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Nach Sonneneruption Polarlichter in Deutschland möglich

Die Sonne war in den vergangenen Tag besonders aktiv. Die starken Sonneneruptionen können nun auch in Deutschland Polarlichter sichtbar machen. Dafür muss allerdings nicht nur das Wetter stimmen.
07.09.2017 - 15:58 Uhr Kommentieren
Nach einer starken Sonneneruption sind hierzulande sichtbare Polarlichter zeitnah möglich. Quelle: dpa
Polarlichter über Deutschland

Nach einer starken Sonneneruption sind hierzulande sichtbare Polarlichter zeitnah möglich.

(Foto: dpa)

Oberpfaffenhofen/Neustrelitz Wer schon immer mal ein Polarlicht sehen wollte, sollte sich in der Nacht warm einpacken und auf wolkenfreie Sicht hoffen. Mit viel Glück könnten in den Nächten zu Freitag und zu Samstag in Deutschland die beeindruckenden Lichter am Himmel zu sehen sein. Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zufolge hat es am Mittwoch starke Sonneneruptionen gegeben. Eine davon war nach Daten der US-Raumfahrtagentur Nasa die stärkste seit zwölf Jahren.

Die bei den Eruptionen ausgeworfenen geladenen Teilchen können, wenn sie auf die Erdatmosphäre treffen, als Polarlichter wahrgenommen werden. „Dieser koronale Massenauswurf ist auf jeden Fall ein Kandidat, der dafür gemacht ist, dass auch in den mittleren Breiten mal Polarlichter zu sehen sind“, sagte Jens Berdermann vom DLR Oberpfaffenhofen am Donnerstag in Neustrelitz. Er leitet dort die Gruppe Ionosphärische Effekte und Korrekturen. Berdermann rechnet mit einer Wechselwirkung vor allem in der Nacht zu Samstag.

Allerdings ist es Berdermann zufolge generell schwierig, Polarlichter vorherzusagen. „Ein starker Effekt auf der Sonne muss nicht unbedingt einen starken Effekt auf der Erde auslösen“, bestätigte auch Monika Korte, Expertin für Erdmagnetfelder vom Geoforschungszentrum Potsdam. Die Sichtbarkeit der Polarlichter hänge zudem von der Ausrichtung des interplanetaren Magnetfeldes ab und davon, wie die Teilchen auf die Erde treffen. „Wenn das wirklich alles zusammenkommt, können Polarlichter durchaus bis nach Süddeutschland sichtbar sein“, so Berdermann vom DLR.

Faszinierende Leuchterscheinungen am Himmel
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Das Brockengespenst

„Nebel, Nebel, weißer Hauch, walle über Baum und Strauch!“ heißt es in einem alten Volkslied – und wäre Nebel nicht schon gespenstisch genug, kann es auf Bergen wie dem Brocken im Harz auch noch zu einer besonderen optischen Erscheinung kommen: dem schwebenden Brockengespenst, das 1780 erstmals vom Theologen und Naturforscher Johann Silberschlag beschrieben wurde.

Diese riesenhafte Gestalt tritt auf, wenn die Sonne einen Menschen auf dem Gipfel oder Berggrat von hinten bescheint, während sich unterhalb eine Nebeldecke ausbreitet. Dann fällt der Schatten nicht auf eine feste Fläche, sondern auf unzählige Wassertröpfchen. Wie bei einer Kinoleinwand wird der entfernte Schatten vergrößert, zugleich bewegt er sich mit den Nebelschwaden – beim Betrachter entsteht das dreidimensionale Bild eines wackelnden Riesen.

Verstärkt wird der Gänsehauteffekt oft durch eine Glorie: eine farbige, ringförmige Leuchterscheinung, die sich um den Kopf des Gespenstes entwickelt, wenn die Tröpfchen das Sonnenlicht reflektieren und beugen – es bildet sich ein kreisrunder Regenbogen.

