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Royaler Besuch im Schloss Bellevue Queen und Gauck beschwören Europas Zusammenhalt

Bei ihrem Besuch im Schloss Bellevue findet die Queen eindringliche Worte: Sie wolle ein vereintes Europa, eine Spaltung sei gefährlich. Bundespräsident Gauck sprach die Bestrebungen von Premier Cameron direkter an.
24.06.2015 - 23:03 Uhr Kommentieren

Queen warnt vor EU-Austritt der Briten

Berlin Beim fünften Staatsbesuch von Queen Elizabeth II. in Deutschland haben die britische Königin und Bundespräsident Joachim Gauck den Zusammenhalt Europas beschworen. „Wir wissen, dass die Spaltung in Europa gefährlich ist und dass wir uns davor in Acht nehmen müssen“, sagte sie am Mittwochabend beim Staatsbankett zu ihren Ehren im Berliner Schloss Bellevue. „Das bleibt unser gemeinsames Bestreben.“ Großbritannien habe sich in Europa immer sehr engagiert.

Bundespräsident Joachim Gauck ging direkter als die 89 Jahre alte Monarchin auf Bestrebungen im Vereinigten Königreich ein, die EU zu verlassen. „Die Europäische Union braucht Großbritannien“, sagte er beim Bankett.

Zuvor waren die Königin und ihr Mann Prinz Philip (94) mit militärischen Ehren empfangen worden. Bei einer Bootsfahrt durchs Berliner Regierungsviertel jubelten zahlreiche Schaulustige der Queen zu. Anschließend traf sie Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Das royale Paar bleibt bis Freitag in Deutschland.

Hintergrund von Gaucks eindringlichem Appell ist, dass das Volk in Großbritannien bis Ende 2017 darüber abstimmen soll, ob das Land in der EU bleiben möchte. Premierminister David Cameron will davor Reformen aushandeln und Großbritannien in der EU halten. In seiner konservativen Partei gibt es aber einen starken EU-kritischen Flügel. Auch Kanzlerin Merkel dürfte das Briten-Referendum bei ihrem Gespräch mit der Queen angesprochen haben.

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    Wenn Präsident und Kanzlerin zum Reiseführer werden
    Zu Besuch am Main
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    Die britische Königin ist an diesem Donnerstag in Frankfurt eingetroffen. Oberbürgermeister Peter Feldmann zeigte ihr die Paulskirche. Für ihren ersten Besuch am Main trug Elizabeth Mantel und Hut in Blau, mit Türkis abgesetzt.

    (Foto: Reuters)
    Tausende Schaulustige
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    Etwa 3000 Schaulustige hatten seit Stunden ausgeharrt und jubelten, als die Ehren-Eskorte mit den Gästen mit halbstündiger Verspätung vorfuhr. Zur Begrüßung bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen sang der Kinderchor der Frankfurter Domsingschule „Die Gedanken sind frei“.

    (Foto: Reuters)
    Besuch im Kanzleramt
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    Tags zuvor hatte die britische Königin unter anderem die deutsche Kanzlerin in ihrem Amtssitz besucht. Bei einem Gespräch mit Merkel unter vier Augen soll es auch um das geplante britische Referendum über den Verbleib des Landes in der Europäischen Union gegangen sein.

    (Foto: dpa)
    Moment der Stille
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    Es folgte ein Moment des Innehaltens, als die Queen in der Neuen Wache am Brandenburger Tor der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedachte. Zwei Soldaten legten in ihrem Namen einen Kranz nieder.

    (Foto: dpa)
    Vortrag an der TU Berlin
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    Am Nachmittag lauschte die Königin an der Technischen Universität einem Vortrag über typisch Britisches. Zur Vortragsreihe „Queen's Lecture“ kam neben der Monarchin überraschend auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Die Engländer haben die Angewohnheit, auf nassem Gras zu laufen“, sagte der britische Museumsdirektor Neil MacGregor, der die Vorlesung zum Thema „Symbols of a Nation“ am Mittwoch auf Englisch hielt.

    (Foto: dpa)
    Blumen für ihre Majestät
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    Nach ihrem Besuch in der Technischen Universität bekam ihre Majestät von einem Mädchen Blumen geschenkt.

    (Foto: ap)
    Staatsbankett am Abend
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    Beim Staatsbankett am Abend beschwor die Queen die Einheit Europas. „Wir wissen, dass Spaltung in Europa gefährlich ist und dass wir uns davor in Acht nehmen müssen, im Westen wie auch im Osten unseres Kontinents.“

    (Foto: Reuters)

    „Großbritannien zählt sich seit 1945 zu den engsten Freunden Deutschlands in Europa“, sagte die Königin am Abend. Die beiden Länder hätten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs viel erreicht, indem sie zusammengearbeitet hätten. „Ich bin voller Zuversicht, dass wir dies auch in den kommenden Jahren tun werden.“ Die Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland seien „eine der unumkehrbaren Veränderungen zum Guten“, die sie erlebt habe.

    Gauck würdigte den Einsatz der Königin für die europäische Integration. Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Teilung das Kontinents stehe die EU vor großen Herausforderungen. „Wir wissen auch, dass wir eine handlungsfähige Union brauchen, die auf der stabilen Grundlage gemeinsamer Werte besteht. Deshalb ist ein konstruktiver Dialog über die von Großbritannien angestrebten Reformen unerlässlich“, sagte er. „Deutschland wird diesen Dialog als guter Partner unterstützen. Denn Großbritannien ist ein Teil Europas.“

    Am Vormittag waren die royalen Gäste vom Bundespräsidenten und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt empfangen worden. Die beiden Besucher trugen sich ins Gästebuch des Bundespräsidialamtes ein und tauschten Geschenke mit dem deutschen Staatsoberhaupt aus.

    Beim Treffen mit der Kanzlerin führte Merkel die Queen auch durchs Kanzleramt und zeigte ihr auf einer Terrasse den Blick auf die Hauptstadt. „Dort, wo der Zug fährt, da stand die Mauer“, sagte Merkel auf Englisch. Sie zeigte nach vorne und erklärte der Königin, sie selbst habe in Ostdeutschland gelebt. Die Bundesregierung veröffentlichte die Szenen in einem Video bei Facebook. Wenige Stunden später traf sich auch der britische Premierminister David Cameron mit Merkel.

    In der Neuen Wache gedachte die Königin der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Am Nachmittag nahm sie an der Vortragsreihe „Queen's Lecture“ der Technischen Universität teil, dann machte das Paar bis zum Bankett eine Pause.

    Am Donnerstag fliegt Elizabeth II. mit Gauck nach Frankfurt am Main. Am Freitag besucht sie die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen in Niedersachsen. Es war im April 1945 von britischen Soldaten befreit worden. Elizabeth II. war 1965 zum ersten Mal zum Staatsbesuch in Deutschland.

    • dpa
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