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Schlafen liegt im Trend und wird zum neuen Statussymbol in der Welt der Leistungsträger und Manager.

(Foto: Getty Images)

Gadgets gegen (Ein-)Schlafstörungen Das große Geschäft mit den Schlaflosen

Wie kann man gut schlafen ohne Chemie? Welche Gadgets helfen dabei und wovon sollten wir die Finger lassen? Wir haben uns auf die Suche gemacht.
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BonnBeim Schlaf findet gerade eine Revolution statt. Denn schlafen wird zum neuen Statussymbol in der Welt der Leistungsträger und Manager. In den Führungsetagen wird gerade umgedacht. Mitarbeiter des US-Krankenversicherers Aetna beispielsweise bekommen eine Prämie von 500 Dollar im Jahr, wenn sie sich verpflichten, nachts mindestens sieben Stunden zu schlafen.

Dafür muss man zwar einen kleinen Schlaftracker am Arm tragen, den der Chef überwachen kann. Aber für 500 Dollar wäre ich zumindest nicht abgeneigt.

Auch prominente Manager haben den Wert des Schlafs erkannt: Amazon-CEO Jeff Bezos schläft angeblich acht Stunden, ebenso Denise Morrison, die ehemalige Chefin der Campbell Soup Company. Eric Schmidt, Ex-Google-Verwaltungsrat, behauptet sogar, 8,5 Stunden zu schlafen.

Den Mitarbeitern im Silicon Valley bietet der Suchmaschinen-Konzern raumschiffähnliche Schlafliegen, Energy Pods genannt, die sie für 795 Dollar im Monat mieten oder für 12.985 Dollar kaufen können.

Das ist ein stolzer Preis. Doch die Rechnung dahinter ist recht einfach: Ausgeschlafene Manager leisten mehr, sind produktiver, stressresistenter und haben deutlich weniger Fehltage als ihre müden Kollegen. Allein deutsche Unternehmen verlieren pro Jahr fast 210.000 Arbeitstage durch unausgeschlafene Mitarbeiter. Das kostet unsere Wirtschaft Jahr für Jahr knapp 57 Milliarden Euro, wie eine Studie der Denkfabrik „Rand Europe“ aus dem Jahr 2016 zeigt.

Die Kosten für gesundheitliche Schäden durch Schlafmangel kommen noch dazu. Denn wer regelmäßig weniger als sechs Stunden schläft, hat laut Rand-Studie etwa ein um 13 Prozent höheres Sterblichkeitsrisiko sowie ein erhöhtes Risiko für Angststörungen, Depressionen, Übergewicht und Demenz.

Besonders brisant im Kontext Arbeitsplatz: Müde Menschen treffen riskante Entscheidungen. Im schlimmsten Fall kann es zu folgenschweren Unfällen kommen. Untersuchungen haben beispielsweise ergeben, dass sich zwei extreme Katastrophen auf Müdigkeit während der Arbeit zurückführen lassen: 1989 das Tankerunglück der Exxon Valdez und die Explosion der US-Raumfähre Challenger im Jahr 1986.

Keine Frage: Guter und erholsamer Schlaf ist extrem wichtig in unserem hektischen Alltag. Wir alle wissen das. Und doch schlafen hierzulande etwa 80 Prozent aller Erwerbstätigen laut einer DAK-Studie schlecht. Besonders schwer haben es Chefs und Führungskräfte. Manager, so heißt es, schlafen im Schnitt 24 Minuten weniger als der Durchschnittsdeutsche. Je höher das Gehalt ist, desto schlechter der Schlaf.

Als Grund geben viele ihre Arbeit an: Jede zweite Führungskraft sagt, dass sie noch ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen online ist, drei Viertel checken E-Mails oder daddeln im Bett noch in den sozialen Netzwerken rum. Dabei wissen natürlich eigentlich alle, dass das kontraproduktiv für einen erholsamen Schlaf ist. Eigentlich.

Nun bin ich keine Top-Managerin, aber auch ich will endlich besser schlafen und habe in den vergangenen Monaten verschiedene natürliche Hilfsmittel und nützliche Gadgets getestet. Denn verschreibungspflichtige Schlaftabletten vom Arzt, die Nebenwirkungen haben und abhängig machen können, kommen für mich nicht infrage.

