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Prozess in Australien Der Schatzmeister des Papstes muss wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht

Der australische Kurienkardinal George Pell muss sich wegen sexuellen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht verantworten. Er streitet die Vorwürfe ab.
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Erste Anhörung – Missbrauchs-Anklage gegen Papst-Vertrauten

CanberraEs war der Entscheid, auf den die vielen Opfer der Verfehlungen katholischer Priester in Australien lange gewartet hatten: George Pell, einst der oberste Katholik des Landes, kommt vor Gericht.

Dem Kurienkardinal, der bis im letzten Jahr als oberster Finanzberater von Papst Franziskus die Nummer Drei im Vatikan war und sich dann beurlauben lies, werden mehrere sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Pell ist weltweit der ranghöchste Vertreter der katholischen Kirche, der wegen solcher Beschuldigungen angeklagt wird. 

Die mutmaßlichen Taten liegen Jahrzehnte zurück. In einer Wochen dauernden Vorprüfung unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatten verschiedene Zeugen entsprechende Vorwürfe gemacht.

Untersuchungsrichterin Belinda Wallington strich allerdings mehrere Beschuldigungen aus der Anklageschrift, weil sie der Meinung war, die Beweislage reiche nicht aus für eine Beurteilung durch ein Geschworenengericht.

In der Öffentlichkeit wurde bekannt, dass Pell beschuldigt wird, sich in den siebziger Jahren in einem Kino unangebracht verhalten zu haben. Auch der Vorwurf, sich in einem Schwimmbad vor Jugendlichen entblößt zu haben soll, kursierte in den Medien. Ein anderer Kläger sagte, er sei in Melbourne von Pell belästigt worden. Damals war der Geistliche bereits Erzbischof.

Pell bekannte sich am Dienstag nicht schuldig. Er hatte im letzten Jahr gesagt, auf den Tag zu warten, an dem er sich in einem Gericht den Vorwürfen stellen könne. Wann der Prozess stattfinden wird, soll demnächst festgelegt werden.

Der Geistliche ist in Australien heftig umstritten wegen seiner Rolle bei der Vertuschung von Sexualdelikten durch dutzende von Priestern und andern Vertretern der Kirche.

Tausende von Fällen sexueller Übergriffe durch Geistliche waren in den letzten Jahren im Rahmen verschiedener Untersuchungen ans Tageslicht gekommen. Kardinal Pells Name wurde dabei immer wieder genannt.

Als höchster Katholik Australiens habe er versucht, Opfer zum Schweigen zu überreden, um die Kirche zu schützen, so die Kritik. Zeugen meinten, der Geistliche habe das Leid der Geschändeten nicht ernstgenommen und sich ihnen gegenüber „kaltherzig“ verhalten, wie der Vater eines Opfers klagte.

Für den Papst ist die Anklage Pells ein schwerer Schlag, nachdem er eine „Null-Toleranz-Politik” gegenüber sexuellem Missbrauch durch Würdenträger angekündigt hatte.

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