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Exklusiv-Interview „Mathematik allein genügt nicht“

Der in Frankfurt geborene Ökonomie-Nobelpreisträger spricht über den praktischen Nutzen der Spieltheorie, Krieg und Frieden sowie sein Verhältnis zu Deutschland.
Der 75-jährige gelernte Mathematiker Robert Aumann wurde in Frankfurt am Main geboren. Seine Eltern waren orthodoxe Juden. Im August 1938 floh die Familie aus Nazi-Deutschland und emigrierte in die USA. Seit 1956 lebt Aumann, der die israelische und die amerikanische Staatsbürgerschaft hat, in Jerusalem. Dort arbeitet er als Professor an der Hebrew University und beschäftigt sich schon seit dem Ende der fünfziger Jahre mit der Spieltheorie.

Der 75-jährige gelernte Mathematiker Robert Aumann wurde in Frankfurt am Main geboren. Seine Eltern waren orthodoxe Juden. Im August 1938 floh die Familie aus Nazi-Deutschland und emigrierte in die USA. Seit 1956 lebt Aumann, der die israelische und die amerikanische Staatsbürgerschaft hat, in Jerusalem. Dort arbeitet er als Professor an der Hebrew University und beschäftigt sich schon seit dem Ende der fünfziger Jahre mit der Spieltheorie.

Handelsblatt: Herr Professor Aumann, was war Ihre erste Reaktion, als Sie erfuhren, dass Sie zusammen mit Thomas Schelling den Ökonomie-Nobelpreis 2005 bekommen?

Aumann: Ich habe mein Büro abgeschlossen – von innen. Die schwedische Akademie der Wissenschaften hatte mich kurz vor der offiziellen Bekanntgabe angerufen und mich gebeten, vorher mit niemandem darüber zu reden. Ich bin ein braver Kerl, habe mich eingeschlossen und geschwiegen.

Handelsblatt: Einige Ihrer Arbeiten hat die US-Regierung angeblich lange unter Verschluss gehalten. War ihre Forschung ein Staatsgeheimnis?

Aumann: Das stimmt so nicht ganz. Tatsächlich hat die amerikanische Rüstungskontrollbehörde in den sechziger Jahren einen Teil unserer Forschung finanziert. Richtig ist, dass es lange schwer war, an diese Papiere heranzukommen. Aber sie waren nie als „geheim“ deklariert. Wir waren damals einfach ein bisschen zu faul, die Ergebnisse zu publizieren. Das haben wir erst 1995 gemacht. Vorher zirkulierten die Arbeiten nur als Fotokopien.

Handelsblatt: Worum ging es darin?

Aumann: Hintergrund der Arbeiten waren die Genfer Abrüstungsgespräche zwischen den USA und der Sowjetunion. Für einen Spieltheoretiker handelt es sich dabei um wiederholte Spiele mit unvollständigen Informationen. Keiner der Verhandlungspartner wusste genau, wie viele Atomwaffen die andere Partei hatte, wo die Sprengköpfe deponiert waren und so weiter. Wir untersuchten, was man aus dem Verhalten der Gegenseite für Rückschlüsse über ihren Informationsstand ziehen kann – zum Beispiel, ob man aus der Verhandlungsstrategie der Sowjets schließen kann, wie viele Atomraketen das Land hat.

Handelsblatt: Ihre Arbeit basiert auf der Annahme, dass Menschen rational handeln. Ist das nicht in vielen Fällen eine gewagte These?

Aumann: Keineswegs. Rational zu handeln bedeutet: Sie tun das, was in Ihrem eigenen Interesse liegt. Es heißt aber nicht, dass Sie in jedem Moment konkrete Optimierungsrechnungen anstellen. Menschen entwickeln im Unterbewusstsein bestimmte Verhaltensmuster, die sich in der Praxis meistens als gut erweisen. Das ist ein Prozess von „Trial and Error“, der auch unbewusst ablaufen kann.

Handelsblatt: Aber sind nicht Kriege ein Beleg dafür, dass Menschen oft irrational handeln?

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