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Zwei Frauen am S-Bahnhof "Warschauer Straße" in Berlin, die Rechte Frau trägt einen Pelzmantel.

Tierschützer kämpfen seit Jahrzehnten gegen die Pelzproduktion.

(Foto: dpa)

Umstrittenes Textil Dem Pelz an den Kragen

Millionen Nerze und Füchse werden wegen ihres Fells gezüchtet. Doch der Einsatz von Pelz wird enorm kritisiert. Jetzt will Norwegen die Pelzfarmen im Land schließen. Stirbt damit die Branche in Europa aus?
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Oslo/MoskauPelz ist ein heikles Produkt. So heikel, dass große Modehäuser wie Gucci und Armani inzwischen lieber die Finger davon lassen. Denn beim Pelz prallen Welten aufeinander: Für manche Statussymbol und zur Schau getragener Luxus, für andere ein blutbeflecktes Zeichen von Tierquälerei. Pelztierzüchter sehen ihr Geschäfts meist weniger emotional. Doch für sie wird es in Europa immer schwieriger. Mehr und mehr Länder verbieten die Pelzzucht. Deutschland allerdings ist so weit noch nicht.

Gerade hat die neue norwegische Regierung angekündigt, bis 2025 alle Pelztierfarmen im Land zu schließen. Das ist bemerkenswert, denn Norwegen war nach Angaben der Regierung mit 20.000 Farmen einmal Weltmarktführer. Das ist zwar fast 80 Jahre her. Doch auch heute werden auf rund 250 Höfen Nerze, Rot- und Polarfüchse wegen ihrer Felle gezüchtet. Die werden für umgerechnet 20 bis 50 Millionen Euro im Jahr verkauft.

Tierschützer kämpfen seit Jahrzehnten gegen die Pelzproduktion. Organisationen wie Noah in Norwegen und Peta in Deutschland kritisieren viel zu kleine Drahtkäfige, die die Tiere zu Selbstverstümmelung treiben – für ein Produkt, das aus ihrer Sicht überflüssig ist. In Norwegen feiern sie nun: „Endlich wurden wir gehört“, freut sich Noah-Vorsitzende Siri Martinsen.

Hauptsache Aufmerksamkeit
Kleintierverkauf bei Obi gestoppt
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Zuletzt macht Peta in Deutschland mit einer Kampagne gegen den Kleintierverkauf in den Obi-Baumärkten auf sich aufmerksam. Nach eigener Darstellung hatte Peta aufgedeckt, dass ein Großteil der Tiere, die im Handel verkauft werden, aus Massenzuchthaltung unter „tierquälerischen Bedingungen“ stammten.

(Foto: dpa)
Prominente unterstützen Obi-Aktion
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Zahlreiche Prominente, wie zum Beispiel Fanta-4-Rapper Thomas D, unterstützten die Peta-Aktion gegen Obi.

(Foto: Pressebild)
Verkauf schon vor Jahren gestoppt
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Allerdings habe sich die Unternehmenszentrale bereits vor Jahren dazu entschlossen, keine Kleintiere mehr zu verkaufen, heißt es in einer Mitteilung auf der Webseite von Obi. Nur noch in 15 von Franchise-Partnern geführten Märkten würden Kleintiere verkauft. Jetzt soll damit aber auch in diesen Filialen Schluss sein.

(Foto: obs)
Protest gegen Krokodilleder bei Hermes
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Gewohnt bildstark protestierten Peta-Anhänger gegen die Nutzung von Krokodilleder für Luxus-Handtaschen des französischen Herstellers Hermès. Peta hatte schockierende Videos über Tötungsmethoden auf Krokodilfarmen veröffentlicht. Und das mit Erfolg: Die britische Sängerin und Schauspielerin Jane Birkin entzog Hermès die Namensrechte für den „Birkin Bag“ und der Konzern selbst leitete Ermittlungen ein.

(Foto: ap)
Fall Cecil – Peta protestiert gegen Jagdtrophäen
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Ausgesprochen radikal äußerte sich die US-Peta-Vorsitzende, Ingrid Newkirk, zum Tod des berühmten Löwen Cecil aus dem Hwange-Nationalpark in Simbabwe. Sie erklärte, der US-Zahnarzt Walter Palmer, der Cecil erschossen hatte, gehöre „ausgeliefert, angeklagt und am besten gehängt“. Der Kadaver des Löwen war Anfang Juli entdeckt worden. Seitdem protestieren Peta-Anhänger gegen Jagdtrophäen.

