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Mindestens 92 Terror-Tote „Angriff auf unsere Gesellschaft und Demokratie“

Norwegen trägt schwer an den unfassbaren Terrorangriffen vom Freitag. Immer mehr Opfer werden gefunden, in Oslo wie auf der Insel Utøya. Auch die Welt ist entsetzt - besonders ob der Grausamkeit des einzelnen Täters.
23.07.2011 - 20:41 Uhr 34 Kommentare

Oslo Aus dem Nichts hat der Massenmord eines vermutlich Rechtsradikalen an mindestens 92 Menschen das friedliche Norwegen mitten in den Sommerferien erschüttert. Die meisten Opfer, die bei einem Blutbad in einem Zeltlager auf der Insel Utøya und einem Bombenanschlag in Oslo zu Tode kamen, waren noch Jugendliche. Der mutmaßliche Täter Anders B. wurde festgenommen. Er ist Norweger und soll Kontakte in die rechte Szene haben. Ob er allein gehandelt hat, war zunächst offen. Der 32-Jährige legte ein Teilgeständnis ab. „Er hat gestanden, dass er auf Utøya war und Schüsse abgefeuert hat“, sagte Oslos Vize-Polizeichef Sveinung Sponheim am Samstagabend. Die Beamten fürchten, dass noch nicht alle Todesopfer entdeckt sind.
Die wehrlosen jungen Leute im Ferienlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF waren dem Täter völlig arglos begegnet. Er trug eine falsche Polizeiuniform. Als er auf die Teenager traf, hatten diese sich gerade versammelt, um mehr über den Anschlag zu erfahren, der nur kurz zuvor die nahe Hauptstadt erschüttert hatte. Das Massaker auf der Insel hat Polizeiangaben zufolge etwa anderthalb Stunden gedauert. Der 32 Jahre alte Verdächtige soll gezielt auf die Teilnehmer des Camps geschossen haben. Erst dann gelang es der Polizei, den Mann zu überwältigen. Nach Polizeiangaben stellte sich der Mann freiwillig den Beamten.

Nach den bisherigen Erkenntnissen hatte Anders B. zuvor mit einem Bombenanschlag auf das Regierungsviertel in Oslo das Land in Angst versetzt. Beobachter vermuteten zunächst einen islamistischen Anschlag. Vorläufige Bilanz: Sieben Tote in Oslo und 85 auf der Insel. Die Behörden schließen weitere Opfer nicht aus. „Wir wissen, dass es noch Überreste von Toten in den Osloer Ruinen gibt. Das Ganze ist ein Puzzlespiel“, sagte Polizeisprecher Sponheim. Außerdem wurden zunächst noch mehrere Jugendliche von der Insel vermisst.
Augenzeugen schilderten das schreckliche Geschehen im Camp. „Ich hab ihn nicht gesehen, aber gehört. Er schrie und jubelte und gab mehrere Siegesrufe von sich“, berichtete die 22-jährige Nicoline Bjerge Schie in der Online-Ausgabe der Zeitung „Dagbladet“. Die junge Frau hatte sich mit Freunden hinter einem Felsen am Wasser versteckt. Erst am Samstagmorgen wurde sich Norwegen der ungeheuerlichen Dimension des Geschehens bewusst. Am Freitagabend war zunächst bekanntgeworden, dass rund zehn Menschen ums Leben gekommen waren. Dann sprachen die Behörden plötzlich von mehr als 80 Opfern, und im Laufe des Samstags zählte die Polizei immer mehr Leichen in den Gewässern rund um die nur 400 Meter breite Ferieninsel Utøya. In verzweifelter Todesangst hatten sich viele Jugendliche in das kalte Wasser geflüchtet. Das nächste Ufer ist rund 700 Meter von der Insel entfernt.

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    34 Kommentare zu "Mindestens 92 Terror-Tote: „Angriff auf unsere Gesellschaft und Demokratie“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Einige habe wohl geglaubt sich verstecken zu können, das Wasser ist sehr sehr kalt, es sind wohl auch einige ertrunken, die s versucht haben, laut ersten Berichten. Wenn der Schock erst mal körperlich greift, machen sie gar nichts mehr, das ist wie eine Lähmung, leider.

    • 90 Minuten ist wirklich extrem lang, hätte man nicht schneller, z.B. mit einem Hubschrauber vor Ort sein können?
      Ich möchte noch keinen Vorwurf machen, aber in 90 Minuten konnte der Täter ziemliche viele Menschen töten... .

