Übergewicht bei Kindern Experten fordern 90 Minuten Bewegung am Tag

Bewegungsmangel und Übergewicht gehen für Sportmediziner Hand in Hand. Gerade Kinder bräuchten 90 Minuten Bewegung am Tag, um gesund zu sein, fordern Experten. In der Pflicht seien sowohl Eltern als auch Politiker.
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90 Minuten Bewegung am Tag fordern Sportmediziner für Kinder. Quelle: dpa
Übergewichtige Kinder

90 Minuten Bewegung am Tag fordern Sportmediziner für Kinder.

(Foto: dpa)

KölnSportmediziner schlagen Alarm. Aufgrund von Bewegungsmangel seien zu viele Kinder übergewichtig. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die motorischen Fähigkeiten nachlassen, sagt die Sportwissenschaftlerin Christine Graf von der Deutschen Sporthochschule in Köln der Deutschen Presse-Agentur. „Dicke haben schon im ersten Schuljahr schlechtere motorische Fähigkeiten als normal- oder untergewichtige Kinder.“

In den Folgejahren gehe die Schere weiter auseinander. Ein Beispiel für die Folgen von Dicksein: „Das übergewichtige Kind geht nicht auf den Fußballplatz, oder es geht nur ins Tor“, sagt die Professorin für Sportmedizin.

90 Minuten Bewegung am Tag fordert die Medizinerin für Kinder. „Das ist notwendig, um gesund alt zu werden.“ In den 90 Minuten müsse das Kind zumindest etwas aus der Puste kommen und ein bisschen schwitzen. 30 der 90 Minuten müssen intensiv sein.

Die Medizinerin richtet Forderungen an Eltern und Politiker, um die Bewegungsziele zu erreichen. Kommunalpolitiker müssten die Rahmenbedingungen bieten, dass Kinder in der Freizeit Sport treiben können. Eine Mitgliedschaft im Verein bedeute aber nicht, dass sich Kinder auch ausreichend bewegen. Die Qualität der Angebote spiele eine große Rolle. Für Vereine werde es wegen der schulischen Ganztagsbetreuung allerdings schwieriger, ausreichend Hallenzeiten zu bekommen.

Abnehmen ja, dann aber richtig
Body-Mass-Index
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Der BMI erfasst das Verhältnis von Gewicht zu Größe. Dazu wird das Körpergewicht (in Kilo) durch die Quadratzahl der Körpergröße (in Metern) geteilt. Bei 75 Kilogramm auf 1,80 Meter liegt der BMI also bei rund 23. Bei Erwachsenen wird bei einem Wert von 25 bis 30 von Übergewicht gesprochen, darüber von Fettleibigkeit (Adipositas).

Fettleibigkeit
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Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht das krankhafte Übergewicht Adipositas als weltweite Epidemie. 1,4 Milliarden Erwachsene gelten als übergewichtig, ein Drittel davon als fettleibig. Betroffene leiden oft an Diabetes, Bluthochdruck und Gelenkproblemen. Der Anteil der krankhaft Übergewichtigen liegt einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge in den USA bei 34 Prozent aller Erwachsenen, in Deutschland bei 15 und in Japan bei 4.

Schlankheitsmittel
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Eingerührte Pülverchen als Ersatzmahlzeit allein verhelfen nicht automatisch zu dauerhaft weniger Gewicht. Und es gibt zahllose dubiose Produkte im Internet, die dem Körper schaden. Sogenannte Formula-Diäten können zwar unter ärztlicher Kontrolle für stark Übergewichtige ein guter Einstieg zum Abnehmen sein. Eine auf Dauer erfolgreiche Gewichtsreduzierung hängt aber von vielen Faktoren ab. Neben den Essgewohnheiten gehört auch körperliche Aktivität dazu.

Trennkost
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Auf dem Teller ist alles erlaubt - nur nicht gleichzeitig. Die Idee: Eiweißhaltiges wie Fleisch, Fisch und Käse benötigt saure Verdauungssäfte - Kartoffeln, Nudeln und Brot brauchen basische. Neutrale Lebensmittel harmonieren mit den beiden anderen Gruppen. Das bedeutet etwa: Zum Schnitzel (Eiweiß) passen weder Nudeln noch Kartoffeln (Kohlenhydrate), dafür geht aber Gemüse (neutral). Eine Alternative wäre, Nudeln mit Gemüse zu essen und Fleisch zu streichen.

Low Carb
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Ein Weg im Kampf gegen die Pfunde ist das Senken des Kohlenhydrat- und das Erhöhen des Eiweißanteils in der Ernährung. Ein so veränderter Speiseplan kann zu einem besseren Sättigungsgefühl beitragen und den Abbau von Muskelmasse verhindern. Bei solchen Low-Carb-Diäten schwankt auch der Blutzuckerspiegel weniger stark, es gibt weniger Heißhungerattacken. Zugleich wird der Fettstoffwechsel angekurbelt, was ebenfalls die Pfunde schmelzen lässt.

Crash-Diäten
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Dabei schrauben Verbraucher ihre Energiezufuhr auf etwa 500 bis 800 Kalorien täglich herunter - der Energiebedarf eines Erwachsenen liegt im Schnitt bei 2000 Kalorien. Crash-Diäten eignen sich nicht für eine langfristige Gewichtsabnahme. Sie führen erst einmal dazu, dass der körpereigene Kohlenhydrat-Speicher entleert wird, womit Wasserverluste einhergehen. So nimmt man zwar schnell ab - bei der Rückkehr zu alten Essgewohnheiten kommt es aber zum bekannten Jo-Jo-Effekt und man nimmt genauso schnell wieder zu, meist sogar über das Ausgangsgewicht hinaus.

Essstörungen
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Bei der Magersucht Anorexia nervosa essen Betroffene wenig oder gar nichts. Laut einer Studie des Bundesbildungsministeriums leiden 0,5 bis 1 Prozent der Mädchen im Alter von 15 bis 25 Jahren in Deutschland darunter. Patienten mit der Ess- oder Brechsucht Bulimie essen oft normal oder auch sehr viel - und übergeben sich dann. Das betrifft 1 bis 1,5 Prozent der Mädchen.

Ferner fordert die Sportexpertin den Ausbau anderer Freizeitangebote, wie Schwimmbäder, Skaterparks oder Radwege. In teure Kunstrasenplätze für Einzelsportarten mit hohem Leistungsgedanken zu investieren, sei der falsche Weg.

Hilfen brauchen auch bildungsschwächere Familien. Es sei nicht in erster Linie eine Geldfrage. Es müsse an der Einstellung gearbeitet werden, um Kinder zum Sport zu ermuntern. Die Verantwortung Kita, Schule und Verein zu überlassen, reiche nicht. Sie müssen selbst mitmachen. „Wir als Eltern haben die Verantwortung, dass wir mit den Kindern Baden gehen.“ Viele Kinder könnten nicht richtig schwimmen. In Schulen werde Schwimmen nicht mehr ausreichend gelehrt. „Das ist ein Riesenproblem. Und es ist gefährlich, wenn sich Kinder dann im Wasser überschätzen.“

Sportart Nummer eins ist für Jungen immer noch der Fußball. Bei althergebrachten Sportarten seien auch Schwimmen, Leichtathletik und Turnen gefragt. In der Gunst ebenso oben: Judo, Tennis und Reiten. Beliebte moderne Sportarten sind Longboard, BMX oder Parkour - eine Art Hindernislauf mit Klettern und Springen. Normale Skateboards, Inliner oder Fitnessstudios für die „Muckis“ sind nicht mehr so „in“.

  • dpa
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