht mehr verkauft werden. Die Evakuierungszone um das Kraftwerk wird mehrmals auf schließlich 20 Kilometer erweitert. 80.000 Menschen leben in Notunterkünften.

(Foto: dapd)
Arbeiten am havarierten Atomkraftwerk
4 von 13

April

Noch immer wird in Fukushima hohe radioaktive Strahlung gemessen. Die Kühlung der Reaktoren funktioniert nur notdürftig. Verstrahltes Kühlwasser fließt tonnenweise in den Pazifik.

(Foto: dpa)
Japan's Nuclear and Industrial Safety Agency Director-General Hirose speaks during a joint news conference with Japan's Nuclear Safety Agency official Nishiyama in Tokyo
5 von 13

Am 12. April stuft Japan die Reaktorkatastrophe von Stufe fünf auf sieben der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (Ines) hoch. Damit rangiert der GAU auf gleicher Ebene wie der bisher schwerste Atomunfall in Tschernobyl vor 25 Jahren.

(Foto: Reuters)
A radiation monitor, placed by a photographer, is seen next to a damaged house and flowers at a devastated area hit by earthquake and tsunami in Minamisoma
6 von 13

April

Die 20-Kilometer-Evakuierungszone rund um die Atomruine wird zum offiziellen Sperrgebiet erklärt. Weitere 10.500 Menschen, die außerhalb der Sperrzone wohnen, müssen zudem ihre Häuser räumen. Tepco erwartet, dass die Reaktoren erst in sechs bis neun Monaten wieder stabil sind. Die Gefahr einer vollständigen Kernschmelze halten Regierung und internationale Experten aber für gebannt.

(Foto: Reuters)
Menschen in einer Notunterkunft in Fukushima
7 von 13

Mai

Japans Unterhaus beschließt einen Extra-Haushalt von umgerechnet 33,4 Milliarden Euro für den Wiederaufbau. Insgesamt 130.000 Erdbebenopfer leben in Notunterkünften. Japan will seine Energiepolitik angesichts der Atomkrise ändern. Der Plan, den Anteil der Kernkraft von bisher rund 30 Prozent auf 50 Prozent aufzustocken, wird aufgegeben.

(Foto: dpa)

Tokio Die Bilder schockten die Menschen in aller Welt: Rauchschwaden steigen über dem Atomkraftwerk Fukushima Eins auf, die Dächer der Reaktoren sind durch Explosionen nach der Naturkatastrophe zerstört. Ganze Dörfer und Städte liegen nach dem Megabeben und dem Tsunami vom 11. März in Trümmern. Zigtausende Alte und Kinder, Männer und Frauen, die bislang in Wohlstand gelebt hatten, stehen plötzlich zusammengedrängt in kargen Notlagern an Essensausgaben Schlange.

Mit einer Mischung aus Staunen, Mitleid und Bewunderung schaut die Welt seither am Fernseher zu, wie die Japaner die Dreifach-Katastrophe zu bewältigen versuchen - und Durchhaltewillen beweisen.

Drei Monate sind seit Beginn der Krise vergangen. Wenn es inzwischen in Berichten um Fukushima geht, ist oft nur noch von der Atomkrise die Rede. Das andauernde Leid der Überlebenden der Naturkatastrophe, von denen noch immer Zehntausende in Notlagern hausen, gerät so leicht in Vergessenheit. Dabei türmen sich in den Krisengebieten weiter Trümmerberge, und noch immer sind nicht alle Toten geborgen.

An den schwer betroffenen Küstenregionen in den Provinzen Iwate und Miyagi gibt es weiter Wohngebiete, wo die Wasserleitungen nicht funktionieren. Freiwillige Helfer sorgen sich um die Hygiene in den Notlagern.

„Angesichts der bevorstehenden Regenzeit müssen sich die betroffenen Ortschaften gegen Gefahren wie Lebensmittelvergiftung und Infektionen wappnen“, schrieb die japanische Tageszeitung „Mainichi Shimbun“ dieser Tage. An Not-Toiletten seien Krankheitserreger gefunden worden. Ärzte befürchten, dass die Widerstandskraft der Flüchtlinge nachlässt - nicht zuletzt wegen der einseitigen Ernährung in den Lagern.

Aber es gibt auch erkennbare Fortschritte: In der Stadt Iwanuma in der Provinz Miyagi zum Beispiel sind alle 6700 Flüchtlinge entweder in privaten Wohnungen oder in von der Regierung errichteten Behelfshäusern untergekommen. So konnten, wie die Zeitung „Asahi Shimbun“ berichtete, alle Notunterkünfte aufgelöst werden.

Anders als andere Städte hat Iwanuma die Behelfshäuser nicht per Los unter den Menschen verteilt, sondern so, dass die früheren Nachbarschaftsstrukturen beibehalten wurden. „Es gibt ein sicheres Gefühl, dass wir wieder in der Nähe unserer Nachbarn einziehen können“, erzählte ein junger Familienvater. „Ich suche zwar noch eine Arbeit, aber es ist jetzt ein neuer Start.“ Andernorts sieht es schlimmer aus: In den Provinzen Iwate, Miyagi und Fukushima werden laut der Lokalzeitung „Kahoku Shinbo“ 52.200 Behelfsunterkünfte benötigt. Doch bisher sei nur knapp die Hälfte fertig. Noch immer leben in rund 2400 Notlagern über 98.000 Menschen. Manche von ihnen zögern, in Behelfshäuser umzuziehen. Denn dann bekommen sie Lebensmittel nicht mehr kostenlos, und sie müssten Strom, Gas und Wasser selbst bezahlen.

Da die Riesenwelle im März außer ihren Häusern auch ihre Arbeitsplätze fortgespült hat, sind viele Menschen in Geldnot. Und zu der Unsicherheit und der Furcht vor den andauernden Nachbeben kommt die Sorge vor radioaktiver Verseuchung durch die Ruine von Fukushima.

Drei Monate und immer noch keine Sicherheit
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

0 Kommentare zu "Drei Monate Fukushima: Ein Ende der Katastrophe ist nicht in Sicht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote