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World Press Photo Award Ein schwules Paar, ein Foto und ein Zeichen

Gegen Homophobei in Russland: Der World Press Photo Award geht in diesem Jahr an einen dänischen Fotografen, der ein schwules Paar in Sankt Petersburg zeigt. Mehr als ein Zeichen?
Update: 12.02.2015 - 13:14 Uhr Kommentieren
Fotograf Mads Nissen setzt ein Zeichen gegen Schwulenfeindlichkeit. Und gewinnt prompt den begehrtesten Fotopreis der Welt. Quelle: ap
Das Pressefoto des Jahres

Fotograf Mads Nissen setzt ein Zeichen gegen Schwulenfeindlichkeit. Und gewinnt prompt den begehrtesten Fotopreis der Welt.

(Foto: ap)

Amsterdam Ein deutliches Statement gegen die Verfolgung von Homosexuellen in Russland ist zum weltweit besten Pressefoto des Jahres gewählt worden. Die Jury des Wettbewerbs World Press Photo zeichnete am Donnerstag in Amsterdam den dänischen Fotografen Mads Nissen mit dem mit 10.000 Euro dotierten renommierten Preis aus. Er fotografierte das schwule Paar Jon und Alex in einem intimen Moment nachts in ihrer Wohnung in Sankt Petersburg. Ausgezeichnet wurde auch der russische Fotograf Sergei Ilnitsky von der Europäischen Fotoagentur EPA für ein Stilleben aus dem Krieg in der Ostukraine.

Das Sieger-Foto ist Teil eines größeren Projekts des Dänen Nissen zum Thema „Homophobie in Russland“. Es nehme auf eindrückliche Weise gegen die zunehmende Verfolgung von Homosexuellen, Lesben, Bisexuellen und Transgender in Russland Stellung, erklärte die Jury. „Sexuelle Minderheiten werden mit rechtlicher und sozialer Diskriminierung konfrontiert, Verfolgung und sogar gewalttätigen Hass-Verbrechen von konservativen religiösen und nationalistischen Gruppen“, heißt es in dem Bericht der Jury.

Spektakuläre Blicke aus Hotelzimmern
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Vor sechs Jahren begleitete Jan Schünke einen anderen Fotografen als Assistent auf einer Reise nach Kuala Lumpur. Dort wollten die beiden Luxusautos fotografieren. Eine normale Dienst-Reise für einen Fotografen. Nachts schaute Schünke dann aber aus dem Fenster seines Hotelzimmers im vierunddreißigsten Stock, genau gegenüber den Petronas Towers. Diesen Ausblick wollte er festhalten. Mit jedem Klicken des Auslösers wurde ihm dabei klar: Genau das möchte er nun machen. Dies sollte keine einmalige Aktion werden. Also startete der damals nicht mal Dreißigjährige zu einer Weltreise, zu den schönsten Hotels der Welt – oder besser: Den schönsten Ausblicken der Welt.

Die Ausstellung läuft noch bis Ende der Woche in der Frankfurter Galerie F8.

(Foto: Jan Schünke/ Galerie F8)
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Aus diesen Aufnahmen hat Jan Schünke (r.) nun eine Ausstellung gemacht. In der Frankfurter Galerie „f8“ von Thomas von Salomon präsentiert er nun seine Werke. Dafür hat der Jungfotograf erheblichen Aufwand betrieben.

(Foto: Jan Schünke/ Galerie F8)
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Dies ist der Blick auf Hong Kong, vom Dach eines Hotels. Zunächst wählt Schünke die Stadt, dann das Hotel und dann das Zimmer. In jedem Hotel verbringt er zwei Tage, pro Stadt eine Woche.

(Foto: Jan Schünke/ Galerie F8)
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Der Blick vom Kempinski-Hotel in Doha. Die Reisen sind für Schünke eher eine Art Urlaub. Sein Geld verdient er als kommerzieller Fotograf. Doch entspannend sind seine Hoteltrips nicht. Ständig beobachtet Schünke das Hotelzimmer. Wie sich das Licht über den Tag verändert, oder wie ein wehender Vorhang plötzlich ein neues Motiv ermöglicht.

(Foto: Jan Schünke/ Galerie F8)
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Mit seiner Hasselblad SWC liegt er ständig auf der Lauer, immer auf der Suche nach dem einen Motiv. Der heute 35-Jährige möchte eine Verbindung zwischen Innen- und Außenraum schaffen.

(Foto: Jan Schünke/ Galerie F8)
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Mittlerweile fotografiert Jan Schünke nur noch analog, also auf klassischem Film. Ständig beobachtet er das Treiben au den Straßen, fragt sich, was die Menschen in den Zimmern gegenüber machen. Erst drei Jahre nach der ersten Aufnahme machte er aus seinen Momentaufnahmen eine Serie.

(Foto: Jan Schünke/ Galerie F8)
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Der Blick vom Park Hyatt in Shanghai. Plötzlich aufsteigender Nebel oder einsetzende Regenschauer schaffen immer wieder neue Kulissen für die Aufnahmen von Schünke. Gerade die Fotos aus Asien zeigen das immer größere Bestreben der Architekten nach Größe. So schaut man von vielen Hochhäusern nur noch auf den Nebel, völlig losgelöst von der Stadt weit unten.

(Foto: Jan Schünke/ Galerie F8)

„Dieses Foto hat eine große ästhetische Kraft und zeigt Menschlichkeit“, sagte die Vorsitzende der Jury Michele McNally, Direktorin für Fotografie bei der „New York Times“. Er wollte „Liebe und Hass“ abbilden, sagte Nissen, der für die dänische Tageszeitung Politiken arbeitet. „Zwei Menschen haben sich lieb, aber andere lassen das nicht zu.“

Gleich zwei Preise gewann der russische Fotograf Sergei Ilnitsky von der Europäischen Fotoagentur EPA. Sein Foto von einem mit Staub und Scherben bedeckten Küchentisch nach einem Granatenangriff auf die ukrainische Stadt Donetsk im August 2014 erhielt den ersten Preis in der Kategorie Allgemeine Nachrichten. Den zweiten Platz erreichte Ilnitsky in der Kategorie Sport mit einem Foto vom Weltcup im Skispringen in Russland.

Die Jury verwies auch auf die große Bedeutung von Fotos in den Medien. „Terroristen benutzen heute anschauliche Bilder für Propaganda“, sagte das Jury-Mitglied Pamela Chen. „Darauf müssen wir mit subtileren, intensiven und nachdenklicheren Fotos reagieren.“

Aus rund 98.000 Fotos aus 131 Ländern bestimmte die Jury die Sieger. Preise wurden in acht Kategorien an 42 Fotografen vergeben, dazu gehören auch die beiden Deutschen Sandra Hoyn und Christian Ziegler, für die Zeitschrift Geo. Die Siegerfotos werden in einer Ausstellung ab April in Amsterdam und anschließend in 45 Ländern gezeigt.

  • dpa
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