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Zoo in Odense Dänemark gegen die Disney-Welt

2014 löst der Kopenhagener Zoo weltweit Entrüstungsstürme aus: Er tötet eine gesunde Giraffe und zerlegt sie vor Kinderaugen. Nun gibt es einen neuen Aufschrei. Diesmal liegt ein Löwe auf dem Seziertisch.
15.10.2015 - 18:25 Uhr
Zahlreiche Kinder beobachten, wie ein Löwe seziert wird. Im Ort Odense werden Tiere schon seit vielen Jahren regelmäßig seziert, um Kindern etwas über die Natur beizubringen. Quelle: dpa
Zoo seziert Löwen

Zahlreiche Kinder beobachten, wie ein Löwe seziert wird. Im Ort Odense werden Tiere schon seit vielen Jahren regelmäßig seziert, um Kindern etwas über die Natur beizubringen.

(Foto: dpa)

Odense Im Disney-Film „König der Löwen“ ist Simba ein niedlicher Kerl, der vor Energie nur so strotzt. Im dänischen Zoo Odense liegt am Donnerstag ein mausetoter Artgenosse auf einem Tisch neben dem Seelöwengehege. Um ihn herum: rund 400 neugierige Kinder und Erwachsene. Manche halten sich die Nase zu, denn der Kadaver müffelt. Biologe Rasmus Kolind hält die fleischige Leber des Raubtiers in die Luft. „Was glaubt ihr, was das hier ist?“

Der neun Monate alte Löwe wurde betäubt und getötet, weil nicht genug Platz im Käfig war und Inzucht drohte. Indem Kolind und eine Kollegin ihn vor Kinderaugen ausnehmen, wollen sie den Jungen und Mädchen zeigen, wie die Tiere aussehen - in Wirklichkeit, nicht im Film. „Wir wollen gerne erzählen, wie fantastisch Löwen sind – und wieviel ihr Körperbau mit unserem gemeinsam hat“, sagt Kolind.

Für diese Art Lehrstunde haben viele Menschen weltweit kein Verständnis: Eine Petition im Internet hatte am Donnerstag mehr als 130.000 Unterstützer. In sozialen Medien beschimpfen wütende Nutzer den Zoo seit Tagen als „Tiermörder“ und die Dänen als „Barbaren“. „In meinen Augen ist es schrecklich, dass man einen gesunden jungen Löwen tötet, und ich verstehe einfach die Eltern nicht, die ihre Kinder mitnehmen, um bei so einem Mord dabei zu sein“, schreibt Grete Stener Eriksen auf Facebook.

Viele ihrer Landsleute sind anderer Meinung. „Ich finde, das ist eine natürliche Art, den Kindern so etwas nahezubringen“, sagt Ole Varn, der mit seiner Enkelin Anne zusieht. Der Großvater versteht die Aufregung um den Löwen nicht: „Wenn man bedenkt, wie viele Schweine im Jahr geschlachtet werden...“

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    Erschrockene oder ängstliche Kindergesichter sieht man in Odense nicht – nicht einmal, als Kolind dem Löwen das Fell vom Kopf zieht. Eher neugierige. Anne, die in der ersten Reihe steht, findet die Sezierung „spannend – aber es stinkt!“. Als der Löwe längst in viele Einzelteile zerlegt ist, stehen immer noch viele Kinder um das Raubtier herum und fragen den Biologen Löcher in den Bauch. „Das war richtig spannend, dass man so viel über die Tiere lernen konnte“, sagt Viktor Vasquez Plog, ein sechsjähriger Junge mit braunen Locken unter der grauen Schirmmütze.

    Der Tod ist Teil des Lebens, finden viele Dänen. Und Kinder sollten ruhig wissen, wie ein Tier von innen aussieht. „Wir machen das seit 20 Jahren jedes Jahr in den Schulferien“, sagt Zoologin Nina Christensen. „Aber diesmal laufen die Medien völlig Amok.“ Selbst, als sie einmal Besuch von einer dänischen Prinzessin hatten, seien nicht so viele Leute da gewesen.

    Der Tod der Giraffe Marius
    GIRAFFE PUT DOWN
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    Eine Aufnahme der zweijährigen Giraffe Marius, zwei Tage bevor der Kopenhagener Zoo sie eingeschläfert hat.

    (Foto: dpa)
    huGO-BildID: 35107519 Marius, a male giraffe, lies dead before being dissected, after he was put down at Copenhagen Zoo on Sunday, Feb. 9, 2014. Cope
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    Am frühen Sonntagmorgen töteten Zoo-Angestellte die Giraffe vor den Zuschauern.

    (Foto: ap)
    huGO-BildID: 35106565 Children watch as Marius, a male giraffe, is dissected, at the Copenhagen Zoo, in Denmark, Sunday, Feb. 9, 2014. Copenhagen Zoo
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    Kinder sahen zu, wie Marius auseinandergenommen...

    (Foto: ap)
    Giraffen Marius
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    ...und anschließend teilweise an Löwen verfüttert wurde.

    (Foto: dpa)
    huGO-BildID: 35106748 People protest outside Copenhagen Zoo where Marius a male giraffe, was put down on Sunday, Feb. 9, 2014. Copenhagen Zoo turned
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    Einige Demonstranten stellten sich vor dem Zoo auf und protestierten gegen die Tötung. Im Vorfeld hatte es auch eine Online-Petition gegeben.

    (Foto: ap)

    Grund dafür ist ein anderes totes Tier: das Giraffenjunge Marius, das der Kopenhagener Zoo im Februar 2014 tötete – und ebenfalls vor Kinderaugen auseinandernahm. Anschließend war Marius an die Löwen verfüttert worden. Zoodirektor Bengt Holst hatte das Vorgehen damals eisern verteidigt. Trotz Morddrohungen gegen ihn wehrte er sich gegen die „Disneyfizierung“ von Zootieren.

    Wenn die Dänen keinen anderen Zoo im europäischen Zuchtprogramm finden, müssen die Tiere sterben – das ist auch in Deutschland gängige Praxis. In Odense passiert so etwas „weniger als zehnmal im Jahr“, schätzt Christensen. Als im Januar ein Tapir und ein Löwe getötet und öffentlich seziert wurden, blieb der Aufschrei aus. Anscheinend hatten die Medien davon einfach keinen Wind bekommen.

    • dpa
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