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Polizeigewalt in den USA Anklage wegen Mordes im Fall Freddie Gray

Nach anhaltenden Protesten kommt beim Thema Polizeigewalt nun offenbar Bewegung in die US-Justiz und die Politik: Sechs Polizisten müssen sich nach dem Tod von Freddie Gray in Baltimore Anklagen wegen Mordes stellen.
Update: 01.05.2015 - 18:32 Uhr Kommentieren
Viele Menschen in Baltimore begrüßen die Verkündung der Anklage gegen sechs Polizisten, die den Afroamerikaner Freddie Gray bei einer Festnahme vermutlich lebensgefährlich verletzten, sodass er wenig später starb. Quelle: AFP
Proteste und Genugtuung

Viele Menschen in Baltimore begrüßen die Verkündung der Anklage gegen sechs Polizisten, die den Afroamerikaner Freddie Gray bei einer Festnahme vermutlich lebensgefährlich verletzten, sodass er wenig später starb.

(Foto: AFP)

WashingtonIm Fall des im Polizeigewahrsam gestorbenen Afroamerikaners Freddie Gray müssen sich mehrere Polizisten wegen eines Tötungsdelikts verantworten. Staatsanwältin Marilyn Mosby erklärte am Freitag in der US-Ostküstenstadt Baltimore, dass gegen sechs Beamte ein Strafverfahren eingeleitet worden sei. Die Vorwürfe reichen von Körperverletzung bis zu Mord mit bedingtem Vorsatz.

Die Gerichtsmedizin habe den Fall als Tötungsdelikt eingestuft, sagte Mosby bei einer Pressekonferenz. Gemeinsam mit den "Ergebnissen unserer umfassenden, sorgfältigen und unabhängigen Untersuchung" ergebe dies einen hinreichenden Verdacht, um Strafverfahren gegen die sechs Beamten einzuleiten. Gegen die Polizisten, die bereits vom Dienst suspendiert waren, seien Haftbefehle ausgestellt worden. Baltimores Polizeichef hatte die Ermittlungsergebnisse am Donnerstag der Staatsanwaltschaft übermittelt.

Gray hatte nach seiner Festnahme Mitte April so schwere Verletzungen erlitten, dass er eine Woche später starb. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Polizisten Gray zu Boden drücken, bevor sie den jungen Mann zu dem Polizeitransporter schleifen. Als der Transporter bei der Polizeiwache eintraf, war Gray nicht ansprechbar. Später fiel der 25-Jährige im Krankenhaus ins Koma. Grays Rückenmark war nach Angaben der Anwälte seiner Familie am Genick zu 80 Prozent durchtrennt.

Staatsanwältin Mosby sagte, dass sich Gray das Genick gebrochen habe, weil er im Polizeitransporter nicht angeschnallt gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Fahrer des Transporters Mord mit bedingtem Vorsatz, Totschlag und Körperverletzung vor. Die Vorwürfe gegen die fünf anderen Polizisten reichen von Körperverletzung über fahrlässige Tötung bis zu Totschlag. Mosby sagte außerdem, dass Gray "illegal festgenommen" worden sei, da er kein Verbrechen begangen habe. Das Messer, das der junge Mann mit sich geführt habe, sei keine verbotene Waffe gewesen.

Die Staatsanwaltschaft geht damit nicht davon aus, dass sich Gray die schweren Verletzungen selbst zufügte. Die "Washington Post" hatte unter Berufung auf ein Polizeidokument berichtet, dass ein Mithäftling gehört haben will, wie der 25-Jährige seinen Körper "absichtlich" gegen die Wände des Transporters geschlagen habe. Der Häftling saß mit Gray in dem Fahrzeug, die beiden waren allerdings durch eine Metallwand getrennt.

Seit den Schüssen auf den schwarzen Teenager Michael Brown in der Stadt Ferguson im vergangenen August hat eine Reihe tödlicher Polizeieinsätze gegen Afroamerikaner in den USA für Empörung gesorgt. In mehreren Fällen zeigen von Passanten aufgenommene Videos das brutale Vorgehen der Beamten. Viele Afroamerikaner sehen Gray als das jüngste Opfer der Polizeigewalt. Das US-Justizministerium ermittelt wegen der möglichen Verletzung von Bürgerrechten.

In mehreren Städten an der US-Ostküste wie New York, Washington und Philadelphia fanden in den vergangenen Tagen Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt statt. Für Freitagabend waren dem Nachrichtensender CNN zufolge außerdem Demonstrationen in Chicago, Seattle, Dallas und San Francisco geplant.

In Baltimore hatten sich meist jugendliche Afroamerikaner nach der Trauerfeier für Gray am Montag Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Seitdem patrouilliert die Nationalgarde gemeinsam mit Bereitschaftspolizisten in den Straßen. Baltimores Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake verhängte eine nächtliche Ausgangssperre, die vorerst weiter in Kraft blieb.

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  • afp
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