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Preisexplosion Krabbenbrötchen so teuer wie nie

Krabbenliebhaber müssen aktuell deutlich tiefer in die Tasche greifen: Die wohl bekanntesten und beliebtesten Meeresfrüchte sind im Preis deutlich gestiegen. Dennoch scheint der Appetit ungebrochen.
23.06.2017 - 12:50 Uhr Kommentieren
Der Kassenzettel für ein Krabbenbrötchen in Fedderwardersiel im Fischgeschäft „Fisch aus dem Meer“. Der Tagespreis für ein Krabbenbrötchen lag bei 7,50. Quelle: dpa
Teure Krabbenbrötchen

Der Kassenzettel für ein Krabbenbrötchen in Fedderwardersiel im Fischgeschäft „Fisch aus dem Meer“. Der Tagespreis für ein Krabbenbrötchen lag bei 7,50.

(Foto: dpa)

Hamburg Die Fischbude „Brücke 10“ an den St. Pauli Landungsbrücken in Hamburg hat den Ruf, die besten Fischbrötchen der Stadt anzubieten. In Gastro-Tipps werden vor allem die Krabbenbrötchen gelobt. Für die müssen Kunden im Moment allerdings tief in die Taschen greifen: 11,50 Euro kostet der Snack. Auf ihrer Homepage entschuldigen sich die Imbissbetreiber: „Sorry!“ steht in Klammern hinter dem Preis. An anderer Stelle heißt es: „Wir wollen Euch nicht beschubsen.“ Für eine korrekte Kalkulation sei der Preis eigentlich immer noch zu knapp bemessen.

Die Krabbenpreise explodieren, und das schon seit längerem. „Gerade letzte Woche ist der Einkaufspreis wieder gestiegen“, sagt Frederick Fiedler, Geschäftsführer des gleichnamigen Bremerhavener Fischunternehmens. „So ein Preisniveau habe ich noch nicht erlebt“, betont Philipp Oberdörfer, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer in Cuxhaven.

Grund sind die geringen Fänge. Schon im vergangenen Jahr hatten die Krabbenfischer an der Nordsee einen Negativ-Rekord vermeldet: Im Vergleich zu den 11 000 Tonnen vom Vorjahr hatte sich die Ausbeute 2016 fast halbiert. Zurzeit sieht es nicht besser aus. Selbst 1990, das als letztes Krisenjahr gilt, waren die Zahlen nicht so schlecht wie jetzt.

Wie isst Deutschland?
Tiefkühlpizzen
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Fertigpizza, Konserven, Tiefkühlkost: Die Menschen in Deutschland greifen einer Umfrage zufolge immer häufiger zu Fertiggerichten. Nach der Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Forsa gaben 41 Prozent der Befragten an, gerne mal eine Tiefkühlpizza oder ein Fertiggericht zu essen. 2015 waren es noch 32 Prozent. Bei den Unter-30-Jährigen greift sogar deutlich mehr als die Hälfte gerne zur Tiefkühlpizza.

(Quelle: dpa)

(Foto: dpa)
Fertiggericht
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Im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa rund 1000 Bundesbürger ab 14 Jahren zu ihren Ess- und Einkaufsgewohnheiten befragt. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) legt inzwischen Wert auf eine einfache und schnelle Zubereitung ihres Essens. Bei den 19- bis 29-Jährigen sind es sogar 72 Prozent. Männer gehen es dabei noch langsamer an als Frauen: Nur 46 Prozent der Männer bevorzugen die schnelle und einfache Essenszubereitung – aber 63 Prozent der Frauen.

(Foto: dpa)
Kochen
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In Deutschlands Küchen wird insgesamt immer seltener gekocht. Die Zahl derer, die täglich am Herd stehen, sank von 41 auf 39 Prozent. 33 Prozent greifen den Angaben zufolge noch zwei- bis dreimal pro Woche zum Kochlöffel, 2015 waren es noch 37 Prozent. Beim Kauf von Lebensmitteln zählt vor allem der Geschmack (97 Prozent), danach geht es den Verbrauchern vor allem um die regionale Herkunft (73 Prozent) und den Preis (57 Prozent). Gleichzeitig wird den Deutschen angeblich das Tierwohl immer wichtiger...

