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Zeitung Britische „Sun“ streicht die nackten Brüste

Die Briten nehmen Abschied von einer Institution: Nach 44 Jahren stellt das Boulevardblatt „Sun“ ihre Oben-Ohne-Girls auf Seite 3 ein. Medienzar Murdoch reagiert auf Proteste. Dennoch lebt das Geschäftsmodell weiter.
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Die Sun nimmt Abschied vom nackten Mädchen auf Seite drei: Schon seit längerem waren die Bilder immer wieder Anlass für Kritik – da half es auch wenig, dass die Redaktion in den vergangenen Monaten auch ab und zu einen knackigen Mann mit bloßem Oberkörper auf die Seite stellte. Quelle: AFP

Die Sun nimmt Abschied vom nackten Mädchen auf Seite drei: Schon seit längerem waren die Bilder immer wieder Anlass für Kritik – da half es auch wenig, dass die Redaktion in den vergangenen Monaten auch ab und zu einen knackigen Mann mit bloßem Oberkörper auf die Seite stellte.

(Foto: AFP)

LondonSie heißen Kelly, Zoe oder Katie – und in Großbritannien gehören sie zum britischen Boulevard wie die roten Doppeldecker-Busse oder die Queen zu London: Die Oben-Ohne-Girls von Seite 3 des Murdoch-Blattes „The Sun“. Auf der Insel sind die „Page 3“-Mädchen in den täglich 2,9 Millionen Ausgaben des Boulevardblattes und ihre meist stattlichen Oberweiten nationale Institutionen.

„Auf uns schaut man nicht herab, zu uns sieht man auf“ sagte einmal das Model Zoe Mc Connell, die mit sieben Jahren Oben-Ohne-Erfahrung eine Veteranin des Geschäfts ist. Doch nun das: Still und leise nimmt die „Sun“ diese Woche von der Tradition Abschied und gibt sich künftig zugeknöpfter, aber nur etwas, denn im Internet lebt die Idee und die Vermarktungsmaschinerie dahinter weiter.

Das barbusige Mädchen auf der Seite 3 der Zeitung soll am kommenden Freitag zum letzten Mal erscheinen und danach verschwinden. So will es das Schwesterblatt "The Times" erfahren haben – und die Kollegen sollten es wissen, zählen sie doch ebenfalls zum Murdoch-Imperium.

Bye, bye Sonnenschein. Fortan wird es auf Seite 3 der Zeitung Sun also züchtiger zugehen. Mit den Bildern verschwinden nicht nur offenherzige Aufnahmen von vornehmlich jungen Frauen. Es geht auch eine der längsten Traditionen des britischen Boulevards zu Ende.

Ebenso wie Deutschlands größte Boulevardzeitung „Bild“ druckte bisher auch „The Sun“, die bedeutendste Boulevardzeitung Großbritanniens, in nahezu jeder Ausgabe das Foto einer nackten Frau ab – und das seit 44 Jahren.

Als das konservative Murdoch-Blatt 1970 die busige Seite 3 erfand, war es „eigentlich nur die Idee, den Lesern nach dem ersten Umblättern den Tag mit einem Sonnenschein zu erhellen, wie der damalige Bildredakteur Geoff Webster, sich kürzlich erinnerte.

Ohne nackte Tatsachen geht's nicht

Die Tradition soll nicht untergehen: Während sie zwischendurch nur noch im Internet zu sehen waren, kommen die Seite-3-Damen nun auch in der gedruckten „Sun“ zurück. Foto: Screenshot Internetseite

Die Tradition soll nicht untergehen: Während sie zwischendurch nur noch im Internet zu sehen waren, kommen die Seite-3-Damen nun auch in der gedruckten „Sun“ zurück. Foto: Screenshot Internetseite

Doch aus der einst anonymen Oberweitenschau wurde im Laufe der Jahrzehnte eine feste Institution, die Models wie Samantha Fox oder Maria Whittaker zu Popstars oder Werbeheldinnen machten– die zuletzt allerdings auch zunehmend umstritten war.

Schon seit längerem waren die Bilder immer wieder Anlass für Kritik – da half es auch wenig, dass die Redaktion in den vergangenen Monaten auch ab und zu einen knackigen Mann mit bloßem Oberkörper auf die Seite stellte. Vielen galt die Rubrik als sexistisch.

Die Aktivistengruppe „No more page three“ protestierte seit 2012 gegen die Nackedei-Bilder – und sie standen damit nicht allein. Eine Petition gegen das Seite-3-Nackedei unterstützten immerhin über 200.000 Menschen in Großbritannien. Ein Widerstand, dem sich Medienzar Rupert Murdoch nun offensichtlich beugt.

„Sie könnten recht haben, ich weiß es nicht, werde aber darüber nachdenken“, hatte er den Protestlern bereits kürzlich seinen Schwenk auf Twitter angedeutet. Die Sun ist nicht das einzige Boulevardblatt, das bereits lernen musste, dass die Zeit an den Nackedeis vorbei gegangen ist. Auch die „Bild“ hatte schon im Jahr 2012 ihr Seite-1-Girl auf die hinteren Seiten verbannt.

Die Aktivistengruppe „No more page three“ freute sich am Dienstag auf Twitter bereits über ihren vermeintlichen Sieg. Allzu große Sorgen müssen sich die Sun-Leser allerdings nicht machen, dass das britische Boulevard-Blatt nun allzu keusch daherkommen wird.

So ganz ohne nackte Tatsachen wird es auf dem umkämpften britischen Boulevard vermutlich künftig weiter nicht ablaufen. Auch die aktuelle Dienstagausgabe des Boulevardblattes verzichtet zwar schon auf ein Oben-Ohne-Mädchen von Seite 3.

Aber nur zehn Seiten weiter findet sich ein ausführlicher Bericht über das für ihre enorme Oberweite bekannte britische Model Katie Price – selbstverständlich samt ausführlicher Bebilderung. Ganz und gar wird sich der Sonnenschein bei der „Sun“ offensichtlich nicht verdunkeln.

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2 Kommentare zu "Zeitung: Britische „Sun“ streicht die nackten Brüste"

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  • Von welchem Ufer muß man eigentlich sein, um sich daran zu stören? (o:)

  • Wie verklemmt sind wir nur geworden? Gerne erinnere ich mich an die Siebziger, als die Mädels zur Transparenzbluse keinen BH trugen und die Devise lautete: " Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment".