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Deutsches Uhrenmuseum

Am Wochenende werden die Uhren von 2:00 Uhr auf 03:00 Uhr vorgestellt.

(Foto: dpa)

Zeitumstellung Die Mitteleuropäische Zeit wird in Deutschland 125 Jahre alt

Das Drehen an der Uhr ist nach 125 Jahren auch in Deutschland zur Routine geworden. Und bleibt dennoch umstritten.
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Furtwangen In der Nacht zum Sonntag (25. März) werden die Uhren in Deutschland wieder auf Sommerzeit von 2:00 Uhr auf 3:00 Uhr vorgestellt. Diesmal ist die Zeitumstellung mit einem Jubiläum verbunden: Die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) wird in Deutschland 125 Jahre alt. Am 1. April 1893 wurde sie in Berlin per Reichsgesetz eingeführt. Ein Eisenbahnunglück in den USA war einer der Auslöser.

„Früher hatte jeder Ort seine eigene Zeit“, sagt Johannes Graf vom Deutschen Uhrenmuseum. Die Einrichtung in Furtwangen im Schwarzwald hat die Geschichte der MEZ zum 125-jährigen Bestehen in Deutschland wissenschaftlich aufgearbeitet. „Diese Ortszeit richtete sich nach dem Sonnenstand auf der jeweiligen geografischen Länge.“ Ein Problem sei dies lange nicht gewesen. Doch mit dem Siegeszug der Eisenbahn Anfang des 19. Jahrhunderts änderte sich das.

„Das vergleichsweise schnelle Verkehrsmittel Eisenbahn passte nicht zu der Vielzahl der örtlichen Zeiten“, sagt Graf. So wurden für Züge Einheitszeiten festgelegt, die entlang der Bahnlinien galten und sich meist an der jeweiligen Zeit in den Hauptstädten orientierten. An den Orten, durch die Züge fuhren, zeigten die Uhren meist jedoch eine andere Zeit.

Pleiten, Pech und Zeiger
Wer umstellt, verliert
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Am Sonntag verlieren wir um genau 2 Uhr in der Nacht eine Stunde Zeit. Die Uhren werden dann nämlich um eine Stunde vorgestellt. Zahlreiche Uhren in Deutschland stellen sich von allein um, die mechanischen Uhren müssen allerdings nach wie vor von Hand bedient werden. Die meisten digitalen Zeitmesser werden von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig angesteuert. Allerdings gibt es bei den meisten Geräten via Internet oder durch eigenständige Umstellung zusätzliche Sicherheiten, falls die PTB-Technik versagen sollte.

(Foto: dpa)
Die Atomuhr
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Diese Uhr geht niemals falsch – denn alle anderen Uhren richten sich nach ihr aus. Die „CS2“ bestimmt die Zeit anhand von Caesium-Atomen, die mithilfe von Laser beschleunigt werden. Seit 1991 ist sie in Betrieb und kann ihr Signal bis zu 2.000 Kilometer weit senden, sodass Empfänger im gesamten Bundesgebiet bedient werden können. Pannen sind bei der Übertragung bislang laut Physikalisch-Technischer Bundesanstalt nicht passiert, allerdings führt menschliches Versagen hin und wieder zu Pannen bei der Zeitumstellung, wie die folgenden Beispiele zeigen.

(Foto: dpa)
Horst Seehofer
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Der bayerische Ministerpräsident verschlief im April 2014 eine Telefonkonferenz mit der Bundeskanzlerin, weil er seinen Wecker wegen der Sommerzeit nicht eine Stunde vorgedreht hatte. Erst als sein Telefon nicht aufhörte zu klingeln, so der CSU-Chef, sei ihm schlagartig klar geworden: Die Zeitumstellung! Die Telefonschalte begann so erst mit einigen Minuten Verzögerung um 8.07 Uhr.

(Foto: dpa)
Weckdienst der Telekom
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Ausgerechnet die Telekom verschlief im März 2001 die Umstellung auf die Sommerzeit. „Etliche Menschen sind zu der alten Zeit geweckt worden“, sagte eine Mitarbeiterin des Erinnerungs-Service. Der Grund für die Verspätung waren angeblich Computerprobleme.

(Foto: Reuters)
Finanzamt
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Im niedersächsischen Bad Gandersheim standen im November 2011 knapp zwei Dutzend Mitarbeiter vor den verschlossenen Türen des Finanzamts. Der Eingang ließ sich einfach nicht öffnen. Den verantwortlichen Computer hatte offensichtlich die Umstellung auf Winterzeit durcheinandergebracht. Statt um 6 Uhr kamen die Angestellten erst um 8 Uhr an ihre Arbeitsplätze, nämlich als der erste Kollege mit einem richtigen Schlüssel eintraf.

