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Papst-Satire Titanic kämpft gegen einstweilige Verfügung

Nachdem Papst Benedikt eine einstweilige Verfügung gegen die Titanic erwirkt hat, zieht das Satireblatt nun selbst vor Gericht. Unterstützung gibt es vom Deutschen Journalistenverband - dem geht es um die Pressefreiheit.
11.07.2012 - 15:54 Uhr 2 Kommentare
Alles nur ein Limonadenfleck? Die Titanic hat auf ihrer Internetseite das Papst-Bild entscheidend abgeändert, zieht aber nun vor Gericht. Quelle: dpa

Alles nur ein Limonadenfleck? Die Titanic hat auf ihrer Internetseite das Papst-Bild entscheidend abgeändert, zieht aber nun vor Gericht.

(Foto: dpa)

Frankfurt/Berlin Das Satiremagazin „Titanic“ will das Verbot seines Papst-Titelbildes nicht hinnehmen. Noch vor dem Wochenende werde die Anwältin der „Titanic“ Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung des Hamburger Landgerichts einlegen, sagte Chefredakteur Leo Fischer am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt. Am Vortag hatte die Pressekammer des Gerichts auf Antrag der katholischen Kirche geurteilt, dass das Titelblatt und die Rückseite der aktuellen „Titanic“ nicht länger verbreitet werden dürfen. Bei einem Verstoß droht dem Satiremagazin ein Ordnungsgeld von bis zu 250 000 Euro.

Fischer kündigte an: „Wir werden sämtliche Rechtsmittel ausschöpfen und notfalls bis zum Jüngsten Gericht ziehen.“ Die „Hand der Versöhnung“ sei aber weiter ausgestreckt, und sie suchten das „persönliche Gespräch“ mit Papst Benedikt XVI. Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sagte hierzu auf dapd-Anfrage: „Ich sehe dem völlig gelassen entgegen.“

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) stellte sich auf die Seite der Zeitschrift. Die gerichtliche Verfügung gegen das Papst-Titelbild sei überzogen, kritisierte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. „Auch der Papst muss sich Satire gefallen lassen.“ Benedikt XVI. werde von „Titanic“ als Sinnbild der „Vatileaks“-Affäre dargestellt. „Das ist legitim“, erklärte Konken weiter. „Über Geschmack lässt sich streiten, aber die Darstellung fällt unter die Freiheit der Satire.“

Die „Titanic“ hatte unter dem Titel „Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!“ den Papst von vorn und hinten gezeigt - einmal mit gelbem, einmal mit braunem Fleck auf der Soutane. In der Enthüllungsaffäre waren mehrfach geheime Dokumente aus dem Vatikan publik geworden.

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    Das Magazin will den Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung damit begründen, dass der Papst das Bild missverstanden habe. „Man kann das Titelbild gar nicht anders deuten als wir das tun: Wir feiern mit dem Papst das Ende der Vatileaks-Affäre. Dabei verschüttet er Limonade auf seine Soutane“, sagte Fischer.

    Auf ihrer Internetseite lieferte die „Titanic“ gleich das Bildmaterial dazu. Das alte Cover wurde geschwärzt und ein neuer Titel auf die Startseite gesetzt: Dort jubelt und kleckert der Papst mit zwei riesigen Limonadenflaschen.

    Ansonsten freue sich die Redaktion darüber, dass der Vatikan erst recht spät gegen das Juli-Heft vorgegangen sei. Die gesamte Abo-Auflage von rund 20 000 Exemplaren sei bereits versendet, nahezu die komplette Kiosk-Auflage von 60.000 bis 70.000 Heften verkauft. „Es ist sehr erfreulich, dass das Papst so spät zur Feder gegriffen hat“, sagte Fischer.

    • dpa
    • dapd
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    2 Kommentare zu "Papst-Satire: Titanic kämpft gegen einstweilige Verfügung"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • eslangtnicht!

      Wie schön, wenn man so gut informiert ein Urteil fällt. Ich abboniere die Titanic seit Mitte der 80er Jahre. Es gab sehr wohl satirische Beiträge zum Judentum und Islam. Die Titanic hat z.B. die Mohamed Karikaturen abgedruckt und Herrn Khomeini sowie Herrn Bin Laden karikiert. Ich denke nicht, dass man der Zeitschrift und ihren Mitarbeitern Feigheit vorwerfen kann.

      Nur weil einem ein Bild/eine Aussage nicht gefällt, sollte man sich nicht gleich Herrn Goppel (CSU) anschließen oder den Glaubensfanatiker machen - dann klappts auch mit der freiheitlichen Demokratie.

      Liebe Titanic - macht weiter so! Es reicht noch lange nicht.

    • Ich finde diese Kerle von Titanic ganz einfach feige.
      Sie wissen ganz genau, daß das Einzige, was ihnen droht, ein bißchen öffentliche Empörung (und damit kostenloses "Marketing") und ggfls eine geringe Strafe der deutschen Gerichte ist.
      Natürlich würden sie sich niemals an eine vergleichbare Aktion gegen Würdenträger des Islam, des Judentums oder irgendeiner anderen religion wagen, denn das hätte viel schwer wiegendere Konsequenzen...eine Fatwa oder sowas, vielleicht sogar Morddrohungen durchgeknallter Salafisten.
      Da verzichtet man dann natürlich aus reinem Selbstschutz auf Satire und das ach so hoch gelobte "Recht auf freie Meinungsäußerung"....
      Wie ich sagte: Feige Bande !!!!

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