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Unglück Mindestens 35 Tote bei Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua

In Italien reißt eine einstürzende Brücke Dutzende Menschen in den Tod. Im Fokus steht nun Autobahnbetreiber Atlantia – auch in Deutschland nicht unbekannt.
Update: 15.08.2018 - 03:06 Uhr Kommentieren

Dieses Handyvideo zeigt mutmaßlich den Moment des Brückeneinsturzes

Genua Der Einsturz einer vierspurigen Autobahnbrücke in der italienischen Hafenstadt Genua hat möglicherweise Dutzende Menschen in den Tod gerissen. Es seien mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Feuerwehr.

Offiziell bestätigt sind 31 Todesopfer, wie Ansa mit Verweis auf das Außenministerium vermeldet. Unter den Opfern seien auch drei Minderjährige im Alter von acht, zwölf und 13 Jahren. Darüber hinaus seien 16 Menschen verletzt worden. Zuvor hatte die Zahl der bestätigten Todesopfer bei 26 gelegen, die Einsatzkräfte.

Die Rettungsarbeiten gingen in der Nacht weiter. „Wir werden nicht aufhören zu suchen“, hatte der Einsatzleiter des Zivilschutzes, Luigi D'Angelo, gesagt. Innenminister Matteo Salvini sprach zuvor von 30 bestätigten Toten und Verletzten in ernster Verfassung gesprochen. Elf Überlebende seien aus den Trümmern geborgen worden, hatte Bürgermeister Marco Bucci dem Fernsehsender SkyTG24 gesagt.

Die Morandi-Brücke auf der Autobahn A10, der berühmten Urlaubsverbindung „Autostrada dei Fiori“, stürzte in mehr als 40 Metern Höhe auf einem zwischen 100 und 200 Meter langen Stück ein. Nach Berichten von Zeugen wurden Autos in die Tiefe gerissen, Lastwagen stürzten in den Fluss Polcevera.

Zahlreiche Fahrzeuge wurden unter herabfallenden Trümmern begraben. Nahe der Bahngleise soll sich Berichten von Ansa zufolge eine Art Krater gebildet haben, in dem die Rettungskräfte um die 30 Fahrzeuge vermuten.

Unter den Toten soll auch ein Kind sein. Der Polcevera-Viadukt, im Volksmund nach dem Architekten Riccardo Morandi auch Ponte Morandi genannt, überquert unter anderem Gleisanlagen und ein Gewerbegebiet im Westen von Genua.

„Immense Tragödie“ – Dutzende Tote bei Brückeneinsturz in Genua befürchtet

Mehr als 300 Rettungskräfte waren laut Feuerwehr im Einsatz. In der Nähe der Brücke wurden nach dem Einsturz vorsichtshalber Gebäude geräumt. Es bestehe das Risiko, dass weitere Teile des Bauwerks einbrechen, berichtete Ansa unter Berufung auf Rettungskräfte vor Ort. Drei Krankenhäuser in Genua wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

Verkehrsminister Danilo Toninelli sprach von einer „entsetzlichen Tragödie“. Er schloss in einem Radio-Interview aus, dass Bauarbeiten an der Brücke Grund für den Einsturz seien. Vize-Regierungschef Luigi Di Maio sagte, der Staat werde alles unternehmen, um den Familien der Opfer zu helfen. Regierungschef Conte zeigte sich am Abend in Genua „tief betroffen“ von der Tragödie.

Kanzlerin Angela Merkel drückte den Menschen in Genua und in Italien ihre Anteilnahme aus. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb seinem Amtskollegen Sergio Mattarella: „Wir wünschen den Rettungs- und Bergungskräften in dieser schwierigen Situation, in der das Ausmaß des Unglücks noch nicht absehbar ist, die nötige Kraft für die Bewältigung ihrer Aufgaben. Unsere Gedanken sind bei den Opfern des Unglücks und ihren Angehörigen.“ Mattarella nannte das Unglück „erschreckend und absurd“.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, das Generalkonsulat Mailand stehe in engem Kontakt mit den italienischen Behörden, um Informationen auch zu eventuellen deutschen Opfern zu sichern. Weitere Angaben konnten nicht gemacht werden. „Wir sind bestürzt über die schockierenden Bilder aus Genua“, twitterte Außenminister Heiko Maas.

Auf einem Video, das die italienische Polizei ins Internet stellte, sind die beiden Seiten der abgebrochenen Brücke zu sehen. Zwischen beiden Teilen klafft eine riesige Lücke. In einem anderen Video sind Stimmen von Menschen zu hören, die aus der Ferne den Einsturz sehen und geschockt aufschreien.

Der Einsturz dürfte weitreichende Konsequenzen haben: Die Brücke werde abgerissen und das werde einhergehen mit „schwerwiegenden Auswirkungen“ auf den Verkehr und mit Problemen für die Bürger und Unternehmen, sagte der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Edoardo Rixi.

Zum Zeitpunkt der Tragödie waren laut Betreibergesellschaft Autostrade per Italia, die von Atlantia kontrolliert wird, Bauarbeiten im Gange. Wie das Unternehmen am Dienstag auf seiner Homepage mitteilte, sei an der Sohle des Polcevera-Viadukts gearbeitet worden. Auf der Brücke selber habe ein Baukran gestanden.

Der Zustand der Brücke sowie der Fortgang der Renovierung seien immer wieder kontrolliert worden. Erst wenn ein gesicherter Zugang zur Unfallstelle möglich sei, könne Näheres über die Ursachen des Einsturzes gesagt werden, teilte das Unternehmen weiter mit.

Der „Viadotto Polcevera“ war nach vierjähriger Bauzeit 1967 vom damaligen Staatspräsidenten Giuseppe Saragat eröffnet worden. Der Viadukt mit einer Gesamtlänge von 1182 Metern überquert ein Industriegebiet und stützt sich auf drei Betonpfeiler. Das längste Teilstück ist 210 Meter lang.

  • dpa
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