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Dschochar Zarnajew Jury verurteilt Boston-Bomber zum Tode

Die Verteidigung versuchte, den 21-Jährigen als verführten Jungen darzustellen - vergebens: Die Geschworenen im Prozess um den Anschlag auf den Boston-Marathon im Jahr 2013 haben Dschochar Zarnajew zum Tode verurteilt.
15.05.2015 Update: 16.05.2015 - 02:08 Uhr Kommentieren
Die Jury hat entschieden und den 21-jährigen Zarnajew im Prozess um den Anschlag auf den Boston-Marathon zum Tode verurteilt. Er soll die Giftspritze bekommen. Quelle: dpa

Die Jury hat entschieden und den 21-jährigen Zarnajew im Prozess um den Anschlag auf den Boston-Marathon zum Tode verurteilt. Er soll die Giftspritze bekommen.

(Foto: dpa)

Boston Der überlebende Bombenleger des Attentats auf den Boston-Marathon ist zum Tode verurteilt worden. Die zwölf Geschworenen fällten ihre Entscheidung über den 21-jährigen Dschochar Zarnajew am Freitag in Boston einstimmig. Sie hatten ihn bereits im April in allen Anklagepunkten für schuldig befunden und berieten im zweiten Prozessteil seit Mittwoch insgesamt 14 Stunden über das Strafmaß. Zarnajew soll durch eine Giftspitze hingerichtet werden.

Bei dem Attentat im Zieleinlauf des Marathons waren am 15. April 2013 drei Menschen getötet und mehr als 260 verletzt worden.

Der Angeklagte nahm das Urteil mit gefalteten Händen zur Kenntnis. Beobachter gehen davon aus, dass er gegen das Strafmaß vorgehen wird. Bis zu einer Hinrichtung könnten deshalb Jahre vergehen. Die einzige Alternative zur Todesstrafe war lebenslange Haft ohne die Möglichkeit für eine vorzeitige Entlassung. Diese Strafe hätte der Angeklagte auch erhalten, wenn nur einer der Geschworenen gegen die Todesstrafe gestimmt hätte.

Formal spricht Richter George O'Toole das Urteil zu einem späteren Zeitpunkt. Zuvor sollen die bei dem Anschlag Verletzten noch einmal zu Wort kommen. Auch Zarnajew darf sich noch einmal äußern. Er ist Tschetschene und stammt aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Er und sein Bruder wollten sich an den USA für den Tod von Muslimen rächen.

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    Sydney Corcoran, der von den beiden Bomben so schwer verletzt wurde, dass er beinahe verblutet wäre, sagte, das Urteil sei gerecht, weil der Angeklagte selbst nach dem Motto „Auge um Auge“ verfahren sei. „Ich denke, jetzt wird er verschwinden und wir sind in der Lage weiterzugehen“, sagte Corcoran, dessen Mutter bei dem Anschlag beide Beine verlor.

    Zarnajews Vater Ansor seufzte nur tief, als er am Telefon um eine Stellungnahme gebeten wurde. Dann legte er den Hörer auf.

    US-Justizministerin Loretta Lynch nannte das Strafmaß angemessen. Zarnajew habe kalt und gefühllos ein schreckliches Verbrechen begangen.

    Im Prozess hatte die Anklage den 21 Jahre alten Attentäter als kaltblütigen Terroristen dargestellt und seinen Tod gefordert. Bevor sich die Geschworenen zur Beratung zurückzogen, sagte Staatsanwalt Steve Mellin, Zarnajew habe ein politisches Signal setzen und seinen Opfern deshalb soviel Schmerz wie möglich zufügen wollen. „Eine Person nur zu töten ist nicht so schreckenerregend, wie sie zu zerreißen“, sagte er und präsentierte große Fotos des achtjährigen Martin Richard, der bei den Anschlag getötet wurde.

    Die Verteidigung hatte den Angeklagten als Mitläufer seines älteren Bruders Tamerlan beschrieben und für lebenslange Haft plädiert. Tamerlan Zarnajew sei die treibende Kraft bei dem Anschlag gewesen und habe den Angeklagten in die Irre geführt. Ein Zeuge habe ausgesagt, Dschochar sei seinem Bruder Tamerlan wie eine Puppe gefolgt.

    Tamerlan Zarnajew war bei der Verfolgung durch die Polizei ums Leben gekommen.

    • ap
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