Während meiner Testphase hatte ich besonders viel Stress im Job und bin kaum noch zur Ruhe gekommen. Der ständige Schlafmangel und unruhige Nächte zehrten so sehr an meinen Kräften, dass ich mich ganz intensiv auf die Suche nach einer effektiven und gesunden Lösung gemacht habe. Guten Schlaf zu bekommen ist gar nicht so schwierig, wie mein Experiment gezeigt hat.

In den Schlaf geleuchtet mit Withings-Aura

Die Gründe für Schlafprobleme sind so vielfältig wie individuell. Eine Schlüsselrolle kommt jedoch dem Melatonin zu – das ist unser körpereigenes Schlafhormon, dessen Produktion bei Dunkelheit stimuliert und durch Licht wieder gehemmt wird. Eine winzige Drüse im Gehirn schüttet es aus und macht uns müde.

Genau hier setzt das Schlafsystem Aura von der französischen Firma Withings an (wir haben es hier für Sie ausführlich getestet). Das Gerät, aus dem spezielles Licht kommt, erinnert an ein U-Boot-Guckrohr. Außerdem tönen aus integrierten Lautsprechern neurowissenschaftlich erprobte Klänge, die auf unsere Gehirnwellen wirken. Wie das klingt? Es hört sich ziemlich genauso an wie Meeresrauschen.

Withings Aura soll beim Einschlafen und Aufwachen helfen – rotes Licht macht müde.

Withings Aura soll beim Einschlafen und Aufwachen helfen – rotes Licht macht müde.

Will ich einschlafen, aktiviere ich an dem Gerät ein Programm, das bestimmte Wellenlängen von rotem Licht nutzt. Dieses rote Licht stimuliert wiederrum die Ausschüttung von Melatonin, das müde macht. Will ich aufstehen, hemmt das Aura-Gerät die Melatonin-Ausschüttung wieder, indem es mich aus dem Rohrende blau anleuchtet. Übrigens dasselbe bläuliche Licht, wie es von den meisten grellen Laptop- und Smartphone-Displays ausgestrahlt wird – ein bisschen twittern, ein bisschen rumsurfen, und schon ist man wieder wach. Selbst wenn irgendwann alle Geräte ausgeschaltet sind, dauert es eine ganze Weile, bis wir wieder müde sind.

Von Aura in den Schlaf und in den Tag geleuchtet zu werden funktioniert und ist für mich wesentlich sanfter als jeder schrille Klingelton. Nach zwei Monaten im Test habe ich mir das Gerät gekauft. Auch wenn es am Anfang wirklich merkwürdig war, dass unser Schlafzimmer plötzlich an ein Rotlicht-Etablissement erinnerte. Doch was macht man nicht alles für einen gesegneten Schlaf.

Nach einem Update von Withings gibt es glücklicherweise inzwischen auch mehrere akustische Einschlaf- und Aufwachprogramme. Sogar mit Spotify oder Apple Music lässt sich das Gerät jetzt verbinden. Schließlich gibt es genug Menschen, die in der Nacht öfter auf Toilette müssen und bei Geräuschen von Wasser und Wellen sicher nicht entspannen und abschalten können.

Der einzige Haken: Das Aura-Schlafsystem, zu dem auch ein High-Tech-Sensor gehört, der unter der Matratze gleichzeitig meinen Schlaf analysiert, kostet momentan im Handel etwa 150 Euro. Es gibt inzwischen aber auch andere Anbieter, die ähnliche Systeme billiger anbieten. Zum Beispiel das Wake-up-Light von Philips.

Wenn Sie keine Lust auf Technik-Kram haben, empfehle ich Ihnen am Abend alternativ eine Sperrstunde spätestens 90 Minuten vor dem Schlafengehen für E-Mails und Handynutzung. So vermeiden Sie sehr einfach potenziell stressige Situationen.

Hippe Wunder-Drinks, Schlafpillen und Sprühschlaf

Gerade sehr populär sind von Start-ups gemeinsam mit Wissenschaftlern im Labor entwickelte Getränke, die erholsamen Schlaf aus der Flasche versprechen. Die Berliner Gründer von Sleep Ink beispielsweise verkaufen für 19 Euro einen Sauerkirsch-Trunk mit Pflanzenextrakten aus Hopfen, Passionsblume und Melisse. Zusätzlich enthalten: ein Milligramm künstliches Melatonin, die goldene Zutat, die müde machen soll. Wie bei dem roten Licht aus der Aura-Schlaflampe.

Diese Produkte versprechen besseren und erholsameren Schlaf – wir haben alle getestet.
All you need is sleep

Diese Produkte versprechen besseren und erholsameren Schlaf – wir haben alle getestet.