Bild: Manuguf ; CC BY-SA 3.0

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Der Mehrfachregenbogen     

Regenbogen sind sicherlich die bekanntesten Leuchterscheinungen am Himmel, doch bergen auch sie noch Überraschungen. Denn sie können auch als Doppel-, Dreifach- oder im extrem seltenen Fall sogar Vierfachregenbögen auftauchen. Im einfachen Fall beleuchtet die Sonne eine Regenwand, so dass sich der Sonne gegenüber die farbigen Streifen bilden: Das einfallende Licht wird von den kugelförmigen Tropfen beim Ein- und Austritt gebrochen, in deren Inneren refelektiert und in seine Spektralfarben zerlegt.

Ein kleiner Teil des Lichts verlässt den Tropfen allerdings erst nach zweimaliger Reflektion, so dass oberhalb des Hauptbogens ein zweiter, schwächerer Nebenbogen auftritt, dessen Farbreihenfolge sich zudem umkehrt. Dieser verliert noch an weiterer Leuchtstärke, weil es sich dabei um Licht handelt, das sehr flach in die Tropfen ein- und austritt – er ist also nur bei günstigen Lichtverhältnissen sichtbar. Das gilt umso mehr für Dreifach- und weitere Mehrfachbögen, die immer lichtschwächer werden, so dass bislang nur maximal Vierfachbögen fotografisch dokumentiert werden konnten.

Bild: Invictus OU812; CC BY 2.0

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Der Sonnenhalo       

Manchmal bildet sich um die Sonne ein strahlender Leuchtkreis, der so genannte Halo. Er entsteht, wenn in acht bis zehn Kilometern Höhe Eiskristalle langsam und gleichförmig wachsen, beispielsweise in Cirruswolken – das geschieht jedoch meist nur, wenn sich die Luft nur langsam mit Wasserdampf sättigt. Dann brechen und reflektieren diese wohlgeformten Kristalle das ausgestrahlte Licht, wobei sich ein Ring ausbildet.

Wie beim Regenbogen ist dieser oft farbig, doch können auch farblose Halos auftreten, wenn sich das Licht an den Flächen gleichartig orientierter Eiskristalle spiegelt. Und oft ist der Ring auch unterbrochen, weil die ursächlichen Eiskristalle nicht homogen über den Himmel verteilt sind. Man spricht dann von Halostreifen oder -flecken.

Bild: Chepry; CC BY-SA 3.0

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Korona und Aureole

Der Hof und die Kränze der Sonne oder des Mondes – so werden die Korona und Aureolen der beiden Himmelskörper gerne genannt, denn diese Leuchterscheinung kann Tag wie Nacht deutlich beobachtet werden, sofern sich dünne Wolken über den Himmel schieben oder ausreichend Wasserdampf vorhanden ist. Im Gegensatz zu einem Halo bricht sich das Licht jedoch nicht an den Tröpfchen oder Eiskristallen, sondern wird von diesen nur gebeugt, so dass eine Art weiße Scheibe entsteht: die Korona.

Erst an deren Rändern treten schließlich auch farbige Ringe auf, die Aureolen, die meist gelb und rot sind. Am besten beobachten lassen sie sich bei Vollmond, da die helle Sonne ihre Aureolen meist ohnehin überstrahlt, außerdem besteht nachts keine Gefahr für Augenschäden, wie sie beim direkt Blick in die Sonne drohen.

Bild: Juan lacruz; CC BY-SA 3.0

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Leuchtende Nachtwolken   

Um sie zu sehen, braucht man sehr viel Glück. Selbst Forscher wie Matthew DeLand vom Goddard Space Flight Center der Nasa, der die so genannten Leuchtenden Nachtwolken seit über einem Jahrzehnt erforscht, erblickte sie erst ein einziges Mal in seinem Leben. Diese schimmernden Gebilde entstehen in der Atmosphäre in Höhen von über 80 Kilometern – weit jenseits der normalen Wolken, die sich in der Troposphäre bis maximal 13 Kilometer oberhalb der Erdoberfläche bilden.

