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Verdächtige Kontoauszüge Neue Beweise im Kunstfälscher-Prozess

Jahrelang soll ein Betrügerquartett die Kunstwelt mit raffinierten Fälschungen übers Ohr gehauen haben. Zum Prozessauftakt schwiegen die Angeklagten. Derweil tauchten ordnerweise neue Beweismittel auf.
Update: 01.09.2011 - 16:10 Uhr Kommentieren

Kunstfälscherprozess beginnt in Köln

KölnDie angeblichen Meisterwerke sollen bis hin zum kleinsten Holzwurmloch gefälscht gewesen sein: In einem der spektakulärsten Kunstfälscherprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte müssen sich seit Donnerstag vier Angeklagte vor dem Kölner Landgericht verantworten. Zum Prozessauftakt hüllten sich die mutmaßlichen Kunstfälscher in Schweigen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Quartett vor, über Jahre hinweg bis zu 47 raffiniert gefälschte Werke von Avantgarde-Künstlern des beginnenden 20. Jahrhunderts wie Max Ernst und Max Pechstein in den internationalen Kunstmarkt geschleust zu haben. Damit sollen sie fast 16 Millionen Euro kassiert und sich einen „luxuriösen Lebensstil“ mit Millionen-Anwesen in Südfrankreich und Freiburg geleistet haben. Der Vorsitzende Richter Wilhelm Kremer präsentierte neue Beweismittel: mehrere Ordner mit Auszügen von Nummernkonten in Andorra.

Große Auktionshäuser wie Lempertz in Köln und Christie's in London, Pariser Galerien sowie namhafte Kunstsachverständige sollen auf den Betrug hereingefallen sein.

Die Anwälte schlossen nicht aus, dass sich die drei Hauptangeklagten bald vor Gericht äußern werden. Das aus dem Rheinland stammende Ehepaar Wolfgang (60) und Helene (53) B. sowie ihr mutmaßlicher Komplize, der 67-jährige Otto S., sitzen seit ihrer Festnahme vor rund einem Jahr in Untersuchungshaft und schweigen zu den Vorwürfen. „Es spricht einiges dafür, dass sie sich äußert“, sagte Anwalt Ferdinand Gillmeister über seine Mandantin Helene B. Die vierte Angeklagte, Jeanette S. (54), die Schwester von Helene B., ist auf freiem Fuß. Wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung drohen den Angeklagten bis zu zehn Jahre Haft.

Mit einer Herkunftslegende um die imaginären Sammlungen „Werner Jägers„ und „Wilhelm Knops“ versuchten die Angeklagten nach Worten der Staatsanwältin Kathrin Franz eine „historisch nachvollziehbare“ Quelle zu suggerieren. Dabei handelte es sich um die Namen der Großväter der zwei Schwestern sowie von Otto S. Angeblich kauften sie die Werke von Pechstein, Ernst und Heinrich Campendonk in der Vorkriegszeit bei dem berühmten Galeristen Alfred Flechtheim. „Die Großväter Jägers und Knops haben sich nie kennengelernt und auch zu keinem Zeitpunkt Gemälde von Flechtheim (...) erworben oder ihn gar persönlich gekannt“, sagte Franz.

Die Bilder malte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft der „künstlerisch versierte“ Wolfgang B., der möglicherweise Helfer gehabt habe. Größtenteils habe die Bande verschollene Werke oder Gemälde gefälscht, von denen es keine Abbildungen gab. Auf die Rückseiten klebten sie ebenfalls gefälschte Aufkleber namhafter Galerien der 20er Jahre.

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