(Foto: dpa)
Tiergerechte Schweinehaltung
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...47 Prozent der Befragten achten demnach auf Tierwohllabel als Kennzeichen einer tiergerechten Haltung, 2015 waren es noch 36 Prozent. 87 Prozent halten eine Überprüfung und Verbesserung der Standards für erforderlich, 82 Prozent wünschen sich mehr Transparenz. 88 Prozent wären sogar bereit, mehr für Lebensmittel zu zahlen, wenn die Tiere dafür besser gehalten werden.

(Foto: dpa)
Süßigkeiten
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Menschen in Westdeutschland greifen häufiger täglich zu Süßigkeiten (23 Prozent) als Ostdeutsche (11 Prozent).

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Kaffee
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Ältere trinken mehr Kaffee: Je älter die Deutschen sind, desto häufiger trinken sie täglich Tee oder Kaffee – bei den über 60-Jährigen etwa 97 Prozent.

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Vegan
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Veganes Essen ist für eine breite Mehrheit nicht nur ein vorübergehender Modetrend: 71 Prozent der Befragten halten vegane Lebensmittel langfristig für relevant.

(Foto: dpa)

Schuld daran ist den Krabbenfischern zufolge vor allem der Wittling: Die dorschartigen Fische, die sich massenhaft vermehrt haben, fressen die kleinen Nordseegarnelen weg, bevor sie groß genug für die Netze der Kutter sind. Das hat Folgen für Markt und Verbraucher. Als es 2011 Krabben im Überfluss gab, war der Erzeugerpreis auf bis zu 1,30 Euro für ein Kilogramm ungeschälte Schalentiere gefallen.

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    2015 waren es im Durchschnitt wieder mehr als 3,60 Euro für ein Kilo, 2016 schon mehr als acht Euro. In der vergangenen Woche kletterte der Erzeugerpreis schließlich auf 13 Euro. „Die Fischer schaffen es mit den derzeitigen Preisen gut, trotz der geringen Fänge über die Runden zu kommen“, so Oberdörfer. Dennoch sei die Situation auch für sie unbefriedigend, wenn sie - überspitzt formuliert - auf dem Kutter „jede Krabbe einzeln nach unten in den Kühlraum bringen können“.

    Im bei Touristen beliebten Fischgeschäft der Butjadinger Fischereigenossenschaft im Nordseebad Fedderwardersiel heißt es nun öfter mal „ausverkauft“. „Es kommt ja nichts ran“, sagt Mitarbeiterin Cornelia Reunitz. Das Krabbenbrötchen kostet bei ihr inzwischen 7,50 Euro. „4,50 oder 5 Euro sind eigentlich normal. So einen hohen Preis hatten wir noch nie.“ Genügend Käufer gebe es dennoch. „Die Urlauber, die zu uns kommen, sagen: Das gönne ich mir.“ 100 Gramm Fleisch gehöre auf das Brötchen, daran werde auch derzeit nicht gespart.

    Beim Meeresdelikatessen-Geschäft „Fiedler“ im Ausflugsziel „Schaufenster Fischereihafen“ in Bremerhaven kostet ein Krabbenbrötchen gerade mit sechs Euro zwar weniger als in Fedderwardersiel - allerdings kommen auch nur 50 Gramm Fleisch drauf. Trotzdem ist die Nachfrage ungebremst: „Es ist immer noch unser meistverkauftes Fischbrötchen“, sagt Geschäftsführer Frederick Fiedler. Auch an den Hamburger Landungsbrücken wird der teure Snack weiterhin verlangt. Zwar stiegen manche Kunden auf andere Fischbrötchen um. „Leute, die die Krabbe wirklich mögen, nehmen den Preis aber in Kauf“, sagt eine „Brücke 10“-Mitarbeiterin.

    Die Fischer hoffen derweil, dass die Fangmenge im Spätsommer wieder steigt. „Zweidrittel der Jahresmenge wird im zweiten Halbjahr gefangen“, erklärt Oberdörfer. Wenn die nächste Krabbengeneration herangewachsen ist, könnten auch die Preise wieder sinken. Der Bestand unterliege natürlichen Schwankungen, vorhersehbar seien diese nicht. „Das ist auch für uns eine Blackbox“, sagt der Experte.

    • dpa
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