Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Münchner Amoklauf Schwerer Weg zur Normalität

Der Amoklauf in München hat für Erschütterung gesorgt. Ein halbes Jahr später sind immer noch nicht alle zur Normalität zurückgekehrt. Die Aufarbeitung dauert – sicherheitspolitisch, emotional und juristisch.
Kommentieren
Von Schnee bedeckte Stofftiere und Kerzen liegen gegenüber einer McDonald`s-Filiale auf dem Gehweg vor dem Olympia-Einkaufszentrum in München. Ein halbes Jahr nach dem Amoklauf mit zehn Toten hat die Filiale wieder geöffnet. Dort hatte ein 18-Jähriger mehrere seiner Opfer erschossen. Quelle: dpa
Nach dem Amoklauf in München

Von Schnee bedeckte Stofftiere und Kerzen liegen gegenüber einer McDonald`s-Filiale auf dem Gehweg vor dem Olympia-Einkaufszentrum in München. Ein halbes Jahr nach dem Amoklauf mit zehn Toten hat die Filiale wieder geöffnet. Dort hatte ein 18-Jähriger mehrere seiner Opfer erschossen.

(Foto: dpa)

München Die Teddys sehen aus wie kleine Schneemänner. Plastikblumen, Fotos, abgebrannte Kerzen und Abschiedsbriefe sind unter der Schneedecke verschwunden: Ein halbes Jahr nach dem Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) in München halten trotz der klirrenden Kälte Menschen an dem provisorischen Gedenkort inne. Hier erschoss ein 18-Jähriger am 22. Juli neun Menschen und sich selbst. Viele weitere wurden verletzt, manche traumatisiert – und eine ganze Stadt für viele Stunden in einen Ausnahmezustand versetzt.

Motiv des jugendlichen Amokläufers vermutlich: Er fühlte sich von Mitschülern gemobbt. Fast 60 Mal feuerte er, ehe er sich selbst richtete. Die Ermittler fanden 57 Patronenhülsen, die der Tatwaffe zugeordnet werden konnten.

In einer McDonald's-Filiale gegenüber des Einkaufszentrums schoss er zuerst auf die vorwiegend jungen Gäste. Allein hier gab es fünf Tote. Er hatte zuvor sogar versucht, über Facebook mit einer Einladung Bekannte anzulocken – die aber nicht kamen.

In dem Restaurant, nach der Tat mit dunklen Sichtschutz abgesperrt, ist drinnen nichts mehr wie vorher. Es bekam von McDonald's ein neues Design. „Für uns war klar, dass wir in keinem Fall das Restaurant in der ursprünglichen Form wieder eröffnen werden“, sagt Unternehmenssprecher Philipp Wachholz. McDonald's habe sich zugleich jedoch ganz bewusst entschieden, das Restaurant weiterzuführen. „Für uns war die Wiedereröffnung ein wichtiger Schritt, um den Weg zurück zur Normalität zu finden.“ Terror und Gewalt dürften nicht das Leben bestimmen. Sehr viele Mitarbeiter hätten ausdrücklich in der Filiale weiterarbeiten wollen, einige seien auf ihren Wunsch versetzt worden.

Ein halbes Jahr später ist das Restaurant gut besucht. „Ja, man denkt daran“, sagt einer der Gäste. Eine junge Angestellte guckt ratlos. Sie hat gerade hier angefangen. Was vor einem halben Jahr geschehen ist? Nein, davon hat sie nichts gehört.

Im OEZ herrscht Alltagstrubel. Käufer strömen durch die Einkaufsmeile. Aber noch bei weitem nicht so viele wie früher, meinen viele. 30 Prozent weniger Besucher kämen auch jetzt noch, sagen die Chefin eines Zeitungsladens und auch der Inhaber eines Modeladens. „Alle haben Existenzangst“, ruft der Obsthändler unweit der provisorischen Gedenkstätte wütend. Und das nur, „weil der Depp geschossen“ und die Polizei ihn nicht gehindert habe.

Der Handelsblatt Expertencall
Sicherheitskonzept auf dem Prüfstand
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Münchner Amoklauf - Schwerer Weg zur Normalität

0 Kommentare zu "Münchner Amoklauf: Schwerer Weg zur Normalität"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.