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Boris Becker

Gegen die Tennislegende läuft ein Insolvenzverfahren.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Tennis-Legende Boris Becker beruft sich im Insolvenzverfahren auf diplomatische Immunität

Im Streit um sein Insolvenzverfahren erhebt die Tennis-Legende Anspruch auf diplomatische Immunität. Helfen soll ihm eines der ärmsten Länder der Welt.
Update: 15.06.2018 - 17:27 Uhr Kommentieren

London, DüsseldorfBoris Becker hat offenbar einen Weg gefunden, das gegen ihn laufende Insolvenzverfahren vorzeitig zu beenden. Wie mehrere Medien und die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Beckers Anwalt berichten, beruft sich der ehemalige Weltranglistenerste nun auf diplomatische Immunität. Die entsprechende Mitteilung seines Anwaltsbüros liegt auch dem Handelsblatt vor.

„Die Entscheidung, ein Insolvenzverfahren gegen mich zu verfolgen, war sowohl ungerechtfertigt als auch ungerecht“, erklärt Becker demnach. Eine „Gruppe anonymer und unverantwortlicher Banker und Bürokraten“ habe ihn zu einer völlig unnötigen Bankrotterklärung gedrängt. „Mir bleibt keine andere Wahl, als meine diplomatische Immunität anzuführen, um diese Farce zu beenden und mein Leben wieder in den Griff zu bekommen“, wird Becker in dem Schreiben weiter zitiert.

Bereits am Donnerstag hatten englische Zeitungen über einen entsprechenden Antrag der Becker-Seite beim High Court in London berichtet. Dort war der einstige Tennisprofi im Juni 2017 von einer Richterin im Rahmen einer Klage für zahlungsunfähig erklärt worden.

Möglich wird der potenzielle Coup durch Beckers Tätigkeit als Sonderattaché der Zentralafrikanischen Republik für Sport und kulturelle Angelegenheiten in der Europäischen Union. Offenbar erhielt der „Head of Men’s Tennis“ des Deutschen Tennisbunds (DTB) in Zuge dessen den Diplomatenstatus. Berichten zufolge wird Becker demnächst auch ein Büro in der Botschaft der Zentralafrikanischen Republik in Brüssel beziehen.

„Ich fühle mich sehr geehrt, dass diese anspruchsvolle Aufgabe an mich herangetragen wurde“, hatte Becker, der die Rolle nach Angaben seines Anwalts ehrenamtlich übernimmt, im April bei der Verkündung der Tätigkeit erklärt. Diese Ehre betonte der 50-Jährige auch in seiner jetzigen Erklärung noch einmal.

Zugleich beschwor er, dass seine Rolle als Sportbotschafter nicht weniger bedeutsam für das Land sei, als ein Wirtschafts- oder Militärabgesandter in Europa. „Sport wird in Afrika zur universellen Sprache, einer Art gesellschaftlicher Diplomatie und Vermittler zwischen unterschiedlichsten Schichten und Bevölkerungsgruppen“, leitet der Tennisfunktionär und -kommentator seinen Anspruch durch seine Funktion her.

Die Zentralafrikanische Republik gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Präsident Faustin Archange Touadéra, der Becker im April persönlich in Brüssel zum Sonderattaché ernannte, hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle. Die Republik wird seit 2013 in einem Bürgerkrieg zwischen christlichen und muslimischen Milizen aufgerieben. Die reichen Bodenschätze, Diamanten etwa, werden von diesen unter Ausbeutung der Bevölkerung gefördert und verkauft. Seit der Unabhängigkeit des Landes gab es dort keine nach westlichen Standards demokratische Regierung.

Außenminister Johnson weiß von Nichts

Ob Beckers Antrag Erfolg hat, ist noch ungewiss. Grundsätzlich kann die diplomatische Immunität nur aufgehoben werden, wenn sowohl die zentralafrikanische Regierung als auch das britische Außenministerium zustimmen. Minister Boris Johnson will sich aber offenbar nicht in das Insolvenzverfahren von Boris Becker einmischen. Auf Anfrage des Handelsblatts erklärte das Ministerium, keine Informationen darüber zu haben, dass „Herr Becker zu irgendeiner diplomatischen Vertretung im Vereinigten Königreich ernannt wurde“, sagte ein Sprecher des Außenministers am Freitag. „Aber sollte es so sein, wäre es Aufgabe eines Gerichts, eine diplomatische Immunität festzustellen“. Sprich: Man will sich aus dem schlagzeilenträchtigen Fall heraushalten.

In britischen Medien wird spekuliert, dass Boris Becker mit seinem Schritt seine bevorstehenden Einnahmen aus dem Tennis-Turnier in Wimbledon schützen will. In wenigen Wochen beginnt wieder das berühmte Turnier, in dem Becker die größten Höhepunkte seiner Sportlerkarriere feierte – und bei dem er noch immer regelmäßig für die BBC als Kommentator arbeitet. Becker lebt seit vielen Jahren in Großbritannien, im schicken Vorort Wimbledon, ganz in der Nähe des berühmten Tennisclubs.

In wenigen Tagen hätte Becker die erste Etappe in seinem Pleite-Verfahren abgeschlossen. Laut britischem Recht enden nach einem Jahr einige Zugriffsrechte des Insolvenzverwalters – auch wenn dieser noch bis zu drei Jahre danach Einnahmen kassieren kann.

Seit 2017 haben Insolvenzverwalter das Sagen über seine Finanzen. Erst vor wenigen Tagen war bekanntgeworden, dass diese Andenken von Becker versteigern lassen – Turnschuhe, Pokale und Medaillen werden online versteigert. Für viele der 81 Stücke sind seitdem Gebote eingegangen. Das Geld dürfte aber bei Weitem nicht reichen, um die Schulden zu decken. In britischen Medien wird spekuliert, dass Becker 54 Millionen Pfund Miese hat.

Und noch eine Kuriosität hat der Fall zu bieten. Seitdem Beckers Scheidung von seiner Frau Lilly bekannt wurde, liefern sich das Tennis-Ass und der Komiker Oliver Pocher über soziale Netzwerke eine öffentliche Privatfehde. Beide werfen sich gegenseitig Respektlosigkeit und Einmischung in persönliche Angelegenheiten des jeweils anderen vor. Pochers letzte Replik im Streit kam vor einer Woche.

In einem langen Facebook-Post kritisierte der Entertainer die seiner Wahrnehmung nach wiederkehrenden Geschäftspraktiken Beckers zulasten anderer. Auch zum Insolvenzverfahren äußerte sich Pocher. Da heißt es: „Auch dein Diplomaten-Spielzeug-Pass von einem der korruptesten Staaten Afrikas und ein Wohnsitz in Belgien können Dir da nicht helfen.“

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