Den Kirsch-Trunk, der in schicken 40-Milliliter-Röhrchen steckt, trinke ich wie ein Schnäpschen etwa eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen. Tatsächlich fühle ich mich wenig später schläfrig und müde und krabble zufrieden unter meine Bettdecke. Nur beim Aufstehen fühle ich mich schwerer als sonst und könnte gut noch ein oder zwei Stündchen länger schlummern. Vielleicht wirkt das Säftchen bei mir schon etwas zu gut?

Trotzdem ist Sleep Ink kein Zaubertrank. Er wirkt von Person zu Person unterschiedlich und bietet schon gar keinen Ersatz für genügend Schlaf. Das würde auch teuer werden, denn bei einem Preis von 19 Euro für eine Wochenration müsste ich aufs Jahr gerechnet über 988 Euro ausgeben.

Billiger, aber bei mir genauso wirksam bekomme ich ein Milligramm Melatonin auch in Form einer kleine Sprühflasche von der Firma Braineffect – noch so ein junges Start-up aus Berlin. Mund auf, Augen zu, acht Mal sprühen und müde werden. Während dieselbe Dosis bei Sleep Ink fast drei Euro kostet, bezahle ich für den Sprühschlaf, der nach Minze schmeckt, umgerechnet nur 42 Cent.

Das Nahrungsergänzungsmittel soll bei Einschlafproblemen und Jetlag helfen.
Melatonin in Pillenform

Das Nahrungsergänzungsmittel soll bei Einschlafproblemen und Jetlag helfen.

Die Variante zum Sprühen wurde entwickelt, um das Melatonin individueller dosieren zu können. Denn die Braineffect-Gründer haben auch Schlafpillen im Angebot, die ich ebenfalls getestet habe – empfohlen wird die Einnahme von zwei Kapseln vor dem Schlafgengehen. Das darin enthaltene Melatonin hat bei mir zwar durchaus gewirkt, aber eine geringere Dosis hätte es sicherlich genauso gut getan.

Nun muss man fairerweise sagen, dass die Gründer beider Firmen darauf hinweisen, dass ihre Schlummerprodukte nicht für die tägliche Anwendung, sondern für die gelegentliche Einnahme gedacht sind. Immerhin ist Melatonin ein Hormon und die Wirkung bislang nur unzureichend erforscht. Auf einer Veranstaltung traf ich kürzlich Professor Kuno Hottenrott. Als ich dem anerkannten Sportwissenschaftler von meinen Wunderpillen erzählte, staunte der nicht schlecht. Hottenrott riet mir von jeglichen Mittelchen ab, die in irgendeiner Art und Weise in den Hormonhaushalt eingreifen.

Andere Nutzer haben mir im Netz von paradoxen Reaktionen auf Produkte mit Melatonin berichtet. Das heißt: Bei ihnen tritt genau das Gegenteil der gewünschten Wirkung ein. Statt müde zu sein, sind sie stundenlang noch aufgedreht und hellwach. Einige berichten mir sogar von Schwindelattacken und Kopfschmerzen.

Daher mein Ratschlag: Wenn Sie ernsthafte Ein- und Durchschlafschwierigkeiten haben, lassen Sie bitte zunächst von einem Spezialisten untersuchen und greifen Sie nicht eigenständig zu Wunderpillen und -getränken.

Seit meinem Gespräch mit Hottenrott nutze ich die Mittelchen nur noch ab und zu an Tagen, an denen ich trotz Meditation oder Yoga am Abend einfach nicht richtig abschalten kann. Auch wenn mal ein Reise-Jetlag meine eigene Melatoninproduktion hemmt, halte ich den Griff in die Hormon-Trickkiste durchaus für legitim.

Alternativ können Sie aber auch 62 Pistazien knabbern, denn darin steckt auch insgesamt ein Milligramm Melatonin. Die Schalen sind hier dann auch im Gegensatz zu dem Plastikmüll bei den ganzen Röhrchen und Fläschchen biologisch abbaubar. Und britische Mediziner schwören neuerdings auf einen Drink aus Milch und Instant-Hafer: Die Forschungsergebnisse hierzu waren so vielversprechend, dass ich das mal ausprobieren werde.

