ICE-Züge in Frankfurt

Der Fernverkehr der Deutschen Bahn ist in Teilen Deutschlands wieder gestartet.

(Foto: dpa)

Orkan „Friederike“ Bahnkunden sollten mit Verzögerungen rechnen

Nach dem schwersten Sturm seit zehn Jahren normalisiert sich das Leben wieder. Wegen des Orkans „Friederike“ sind aber erhebliche Verzögerungen im Bahnverkehr zu erwarten. Die Zahl der Toten stieg auf mindestens acht.
Update: 19.01.2018 - 09:10 Uhr Kommentieren

BerlinNach dem Orkantief „Friederike“ müssen Bahnkunden am Freitag noch mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Über 200 beschädigte Streckenabschnitte vor allem in Nordrhein-Westfalen und in Mitteldeutschland waren der Deutschen Bahn am Morgen bekannt.

Weitere könnten hinzukommen. „Wir fliegen aktuell Strecken mit Hubschraubern ab“, sagte ein Bahnsprecher am Freitagmorgen. Ist die Strecke frei müsse erst ein Zug ohne Fahrgäste fahren, bevor sie endgültig für Züge mit Passagieren freigegeben werden kann.

Die Bahn hat sich zum Ziel gesetzt, am Freitag alle Reisenden an ihr Ziel zu bringen. „Ich denke, wir bringen heute noch jeden ans Ziel, aber vielleicht nicht in der geplanten Zeit“, sagte Bahnsprecher Achim Stauß am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“. „Da bitte ich um Verständnis.“

So wütete „Friederike“ in Deutschland
Hamburg
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Der Tag nach dem Sturm: Schneereste liegen am Freitagmorgen vor der Elbphilharmonie und den Wohnhäuser in der Hamburger Hafencity. Mit Regen, Schnee und Orkanböen ist „Friederike“ durch Deutschland gezogen.

Sachsen-Anhalt
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Antje Lichtenberg, Schulleiterin an der Freiherr-Spiegel-Grundschule in Halberstadt (Sachsen-Anhalt), vor Teilen der Dachkonstruktion, die nach Durchzug des Sturmtiefs im Schulhof liegen.

Thüringen
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Feuerwehrleute beseitigen Sturmschäden im Tierpark von Gera. Hier sind am Donnerstag sehr viele Bäume umgefallen. Dabei wurden auch Tiergehege beschädigt. Zwei Silberfüchse sind entlaufen.

Sehnde
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Ein beschädigtes Auto steht an der B443 in Sehnde (Niedersachsen). Ein herabfallender Ast habe während des Orkantiefs „Friederike“ die Windschutzscheibe eines Autos durchschlagen, woraufhin der Wagen mit einem entgegenkommenden Auto kollidierte und gegen einen Baum prallte, wie die Feuerwehr Sehnde mitteilte. Die Fahrer beider Autos mussten mit Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht werden.

Essen für Gestrandete
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Ein gestrandeter Bahnkunde bekommt am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe (Hessen) von einem Mitarbeiter der Johanniter-Unfallhilfe eine Decke. Gestrandete Reisende können die Nacht in einem von zwei zur Verfügung gestellten Aufenthaltszügen verbringen.

Weiterreise
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Fahrgäste informieren sich am Freitag in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) im Hauptbahnhof über ihre Weiterreise. Nach der deutschlandweiten Einstellung des Fernverkehrs hat die Deutsche Bahn den Betrieb wieder aufgenommen.

Leipzig
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Ein umgestürzter Baum blockiert eine Straße in Leipzig.

Die Zugbindung wurde für sämtliche Tickets aufgehoben. „Die Gültigkeit der Fahrkarten haben wir um eine Woche verlängert, damit man auch Fahrten noch verschieben kann“, sagte Stauß. Wer ganz auf die Reise verzichten muss, bekommt seinen Fahrschein gebührenfrei erstattet.

Nördlich des Mains waren am Morgen im Nah- und Fernverkehr noch viele Strecken gesperrt, darunter zum Beispiel auch die viel befahrene Verbindung zwischen Berlin und Hamburg. Die Streckenabschnitte sollen im Laufe des Tages Stück für Stück freigegeben werden.

Eine genaue Prognose wagte der Bahnsprecher nicht. Dafür sei die Lage zu komplex. Man sei aber zuversichtlich, am Wochenende wieder einen weitgehend normalisierten Verkehr anbieten zu können.

In Bayern und Baden-Württemberg konnten die allermeisten Schäden schon behoben werden. Allerdings gebe es noch viele Ausfälle, sagte ein Bahnsprecher in Stuttgart. Es werde noch den ganzen Tag dauern, bis die Züge wieder dort sind, wo sie gebraucht werden. Fernverkehrszüge, die im Süden losfahren enden oft vorzeitig zum Beispiel in Frankfurt.

Wegen der Auswirkungen von „Friederike“ hatte die Deutsche Bahn erstmals seit dem Orkan „Kyrill“ im Jahr 2007 den Betrieb auf ihrem gesamten Fernverkehrsnetz eingestellt. „Beim Fernverkehr kommt es in Bayern zunächst noch zu Ausfällen und Verspätungen“, sagte ein Bahnsprecher am Freitagmorgen. Grund dafür seien Einschränkungen auf Strecken weiter im Norden. Der Regionalverkehr laufe bereits wieder ohne Einschränkungen.

Der schwerste Orkan seit zehn Jahren in Deutschland hat mindestens acht Menschen das Leben gekostet. In Sachsen-Anhalt kamen zwei Männer ums Leben, wie die Polizei am Freitagmorgen mitteilte. Beide seien am Donnerstagabend ihren schweren Verletzungen erlegen.

Ein 65-Jähriger kam in Sachsen-Anhalt ums Leben, als er an seinem Dach Sicherungsarbeiten durchführte. Er fiel rund acht Meter in die Tiefe. Im Burgenlandkreis wurde ein 34-Jähriger von einem umstürzenden Baum getroffen. Mindestens weitere sechs Menschen starben am Donnerstag bei dem Unwetter in Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Brandenburg, viele wurden während des Orkans verletzt.

Vielerorts wurde zeitweise Windstärke 12 (Geschwindigkeiten von 117 Kilometern in der Stunde und mehr) gemessen. Auf dem Brocken im Harz seien in der Spitze Orkanböen von 203 Stundenkilometer gemessen worden. „Damit haben wir elf Jahre nach Kyrill wieder einen Orkan der Königsklasse“, sagte DWD-Sturmexperte Andreas Friedrich.

Im Tiefland wurden ebenfalls hohe Spitzen-Windgeschwindigkeiten erreicht. So stellte der DWD fast 138 km/h im thüringischen Gera fest, 134 Kilometer pro Stunde wurden im nordhessischen Frankenberg erreicht. Auch mehrere Flughäfen strichen aus Sicherheitsgründen Flüge. Im Norden machte zudem regional Schneeglätte Autofahrern zu schaffen.

Wegen des Orkans musste am Donnerstag im thüringischen Bad Salzungen die Bundeswehr ausrücken und einen getöteten Feuerwehrmann bergen. Ein Schützenpanzer Marder half zudem, Bäume abzutransportieren, die den Weg zur Unglücksstelle versperrten. Der 28-Jährige war im Einsatz von einem Baum erschlagen worden.

Wegen der Gefahr umstürzender Bäume sollte die Autobahn 7 an der Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Hessen in Richtung Süden laut Polizei voraussichtlich bis zum Mittag gesperrt bleiben. Probleme auf den Straßen gab es auch in Westsachsen: Die Autobahn 72 in Richtung Bayern war in der Nähe von Zwickau nach einem Lastwagen-Unfall mit drei Fahrzeugen in der Nacht dicht. Ein Laster war in ein Stauende gerast, zwei Männer starben. Der Stau hatte sich aufgrund eines sturmbedingten Unfalls gebildet. Allerdings hatte „Friederike“ mit dem folgenden Unfall der Laster nichts zu tun, wie ein Polizeisprecher sagte.

Das Wetter hat sich mittlerweile beruhigt. Um Mitternacht hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) die letzten Unwetterwarnungen auf. Am Tag weht der Wind laut DWD anfangs an der See und in den Bergen noch stürmisch. Probleme drohen weiterhin durch glatte Straßen. Es sind immer wieder Regen-, Schnee- und Graupelschauer möglich. An den Alpen erwartet der DWD kräftige Schneefälle.

  • dpa
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