(Foto: dpa)
Blitzer
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Autofahrer in Freiburg bekamen im November 2010 einen Schrecken. In einigen Straßen gelten gewöhnlich nur von 22 Uhr bis 6 Uhr 30 km/h statt der sonst erlaubten 50 km/h. Doch weil die Blitzer nicht pünktlich von Sommerzeit auf Normalzeit eingetaktet wurden, fotografierten die Messgeräte am Abend nach der Zeitumstellung fälschlicherweise schon ab 21 Uhr, wie die „Badische Zeitung“ damals berichtete. Knöllchen gab es in dieser verflixten Stunde allerdings nicht – zumindest nicht für diejenigen, die weniger als Tempo 50 gefahren sind.

(Foto: dpa)
Online-Auktion
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Pech hatten einige eBay-Anbieter im Oktober 2004. Auktionen, die am Tag nach der Zeitumstellung zwischen 10 und 11 Uhr hätten enden sollen, waren bereits eine Stunde vorher vorbei. Bieter der letzten Stunde kamen daher nicht mehr zum Zug – gerade dann, wenn erfahrungsgemäß die Preise stark steigen. Ein Wermutstropfen: Den betroffenen Verkäufern erließ Ebay die Gebühren.

(Foto: dpa)

Das sorgte für Verwirrung – mit verheerenden Folgen: Am 12. August 1853 zeigte die Taschenuhr eines Lokführers die falsche Zeit an, der Mann steuerte die Dampflokomotive mit den Waggons auf ein Gleis. Deshalb stießen in Virginia Falls (USA) zwei Züge zusammen, 13 Menschen starben. Das Unglück löste eine Debatte aus.

Die Antwort waren Einheitszeiten, die sich an den nationalen Grenzen orientierten. „Doch besonders im kleinräumigen Europa war dieser erste Schritt zur Vereinheitlichung der Zeiten unbefriedigend“, sagt Graf. An Grenzbahnhöfen sorgten sie für Chaos. Am Bodensee etwa mit seinen damals fünf Anrainerstaaten galten so in einem einzigen Bahnhof fünf unterschiedliche Zeiten.

Orientierung versprach ein System aus 24 weltweiten Zeitzonen, das den Staaten 1884 auf einer Konferenz in Washington empfohlen wurde. In Deutschland stieß es auf Vorbehalte. „Um 1890 stritten Politiker und Fachleute heftig über die Frage, ob sich Deutschland dem System anschließen solle“, sagt der Direktor des Deutschen Uhrenmuseums, Eduard Saluz. Konservative lehnten die Einführung der Mitteleuropäischen Zeit ab: „Sie wollten die Ortszeiten im Alltag beibehalten.“

Wissenschaftler wiederum sagten: Erdbeben und Wetter sowie Bahn- und Postverkehr machten nicht an den Grenzen von Zeitzonen Halt. Besser sei eine einzige Weltzeit. Doch diese kam nicht. Stattdessen etablierte sich die für Mitteleuropa geltende MEZ, die vor und nach Deutschland auch andere europäische Länder einführten. Später kam es zur Unterscheidung zwischen Winter- und Sommerzeit und damit zur Notwendigkeit, regelmäßig die Uhren umzustellen.

Zeitzonen seien sinnvoll, sagt Graf: „Sie unterscheiden sich voneinander jeweils um eine ganze Stunde. Die Aufteilung der Erde in 24 solcher Stundenzonen bewirkt, dass die Sonne ungefähr um 12 Uhr mittags im Zenit steht – und das weltweit.“ Somit lebe jeder in einer ihm vertrauten Zeit, die sich an dem Stand der Sonne orientiere.

Global unterschiedlich seien nur die Stunden. Da Minuten und Sekunden weltweit im Gleichtakt liefen, könnten Zeiten durch einfaches Hinzufügen oder Abziehen einer bestimmten Zahl von Stunden die Weltzeit UTC errechnet werden, die etwa im Flugverkehr genutzt wird. Dies helfe Wissenschaft und Technik in einer globalisierten Welt.

Im Uhrenmuseum verdeutlichen mehrere so genannter Weltuhren, wie unterschiedlich die Erde tickt. Immer zur Zeitumstellung ist Handarbeit gefragt, wie Uhrmachermeister Matthias Beck sagt. Er geht dann stundenlang durch die Räume und dreht den Zeiger der Uhren von Winter- auf Sommerzeit – und im Oktober umgekehrt.

  • dpa
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