Smartsleep aus der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“

Wenn Sie Zuschauer der Kult-Gründer-Sendung „Die Höhle der Löwen“ auf Vox sind, haben Sie es nicht verpasst: Der Wunder-Schlaftrunk Smartsleep soll dabei helfen, nach kurzen Nächten fitter und leistungsfähiger zu sein (lesen Sie hier unseren ausführlichen Test zu Smartsleep). Ausgedacht hat sich das der Nürnberger Schlafforscher Markus Dworak – die Investoren Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel wollen zusammen eine Rekordsumme von 1,5 Millionen Euro investieren.

Genau das Richtige für mich, wo ich doch dank Melatontin-Schnickschnack zwar tief und fest schlafe, dafür allerdings morgens schwerer aus dem Bett komme. Aufgefallen ist mir Smartsleep, nachdem ich auf Facebook und Instagram Werbung dafür gesehen habe. Und ja, ich bin ein sehr leichtes Marketing-Opfer.

Wer glaubt, dass er durch die Einnahme des Nahrungsergänzungsmittels Smartsleep schneller ein- und besser durschläft, irrt.
Schlaf dich fit

Wer glaubt, dass er durch die Einnahme des Nahrungsergänzungsmittels Smartsleep schneller ein- und besser durschläft, irrt.

In dem schicken Plastikröhrchen abgefüllt ist eine gelbe Flüssigkeit mit Zitronengeschmack. Acht Trinkampullen kosten 25 Euro. Einnehmen soll man sie fünf bis zehn Minuten vor dem Schlafengehen. Oben im Deckel stecken noch zwei kleine Kreatin-Pillen, die zerkaut werden müssen. Ich sage es mal so: schmeckt nicht sehr lecker und ist bitter.

Dass Kreatin zur besseren Regeneration eingesetzt wird, ist indes nicht neu. Sowas nehmen Bodybuilder und Kraftsportler häufig in Form deutlich günstigerer Kreatin-Kapseln zu sich. Das Getränk, so heißt es in der Werbung, wurde von Schlafforschern der Harvard-Universität entwickelt. Sogar die Fußball-Profis von Hertha BSC schwören angeblich nach harten Trainingseinheiten und anstrengenden Spielen darauf.

Nun, wer glaubt, dass er durch die Einnahme des Nahrungsergänzungsmittels Smartsleep schneller ein- und besser durschläft, irrt. In dem Mittel ist, im Gegensatz zu anderen Produkten, kein künstliches Melatonin zugesetzt, das unserem Körper das Signal zum Müdewerden gibt. Deswegen habe ich beim Einschlafen auch rein gar nichts gemerkt. Aber ich fühlte mich morgens irgendwie erholter und frischer, vor allem nach harten Intervall-Einheiten im Lauftraining.

Wie schon gesagt, ich bin leider auch ziemlich anfällig für gutes und schickes Marketing. Die Macht des Placebo-Effektes dürfte hinreichend bekannt sein. Mir ist bis heute ein Fall in Erinnerung, von dem uns im Studium ein Professor der Wirtschaftspsychologie berichtete. Ein Mann wurde versehentlich in einem Kühlwagen eingesperrt. Am nächsten Morgen wurde er erfroren aufgefunden – mit allen Symptomen eines Erfrierungstodes. Dabei war der Kühlwagen gar nicht eingeschaltet.

Noch gibt es keine Belege

Dass das Smartsleep-Elixier bei mir wirkt, könnte laut den Machern von Smartsleep aber auch an der Nährstoffkombination von Magnesium, Zink, Biotin und Kreatin liegen. Zumindest sagen auch andere Ernährungsforscher, dass vor allem das Kreatin eine intensivere Tiefschlafphase bewirken kann. Dadurch wird das Hirn besser durchblutet, und mein müder und vom Sport oder der Arbeit erschöpfter Körper regeneriert schneller.

Dass Smartsleep mich nun aber wirklich bei zu wenig Schlaf mehr unterstützt und mich leistungsfähiger werden lässt, sehen Schlafforscher eher kritisch. Denn: Bislang fehlen wissenschaftliche Studien und Untersuchungen. Noch gibt es keine Belege. Da Smartsleep als Nahrungsergänzungsmittel deklariert ist, darf das Mittel auch ohne Wirksamkeitsnachweis auf den Markt gebracht werden.

Nachweislichen Einfluss haben die Produkte auf die Bilanz der Hersteller: So lagen die Umsätze mit rezeptfreien Schlafmitteln in Deutschland 2015 bei 233 Millionen Euro.

