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TV-Boom in China Warum sich Chinesen an korrupten Beamten ergötzen

In China erreichen TV-Serien über Korruptionsbekämpfung Zuschauerzahlen in Milliardenhöhe. In den Verfilmungen werden Missstände in der obersten Reihen der kommunistischen Partei mit all ihren Luxus-Exzessen dargestellt.
27.09.2017 - 10:56 Uhr Kommentieren
Bo Xilai, ehemaliger Parteisekretär von Chongqing. Der Sohn aus prominenter Politikerfamilie wurde noch vor dem 18. Parteikongress festgenommen. 2013 verurteilte ihn das Gericht zur lebenslangen Haft und wies Bos Behauptungen zurück, dass sein Geständnis durch den illegalen Einsatz von Folter erzwungen worden sei. Er soll insgesamt 5 Millionen Euro an Bestechungsgeldern angenommen haben. Man hatte besonders großgewachsene Polizisten als seine Begleiter ausgewählt, damit der 1,85 m große Bo schmächtiger wirkt. Quelle: AP
Bo Xilai steht vor Gericht.

Bo Xilai, ehemaliger Parteisekretär von Chongqing. Der Sohn aus prominenter Politikerfamilie wurde noch vor dem 18. Parteikongress festgenommen. 2013 verurteilte ihn das Gericht zur lebenslangen Haft und wies Bos Behauptungen zurück, dass sein Geständnis durch den illegalen Einsatz von Folter erzwungen worden sei. Er soll insgesamt 5 Millionen Euro an Bestechungsgeldern angenommen haben. Man hatte besonders großgewachsene Polizisten als seine Begleiter ausgewählt, damit der 1,85 m große Bo schmächtiger wirkt.

(Foto: AP)

Düsseldorf 239.995.400 chinesische Yuan: Der Beamte kennt die exakte Summe, die er an Bestechungsgelder im Laufe seiner Karriere eingesammelt hat. Die Scheine sind im Kühlschrank, hinter Gemälden, unter Matratzen, einfach überall in der leeren Villa gebunkert.

Das ist der erste Fall in der 55-teiligen chinesischen Serie „Im Namen des Volkes“, die von der Korruptionsbekämpfung erzählt und seit seiner Erstausstrahlung im März 2017 über sechs Milliarden Mal angeklickt wurde. Oft sind Serien über heroische Staatsbeamte in China unbeliebt, der Zuschauer vermutet langweilige Propaganda.

Aber die Fälle in dieser Serie gelten als realistisch. Tatsächlich fanden chinesische Behörden 2014 rund 200 Millionen Yuan, also umgerechnet rund 31 Millionen Euro, in der Villa eines Beamten aus dem Energieministerium. Sie brauchten damals vier Geldzählgeräte, die vierzehn Stunden ununterbrochen arbeiteten, um alle Scheine durchzuzählen. Eine Maschine brach wegen Überlastung zusammen.

Dass das wahre Leben die besten Geschichten schreibt, hat die oberste Staatsanwaltschaft in Peking erkannt. Sie ist als Produzent der Serie aufgeführt. Die staatliche Unterstützung bei dem heiklen Thema ist öffentlich gesichert.

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    Gu Kailai, Ehefrau von Bo Xilai. Sie soll Geschenke und Bestechungsgelder für ihre Familie angenommen haben. So trat ihr Sohn eine Safari-Reise von mehr als 100 000 Euro an, von der er „afrikanisches Fleisch“ mitbrachte. Daraufhin entbrannte ein Streit zwischen Vater, Mutter und Sohn, ob man es nun roh essen könne oder dämpfen müsste. 2012 wurde sie nach einer eintägigen Verhandlung wegen Mordes an den britischen Geschäftsmann Neil Heywood zur Todesstrafe mit Aufschub verurteilt. Diese Strafe wird normalerweise nach zwei Jahren in lebenslange Haft umgewandelt. Quelle: Reuters
    Gu Kailai wurde vor ihrer Gerichtsverhandlung verhört und gefilmt.

    Gu Kailai, Ehefrau von Bo Xilai. Sie soll Geschenke und Bestechungsgelder für ihre Familie angenommen haben. So trat ihr Sohn eine Safari-Reise von mehr als 100 000 Euro an, von der er „afrikanisches Fleisch“ mitbrachte. Daraufhin entbrannte ein Streit zwischen Vater, Mutter und Sohn, ob man es nun roh essen könne oder dämpfen müsste. 2012 wurde sie nach einer eintägigen Verhandlung wegen Mordes an den britischen Geschäftsmann Neil Heywood zur Todesstrafe mit Aufschub verurteilt. Diese Strafe wird normalerweise nach zwei Jahren in lebenslange Haft umgewandelt.

    (Foto: Reuters)

    Denn 2004 verbannte die Zensurbehörde Filme, die sich mit Bestechung und Missstände in der Regierung beschäftigten, ins Nachtprogramm. Doch seit zwei Jahren fördert die chinesische Zentralregierung solche Dokumentarfilme und Serien.

    Inzwischen laufen sie auch zur Hauptsendezeit oder über Online-Streaming Kanäle, um auch ein jüngeres Publikum zu erreichen. Das Ziel ist eindeutig: Anerkennung und Unterstützung. Staatspräsident Xi Jinping möchte die Erfolge seiner Kampagne gegen Korruption innerhalb der kommunistischen Partei präsentieren und noch mehr Unterstützung dafür mobilisieren.

    Anti-Korruptions-Fans posten jede Menge Clips
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