Metropolitan Opera Eine Deutsche singt gegen die Krise

Die berühmte Metropolitan Opera kämpft seit Jahren mit einer Reihe von Problemen. Doch wie der Auftritt der jungen deutschen Sopranistin Christiane Karg bei „Figaros Hochzeit“ zeigt: Die Met inszeniert einen Neubeginn.
Kommentieren
Die New Yorker Met startet einen künstlerischen Neuanfang, holt junge Sängerinnen und Sänger auf die Bühne und wagt mehr als in der Vergangenheit. Quelle: AFP
Metropolitan Opera

Die New Yorker Met startet einen künstlerischen Neuanfang, holt junge Sängerinnen und Sänger auf die Bühne und wagt mehr als in der Vergangenheit.

(Foto: AFP)

New YorkDie Aufführung von „Figaros Hochzeit“ in der New Yorker Metropolitan Opera ist nur schwer ertragen. Das liegt nicht an den Sängern oder der künstlerischen Qualität, ganz im Gegenteil. Es ist der Kontext: Vor wenigen Tagen wurde James Levine, der Stardirigent und langjährige Musikdirektor der Met, vom Dienst suspendiert, nachdem Vorwürfe von sexuellem Missbrauch junger Musiker aufgetaucht waren.

„Le Nozze di Figaro“ erscheint in dem Zusammenhang ganz neu. In Mozarts Oper geht es um den Kammerdiener Figaro, der die Zofe Susanna heiraten will. Ihr Dienstherr Graf Almaviva bedauert, zuvor das Recht auf die erste Nacht freiwillig abgegeben zu haben. Mit allen Mitteln versucht er Susanna trotzdem ins Bett zu kriegen – ganz ähnlich wie Levine es mit seinen Jugendlichen versucht haben muss.

Keine Frage: Amerikas größte Kulturinstitution befindet sich in der Krise. Schon seit Jahren fehlt es an Geld, gibt es Ärger mit Gewerkschaften, nehmen die Besucherzahlen ab. Jetzt kommt der Skandal um Levine dazu. Aber wie sich in den vergangenen Wochen feststellen ließ: Die Oper versucht einen künstlerischen Neuanfang, holt junge Sängerinnen und Sänger auf die Bühne und wagt mehr als in der Vergangenheit.

Bestes Beispiel ist die Mozart-Oper. Fast zeitgleich mit der Suspendierung von Levine feierte Figaros Hochzeit ihre Premiere. Einer der Lichtblicke ist dabei eine Deutsche, die die Hauptrolle der Susanna spielt: Christiane Karg. Eine „Belohnung“ nannte die New York Times ihren Auftritt: „Ihre Stimme hat verführerischen Glanz und Klarheit“. „Superb“, schrieb die New York Classical Review. „Es ist ganz gut gelaufen“, spielte Karg auf deutsche Art ihren Erfolg herunter.

Bruch mit der Tradition

Unter der Leitung von Levine wäre die Inszenierung kaum zustande gekommen. Der Altmeister wollte klassische Aufführungen mit altgedienten Sängern, die für wenig Aufregung und Abwechslung sorgten. Der Einschnitt kam vor zwei Jahren, als der heute 74-Jährige aus gesundheitlichen Gründen die musikalische Leitung abgeben musste. „Wir haben uns bereits ein Leben ohne ihn aufgebaut“, sagte Peter Gelb, Intendant der Met.

Das ist beim derzeit laufenden „Figaro“ zu sehen: Bis auf die Gräfin Almaviva waren alle Rollen von Sängern besetzt, die nie mit Levine zusammengearbeitet haben und einen Neustart darstellen. Der Prager Adam Plachetka alias Figaro ist gerade mal 32 Jahre alt. In einer Nebenrolle als Barbarina brillierte der Jungstar aus Südkorea, Hyesang Park.

Für europäischen Geschmack kommt die Aufführung immer noch recht altbacken daher. Aber im Vergleich zu früher ist sie ein Bruch mit der Tradition. Das fast düstere Bühnenbild hält die Inszenierung der eigentlich heiteren Oper zurück, passend zum Levine-Skandal. Auch die Kostüme aus den 1920er- und 1930er-Jahren hätten zuvor zwei Jahrhunderte älter sein müssen. „Insgesamt wird mit dem Programm nicht so viel gewagt wie in Deutschland, sei es szenisch, als auch von der Programmierung“, sagte Karg, „Man ist auf die Gelder, auf die Kartenverkäufe angewiesen“.

Da hapert es seit geraumer Zeit. Das Budget im abgelaufenen Geschäftsjahr belief sich auf stolze 294 Millionen Dollar. Aber für die Met ist das wenig Geld, es ist das niedrigste Budget seit sieben Jahren. Die Besucherzahlen sind pro Aufführung unter einem Schnitt von 70 Prozent gefallen, früher undenkbar. Es wird gespart, Personal gestrichen. Das Defizit belief sich im letzten Geschäftsjahr trotzdem auf fast 200 000 Dollar. Immerhin: 2014 waren es noch 22 Millionen Dollar.

Startseite

Mehr zu: Metropolitan Opera - Eine Deutsche singt gegen die Krise

0 Kommentare zu "Metropolitan Opera: Eine Deutsche singt gegen die Krise"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%