Fallen dort oben die Temperaturen auf weniger als minus 130 Grad Celsius, gefriert der in geringen Mengen vorhanden Wasserdampf zu eisigen Wolken. Wegen ihrer extremen Höhe können deren Eiskristalle allerdings selbst dann noch das Licht der Sonne reflektieren, wenn diese lange schon hinter dem Horizont verschwunden ist und der Himmel sich verdunkelt. In Mitteleuropa treten sie zumeist im Juni und Juli auf, und der glückliche Beobachter kann sie sehen, wenn er in der Dämmerung nach Norden schaut.

Bild: Martin Koitmäe / CC-by-SA-4.0

Polarlicht über Tromsö
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Das Polarlicht          

Zum Zauber des Nordens zählen auf alle Fälle die Polarlichter, auch Aurora borealis genannt (auf der Südhalbkugel Aurora australis): In leuchtend grünen, manchmal auch roten und in seltenen Fällen violetten bis blauen Bändern ziehen sie über den Himmel. Physikalisch verbirgt sich dahinter das Einprasseln geladener Teilchen aus dem Sonnenwind auf die Erdatmosphäre, wo sie Sauerstoff- und Stickstoffionen anregen und deren Elektronenbahnen kurzzeitig auf ein höheres Niveau jagen. Sobald sie wieder in den Grundzustand zurückfallen, strahlen sie Licht aus.

Sauerstoffatome setzen dabei grünes und rotes Licht frei, Stickstoff violettes und blaues. Letzteres geschieht jedoch nur sehr selten bei sehr starken Sonnenwinden. Dann lassen sie sich auch bisweilen in gemäßigten Breiten beobachten, wo rote Polarlichter dominieren: Da der Sonnenwind nicht besonders tief in die Atmosphäre eindringt, kann er nur Sauerstoffatome in 20 Kilometern Höhe anregen – die nur im roten Wellenlängenbereich emittieren.

(Foto: dpa)
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Der grüne Blitz        

Leider können wir den grünen Blitz heute wegen der Luftverschmutzung nicht mehr überall beobachten, sondern müssen uns dazu auf die hohe See, in Wüsten oder menschenleere Gebirge zurückziehen und bis zum Sonnenuntergang warten. Wenn unser Zentralgestirn am Horizont versinkt, wird ihr Licht durch die Lufthülle am stärksten gebrochen. Diese Refraktion spaltet das Licht mit zunehmender Stärke in die drei Farben rot, grün und blau auf, die einen Rand an der Oberseite des Sterns bilden.

Zuerst geht die „rote“ Sonne unter, während der grüne und blaue Rand noch für sehr kurze Zeit über dem Horizont liegen. Da die Atmosphäre das blaue Licht so stark abschwächt und streut, bleibt es quasi unsichtbar und erscheint nur bei extrem klaren Bedingungen. Das grüne Licht kann unser Auge allerdings noch wahrnehmen – als kurzen, meist nur wenige Sekunden andauernden grünen Blitz.

Bild: CC BY-SA 3.0

Der Deutsche Wetterdienst sagte allerdings für die kommenden Nächte nicht das passende Wetter voraus. Im Norden dominieren Regenwolken und auch im Süden Deutschlands gibt es keine wolkenfreie Sicht auf den Sternenhimmel. Der Deutsche Wetterdienst Bayern machte zumindest den Südbayern ein bisschen Hoffnung: „Hier wird der Himmel nur von ein paar Schleierwolken bedeckt sein“, sagte Wetterberater Dominik Smieskol. Im Norden Bayerns lägen die Chancen bei nahezu Null.

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    Polarlichter sind an beiden Polen der Welt zu sehen. In Deutschland kann man das Phänomen beobachten, wenn die Sonne besonders aktiv ist. Dann kommt es zu gewaltigen Eruptionen, bei denen riesige Mengen elektrisch geladener Teilchen ins All geschleudert werden. Wenn die auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen, regen sie dort Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle zum Leuchten an. Während die Lichter in den Polarregionen violett bis blau flackern und wabern, haben sie in Mitteleuropa dem DLR zufolge meist eher eine rote Farbe.

    • dpa
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