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Tödliche Geiselnahme - IS reklamiert Tat für sich Der Terror ist zurück in Frankreich

Die vergangenen Monate war es ruhig, nun wird Frankreich erneut vom Terror heimgesucht. Drei Menschen sterben. Eine Kleinstadt steht unter Schock.
Update: 23.03.2018 - 22:28 Uhr 1 Kommentar
Ermittler sichern Spuren in der Nähe des Tatorts in Trèbes bei Carcassonne. Quelle: dpa
Blutige Geiselnahme

Ermittler sichern Spuren in der Nähe des Tatorts in Trèbes bei Carcassonne.

(Foto: dpa)

Carcassonne Die tödlich verlaufene Geiselnahme in einem französischen Supermarkt ist beendet. Der Täter sei in Trèbes bei Carcassonne erschossen worden, teilte Innenminister Gérard Collomb am Freitag auf Twitter mit. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ hat den Anschlag über das Sprachrohr „Amak“ für sich reklamiert.

Der Täter berief sich zuvor bereits auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft von Carcassonne meldete. Drei Menschen seien getötet worden, bestätigte das Pariser Innenministerium der Deutschen Presse-Agentur. Drei weitere Menschen seien verletzt worden, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Nach Einschätzung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron könnte die Geiselnahme in dem Supermarkt in Trèbes für eine neue Art von Terrorgefahr stehen. Es gebe mittlerweile viele Menschen, die sich selbst radikalisierten und unterschiedliche Profile zeigten, sagte Macron am Freitag am Rande des EU-Gipfels in Brüssel.

Man sei nicht mehr in einer Situation wie vor zwei oder drei Jahren, als man es mit Angriffen zu tun gehabt habe, die aus der Region Syrien und Irak gesteuert worden seien. Die neuen Bedrohungen seien „endogen“, also von innen kommend, erklärte Macron. Es gebe weiter eine starke Bedrohung. Der 40-Jährige hatte dabei auch die verheerende Attacke vom November 2015 in Paris im Blick, bei der 130 Menschen starben.

Mindestens zwei Tote – blutige Geiselnahme in Frankreich

Zu den Erkenntnissen, dass der in Trèbes erschossene Täter bereits unter Beobachtung stand, sagte Macron, es gebe in Frankreich solche „gefährlichen Personen“, die umfassend überwacht würden. Es sei nun aber an der Staatsanwaltschaft, den Fall aufzuklären. Bevor man Schlussfolgerungen ziehe, müssten erst einmal mit aller Vorsicht die Fakten analysiert werden.

Die Geiselnahme hatte kurz nach 11 Uhr in Trèbes östlich von Carcassonne begonnen. Laut Zeugenaussagen waren Schüsse gefallen. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit Terrorismus sowie wegen Freiheitsberaubung.

Die französischen Behörden hatten den Supermarkt-Angreifer von Südfrankreich in der Vergangenheit schon wegen mutmaßlicher Radikalisierung auf dem Schirm. Der Mann habe seit 2014 wegen Verbindungen zur salafistischen Bewegung in einer Datenbank gestanden, sagte der Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins am Freitag in Carcassonne. Eine Überwachung im Jahr 2016 und 2017 habe aber keine Anzeichen erbracht, die hätten vermuten lassen, dass der Mann zu einer Terror-Tat schreiten könnte.

Ein Polizist ließ sich während des Einsatzes gegen eine Geisel austauschen. Das sagte Innenminister Gérard Collomb am Freitag nach dem Ende der Geiselnahme. Er sprach von einer Heldentat. Der Beamte habe sein Telefon mit einer offenen Verbindung auf einem Tisch liegen lassen, sagte Collomb. So hätten die Einsatzkräfte hören können, was sich im Supermarkt abspielte. Als Schüsse fielen, seien sie eingeschritten.

Vor der Geiselnahme habe der Täter zunächst ein Auto in Carcassonne gestohlen. Dabei habe er einen Passagier getötet und den Fahrer verletzt. Danach habe er in der Nähe einen Polizisten verletzt, bevor er bei der Geiselnahme in einem Supermarkt im Ort Trèbes zwei weitere Menschen getötet habe.

Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Sie leitete eine Untersuchung wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit Terrorismus ein, wie die Behörde mitteilte. Außerdem wird wegen Freiheitsberaubung ermittelt.

Der Geiselnehmer soll laut einem Medienbericht die Freilassung des Terrorverdächtigen Salah Abdeslam gefordert haben. Das meldete der Sender BFMTV ohne Angabe einer klaren Quelle. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Der französische Staatsbürger Abdeslam soll zu einer Zelle der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gehören, die die schweren Anschläge in Paris im November 2015 und in Brüssel im März 2016 verübte. Er sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft.

Das Innenministerium hatte während der Geiselnahme auf Twitter dazu aufgerufen, den Bereich um den Supermarkt „Super U“ in dem 5500-Einwohner-Ort zu meiden. Laut französischen Medien wurde das Gebiet abgeriegelt. „Ein großer Teil der Mitarbeiter und der Kunden des Super U konnten fliehen“, zitierte AFP eine namentlich nicht genannte informierte Person.

Es war eine trügerische Ruhe in Frankreich in den vergangenen sechs Monaten. Es wurden Attentate vereitelt, unter anderem auf Armeekräfte und eine Sportstätte, aber es gab keine Opfer. Nach dem Anschlag in Trèbes bilanzierte Ressortchef Collomb: „Wir sind in einer kleinen, ruhigen Stadt. Leider ist die Bedrohung überall.“

Einen tödlichen Anschlag hatte es im Oktober vergangenen Jahres gegeben, vor dem riesigen Bahnhof St. Charles in Marseille. Ein 29-Jähriger erstach zwei Frauen und wurde dann getötet. Auch diese Tat nahm der IS für sich in Anspruch. Seit Jahren ist Frankreich Ziel islamistischen Terrors, mehr als 240 Menschen wurden dabei aus dem Leben gerissen. Der Kampf gegen den Terrorismus ist eine der Hauptaufgaben der französischen Mitte-Regierung von Premier Édouard Philippe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekundete ihre Anteilnahme. „Wir sind natürlich bei den Betroffenen und Angehörigen und sprechen ihnen aus vollem Herzen unsere Anteilnahme aus“, sagte sie beim EU-Gipfel in Brüssel. „Wir stehen, wenn es um terroristische Bedrohungen geht, natürlich an der Seite Frankreichs und wo immer wir helfen und unterstützen können, werden wir das tun.“

  • dpa
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1 Kommentar zu "Tödliche Geiselnahme - IS reklamiert Tat für sich: Der Terror ist zurück in Frankreich"

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  • alles Einzelfälle, hat mit Islam nichts zu tun.

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