(Foto: AFP)
Kampagne gegen Sea World
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Vehement setzt sich Peta gegen die Haltung von Orcas in Sea-World-Erlebnisparks ein. 2012 hatte Peta sogar versucht, gegen das Unternehmen zu klagen. Der Vorwurf: Die Haltung der Wale verstoße gegen das Sklaverei-Verbot in den USA.

(Foto: Pressebild)
Peta gegen Pelz-Nutzung
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Ein Klassiker unter den Peta-Kampagnen: Aktivisten protestieren während der Fashion Week in Berlin 2015 gegen die Nutzung von Pelzen für Kleidung.

(Foto: ap)


Pelztierzüchter dagegen fürchten um ihre Zukunft. „Mit einem Federstrich hast du mir die Lebensgrundlage genommen, Erna“, schrieb ein 27-Jähriger gerade an Regierungschefin Erna Solberg. Der Züchterverband kritisiert einen „großen Schritt in die falsche Richtung“. Seine Argumente: verlorene Arbeitsplätze und dass die Tiere in den norwegischen Farmen viel besser lebten als in anderen Ländern. „Umso wichtiger ist es, dass wir unseren Anteil an der Weltproduktion aufrecht erhalten“, heißt es beim Verband.

Tatsächlich ist Norwegens Marktanteil an der Welt-Pelzproduktion inzwischen klein. Weltweit wurden nach Angaben des internationalen Pelzverbands im Jahr 2016 rund 75 Millionen Nerzpelze im Wert von rund 1,97 Milliarden Euro produziert. Dazu kamen rund 15 Millionen Fuchspelze mit einem geschätzten Wert von 780 Millionen Euro. Etwa die Hälfte stammt aus China.

In Europa ist Dänemark führend. Hier wurden 2016 mehr als 17 Millionen Nerze gezüchtet, deren Felle für umgerechnet 635 Millionen Euro verkauft wurden. Anders als in Polen, Europas zweitgrößtem Pelz-Produzenten, gibt es hier auch keine große Verbots-Diskussion. Tschechien dagegen hat entschieden: ab 2019 ist Pelztierzucht tabu.

In Deutschland gibt es nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums noch zwei Nerzfarmen, Tierschützer sprechen von drei Betrieben. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte 2015 angekündigt, sie schließen zu wollen. Letztes Jahr wurde die Pelztierhaltung dann ohne Verbot neu geregelt. „Es werden gesetzliche Mindestanforderungen an die Haltung von Pelztieren vorgeschrieben und eine Erlaubnispflicht für die gewerbsmäßige Pelztierhaltung eingeführt“, erklärt eine Ministeriumssprecherin.

Peta-Fachreferent Frank Schmidt kritisiert das als „Rolle rückwärts“. „Das Enttäuschende ist, dass andere Länder viel schneller sind“, sagt er. In Norwegen kam der Beschluss durch Koalitionsverhandlungen zustande. Der europäische Pelzverband spricht von einem „politischen Kuhhandel“.

Tierschützer hoffen, dass ein Pelzfarm-Verbot in Europa die Preise auf dem Weltmarkt so in die Höhe treibt, dass sich die meisten keinen Pelz mehr leisten können. In China sei der Markt fast gesättigt, schreibt der Chef des Pelzverbands, Mark Oaten, in seinem Blog. In Russland dagegen ist die Liebe zum Pelz ungebrochen – bei allen Generationen, in der Großstadt, in der Provinz, am liebsten von Kopf bis Fuß. In nahezu jedem Moskauer Einkaufszentrum gibt es Pelzläden.

Der Absatz sei 2017 im Vergleich zum Vorjahr um das sechsfache gestiegen, berichtete die Zeitung „Iswestija“ unter Verweis auf das Industrieministerium. Zwischen August 2016 und Juli 2017 gaben die Russen für warme Mäntel, Mützen oder Handschuhe knapp 57 Milliarden Rubel (rund 820 Millionen Euro) aus. Experten befürchten nun, dass durch die Verbote in Europa in Russland mehr illegal gezüchtet werden könnte. Seit einiger Zeit werden Pelze bereits gekennzeichnet, die auf legale Weise in die Geschäfte kommen. Besonders beliebt seien Nerz, Fuchs und edler Zobel, rechnet das Pelzunternehmen Sneschnaja Koroljewa (Schneekönigin) vor. Aber auch Modelle aus Hundefell, Lamm oder Kaninchen, die man in den Pelzfarmen in Skandinavien und Deutschland nicht finden wird.

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  • dpa
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