      Diese 90 Minuten müssen den Betroffenen in Todesangst wie eine Ewigkeit vorgekommen sein. Traumen bis ans Lebensende... .

    • Im Moment läuft in Norwegen eine Polizeiaktion, offensichtlich versuchen sie weitere Leute festzunehmen. VG online berichtet:
      "Væpnet politi skal søndag formiddag ha gått til aksjon på en adresse på Sletteløkka ved Rødtvedt i Oslo. Oslopolitiets bombegruppe er på stedet. Politiet bekrefter overfor VG Nett at aksjonen er i forbindelse med terrorangrepet."

    • @fat_Bob:
      Laut der norwegischen Zeitung Aftenposten war die Abfolge folgende:
      15:26 Bombe explodiert im Regierungsviertel
      17:27 Polizei bekommt ersten Notruf mit bericht von Schüssen auf Utoya
      17:52 Erste Polizeipatrouille erreicht das Ufer gegenüber von Utoya, wartet auf Boot
      18:09 Polizei Spezialtruppe erreicht das Ufer gegenüber von Utoya
      18:25 Polizei Spezialtruppe geht auf Utoya an Land
      18:27 Täter ist gefasst

      Die momentan aktuelle Zahl der Opfer: "92 drept (85 på Utøya, 7 i Oslo), 67 skadet på Utøya, 30 skadet i Oslo, 5 savnet."
      Also 92 getötet (85 auf Utoya, 7 in Oslo), 67 verletzt auf Utoya, 30 verletzt in Oslo, 5 vermisst

    • Berichtigung:
      Jetzt habe ich die richtige Insel gefunden. M. E. hat die Norwegische Polizei glatt versagt. 90 Minuten Reaktionszeit ist zu lang. Spätestens nach 30 Minuten hätte ein Polizeiteam dort sein müssen.

      Psychologie.
      Es besteht ein deutlicher Unterschied zw. extremen Ansichten und der Umsetzung derselbigen. In Deutschland gibt es wahrsch. 10 - 20000 gewaltbereite Neonazis oder Linke, aber es macht einen Unterschied, ob wehrlose Menschen abgeschlachtet werden sollen oder mit dem pol. Gegner ein Scharmützel ausgetragen wird, das in Einzelfällen auch zu Todesfällen führen kann. Eine Vorbereitung e. Amoktat mit Anmeldung einer Landwirtschaft zwecks Kaufes von Ammoniumnitrat und Kriegswaffen setzt eine extreme kriminelle/ krankhafte Energie voraus. Die Auswahl der Tatorte und Vorgehensweise sprechen dafür. Die Begründung ihrer Taten ist austauschbar (Mobbing durch Mitschüler, rechte, linke Gesinnung...) Ich bezweifle, ob man das wirkliche Motiv jemals herausbekommen wird. Der Täter wird seine Tat "rationalisieren" und mit einem übergeordneten Ziel ("Mission") begründen, weil nur so eine monströse Tat zu rechtfertigen ist. Etwas anders zu beurteilen ist es, wenn eine Gruppe (RAF, FARC, Al Kaida) Terror plant.

    • So sehe ich das auch. In der konkreten Situation muss man eben ausmachen, von wem die größere Gefahren ausgehen.
      In DE sehe ich das vor allem im Festhalten an neoliberalen Wirtschaftsideologien, in der Geldgeilheit und dem zunehmenden Egoismus und Egozentrik.

    • Auf den bösartigen Zynismus des Täters auch in der Art der Selektion, wollte der user denke ich grade hinweisen.

    • abgewehrt nicht abgewertet natuerlich

    • @Th-Me-St: Ich kenne viele Moslems verschiedener Nationalitäten persönlich, da ich einen "globalen" Beruf habe, und fast alle sind ganz normale Leute wie Sie und ich. Allerdings gibt es fraglos verbohrte und gefährliche Leute, und auch die sehe ich als Gefahr, die abgewertet werden muss. man sollte nur vermeiden, die normale Mehrheit mit der extremen Minderheit in einen Topf zu werfen. Dann begibt man sich nämlich tief hinab auf das gleiche Niveau dieser Menschen.

    • @kriegdemterror: Solcher Zynismus ist menschenverarchtend und geschmacklos...schämen Sie sich!

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