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Kommentar zum Massaker in Charleston Die Hoffnung stirbt zuletzt

Das Charleston-Massaker zeigt auf bedrückende Weise, was passieren kann, wenn Waffen in einem Land fast jedem zugänglich sind. Die USA brauchen die Einsicht, dass Probleme nicht nur mit Waffen gelöst werden können.
18.06.2015 - 19:03 Uhr 1 Kommentar
Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett

Los Angeles Eine Stunde lang hat er sich das Wort Gottes angehört. Dann stand er auf und ermordete kaltblütig neun Menschen. Ein Massaker in einer Bibelstunde in einer Kirche in Charleston in South Carolina entsetzt Amerika. Der Täter, ein junger Weißer, die Opfer sind alle schwarz, soll inzwischen gefasst worden sein. Nach ersten Erkenntnissen war er ein Verfechter der „weißen Überlegenheit“ und Sympathisant der einstigen Apartheid-Regierung in Südafrika.

Hass, Niedertracht und Rassismus gibt es überall auf der Welt, auch in den USA, wo Möchtegern-Präsident Donald Trump gerademal nebenbei illegale mexikanische Einwanderer pauschal als „Vergewaltiger“ eingestuft hat.

Aber nirgendwo anders ist es so einfach, ISIS einmal ausgenommen, einem kranken Weltbild mit Waffengewalt Gehör zu verschaffen. Der freie Waffenbesitz ist noch immer ein Heiligtum in vielen US-Bundesstaaten.

Das neue Attentat kommt zu einem Zeitpunkt, an dem alte noch nicht aufgearbeitet sind. Nach den Bildern aus Charleston blenden die TV-Nachrichtensender nahtlos in den Gerichtssaal über, in dem derzeit gegen den Mann verhandelt wird, der 2012 in einem Kino in Aurora, Colorado, zwölf Menschen massakriert hat. Die Sender leben gut von diesen Bildern. Sie füllen mit schöner Regelmäßigkeit ganze Abende.

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    Gelegenheit macht in vielen Ländern Diebe, aber in den USA eben besonders leicht auch Mörder. Aus Gründen, über die zehn Minuten später vielleicht alle einfach gelacht hätten, werden Familien ausgelöscht.

    Im März hatte sich ein 12-Jähriger mit seinen beiden Brüdern, 6 und 16, beim Abendessen gestritten. Gekränkt und gedemütigt, weil er sich nicht durchsetzen konnte, erschoss der Junge im Affekt den Sechsjährigen und verletzte den älteren Bruder lebensgefährlich. Dann richtete er die Waffe, die im Haushalt herumlag wie Kaugummi, gegen sich selbst. Eine unfassbare, vermeidbare Tragödie. In Florida, wo die Tat passierte, hatte Gouverneur Jeb Bush die Waffenkontrollgesetze zuvor auf einen der niedrigsten Stände aller US-Bundesstaaten gesenkt.

    Es ist diese Ubiquität, diese Überall-Verfügbarkeit von Handfeuerwaffen, die immer wieder zu solchen Affekttaten führt. Die Waffenliebe nimmt dabei pathologische Züge an. Die Waffenlobby hat es extrem gut verstanden, Waffenbesitz in ein ultimatives Symbol für Frieden und Freiheit umzumünzen.

    Beispiel: Seit Anfang 2015 versucht die Obama-Administration nur einen einzigen Patronentyp zu verbieten. Die profitorientierte Waffenindustrie hatte eine Marktlücke entdeckt: Ein Geschoss für militärische Sturmgewehre, das mühelos jede Schutzweste durchschlägt, wurde modifiziert und passt jetzt in normale Pistolen. Sie wurde ein Verkaufsschlager in Verbrecherkreisen und die Polizeigewerkschaften schlugen Alarm.

    Die angebliche Heilskraft der Kugel
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    1 Kommentar zu "Kommentar zum Massaker in Charleston: Die Hoffnung stirbt zuletzt"

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    • die Waffenfetischisten werden jetzt wieder argumentieren das die Zahl der Opfer niedriger gewesen wäre wenn mehr Kirchengänger mit automatischen Waffen bewaffnet gewesen wären

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