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Erdbeben in Chile „Schreie und furchtbare Stille“

Nach dem Erdbeben und dem Tsunami in Chile werden die Aufräum- und Bergungsarbeiten von Plünderern behindert. Die Regierung hat eine Ausgangssperre verhängt. Die Zahl der Todesopfer ist inzwischen auf 723 gestiegen. Es werden stündlich mehr.
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Soldaten patrouillieren in Conception, währen ein geplündertes Geschäft in Flammen steht. Quelle: dpa

Soldaten patrouillieren in Conception, währen ein geplündertes Geschäft in Flammen steht.

(Foto: dpa)

HB CONCEPCION/PELLUHUE. Der Campingplatz von Pelluhue liegt idyllisch unter Pinien direkt am Pazifik. Aber nach dem Erdbeben wussten die 40 Rentner dort sofort, dass sie keine Zeit zu verlieren hatten. Mit dem Bus wollten sie sich in Sicherheit bringen, weg vom Meer, weg von dem drohenden Tsunami. Sie schafften es nicht mehr. Die riesigen Flutwellen rissen den Bus mit, niemand überlebte.

Allein in Pelluhue zerstörte die Naturkatastrophe am Samstag etwa 300 Häuser, landesweit hinterließ sie eine Schneise der Verwüstung. Die chilenische Regierung spricht inzwischen von 723 Todesopfern. Die Zahl werde jedoch weiter steigen, sagte Innenminister Edmundo Pérez Yoma. "In den Küstenregionen hat der Tsunami ganze Ortschaften fortgerissen. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr schlechte Nachrichten werden wir bekommen."

Dabei war die Tsunami-Gefahr den Bewohnern durchaus bewusst - die Fluchtrouten waren zum Teil sogar ausgeschildert. "Wir liefen durch den Ort und riefen, kommt aus euren Häusern!", berichtet Claudio Esfalona. Der 43-Jährige war zum Zeitpunkt des Bebens mit seiner Familie in seinem Haus in der Nähe des Campingplatzes von Pelluhue. Von dort rannte er mit seiner Frau und den beiden vier und sechs Jahre alten Töchtern um sein Leben. Drei Wellen seien gekommen, sagt er, schon die erste sei etwa sechs Meter hoch gewesen. "Wir hörten die Schreie von Kindern, Frauen, jedem", sagt Escalona, "dann war da eine furchtbare Stille."

Die Naturkatastrophe traf vor allem die chilenische Küste mit voller Wucht. In den Ort Curanipe dient die Kirche als Leichenhalle. In Cauquenes beerdigten die Menschen ihre Angehörigen selbst, weil das Bestattungsinstitut keinen Strom hatte.

Nach Erdbeben und Tsunami haben die Menschen in Chile jetzt mit Plünderungen zu kämpfen. Aus den Vororten der Stadt Concepción, die von dem verheerenden Beben mit mehr als 700 Toten besonders schwer betroffen war, werden Schießereien zwischen bewaffneten Bürgerwehren, Plünderern und dem Militär gemeldet. In Concepción selbst gingen ein Kaufhaus und ein Großmarkt nach Plünderungen in Flammen auf. Dabei sollen nach unbestätigten Berichten bis zu 20 Menschen ums Leben gekommen sein.

Allerdings sehen sich viele Bürger zu Einbrüchen und Plünderungen von Lebensmittelgeschäften gezwungen, da nach dem Beben der Stärke 8,8 noch immer kaum Wasser und Lebensmittel in Concepción angekommen sind - und schon gar nicht in den kleineren Ortschaften des Katastrophengebiets. Die Versorgung mit Wasser, Strom und Gas ist ebenfalls seit dem Beben am Samstagmorgen unterbrochen.

Da wegen der Plünderungen auch die Bergungsarbeiten ins Stocken gerieten, hat die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet das Militär beauftragt, in den Katastrophenregionen die Sicherheit, aber auch die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Zudem verhängte sie ein nächtliches Ausgehverbot.

Der chilenische Verteidigungsminister Francisco Vidal hat eingeräumt, es sei ein großer Fehler gewesen, dass die Marine nicht sofort eine Tsunami-Warnung ausgegeben habe. Dafür retteten Hafenkapitäne wahrscheinlich hunderte Menschenleben, weil sie Alarm schlugen.

In der Ortschaft Dichato wurden ein paar Jugendliche zu Helden. Sie waren am Strand und sahen etwa eine Stunde nach dem Erdbeben, wie sich das Wasser aus der Bucht zurückzog. Geistesgegenwärtig rannten sie daraufhin schreiend durch die Straßen, um die Menschen zu warnen. Rogilio Reyes ist einer der vielen, der den Teenagern wahrscheinlich sein Leben zu verdanken hat. "Im Radio hieß es, es werde keinen Tsunami geben", erinnert er sich. Ein fataler Irrtum.

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