Die Bettdecke, die sechs bis zwölf Kilogramm wiegt

Das Highlight in meinem Schlaf-Experiment ist eine Gewichtsdecke des Anbieters Therapiedecken.de. Sie soll gleichzeitig gegen Stress, Schlafstörungen, Angst- und Panikattacken helfen. Sie sieht aus wie eine ganz normale dünne Sommerbettdecke, aber der arme Postbote hatte ganz schön schwer an dem sechs Kilogramm schweren Paket zu schleppen.

Die handgefertigte Therapiedecke kann bei Schlafstörungen, Unruhe sowie bei Entwicklungsstörungen wie ADHS, Down-Syndrom, Asperger-Syndrom oder Autismus helfen.
Gewichtsdecke mit Sternchen

Die handgefertigte Therapiedecke kann bei Schlafstörungen, Unruhe sowie bei Entwicklungsstörungen wie ADHS, Down-Syndrom, Asperger-Syndrom oder Autismus helfen.

Wie die Decke konkret funktioniert? Sie ist mit Tausenden winzigen Glasperlen gefüllt, die einen leichten Druck auf Muskulatur und Nervensystem ausüben. Dadurch werden dann vermehrt Melatonin und das Glückshormon Serotonin ausgeschüttet. Die Wirksamkeit von Gewichtsdecken wurde schon 2008 und 2012 in medizinischen Studien belegt, weswegen sie seit längerem schon zu therapeutischen Zwecken von Kinderärzten in Kliniken und von Psychotherapeuten eingesetzt werden.

Es dauerte etwas, bis ich meine Spezial-Decke mit Bettzeug bezogen hatte, und meine Frau fürchtet sich bis heute vor dem Moment, wo ich die Decke vor dem Schlafengehen kurz nochmal aufschüttele. Doch sobald ich drunter liege, fühlt es sich an wie eine Umarmung. Auch wenn es im ersten Moment sehr ungewohnt war, eingeengt gefühlt habe ich mich nicht. Je nach Körpergewicht können diese Decken sogar bis zu zwölf Kilogramm wiegen.

Ich hatte schon nach der ersten Nacht das Gefühl, dass ich deutlich schneller einschlafe. In der Nacht bin ich ruhiger und zapple nicht mehr so viel mit meinen Beinen rum (ich leide am Restless Legs Syndrom). Das zeigt mir nicht nur der Schlaftracker aus der Garmin-Smartwatch an meinem Handgelenk, sondern auch der Aura-Schlafsensor unter meiner Matratze, der meine Bewegungen aufzeichnet. Ich fühle mich jetzt morgens wieder deutlich fitter und wache auch nachts nur noch ganz selten auf. Dieses Teil gebe ich nie wieder her, auch wenn das Bett zu machen jeden Tag ein kleines Workout wider Willen ist.

Wer in eine solche Decke investieren will, muss je nach Hersteller mit Kosten zwischen 150 und 350 Euro rechnen. Im Netz finden sich allerdings auch Anleitungen, wie Sie sich eine Gewichtsdecke mit Reis, Linsen oder Erbsen ganz einfach selber basteln können.

Binaureale Gehirnstimulation

Ganz umsonst und definitiv ohne Nebenwirkungen lässt sich Schlaf auch über unsere Gehirnwellen steuern - die sogenannte Neurostimulation. Das ist wissenschaftlich sehr gut belegt. Dazu müssen Sie lediglich eine ganz bestimmte Musik beim Einschlafen hören, die Sie unter dem Suchwort „Binaureale Beats” bei Spotify oder Youtube finden.

Ich habe für mein Experiment die Sleeping-Sounds des Hamburger Musikproduzenten Ivo Vossen (Resonance Space) gehört. Leider nur über den Lautsprecher an meinem Smartphone, denn diese binaurealen Beats, das ist der wissenschaftliche Begriff dafür, sind am effektivsten, wenn man Kopfhörer benutzt. Es gibt verschiedene Tracks, die zwischen 15 und 50 Minuten lang sind.

Wenn man nicht weiß, dass dahinter eine sehr effektive Technik steckt, könnte man die Sounds auch als unspektakuläres Spa- und Wellnessgedudel abtun. In einer Nacht irrte meine Frau sogar mal durch die Wohnung, weil sie dachte, es regnet irgendwo rein. Dabei lief auf meinem Handy zwischen unseren Kopfkissen gerade der 40-Minuten-Track „Sleeping Slowing Delta Rain“ von Vossen.

Der Musiker komponiert auch Stücke, die uns dabei helfen, bei der Arbeit konzentrierter und fokussierter zu sein. Britische Neurowissenschaftler haben neulich sogar die entspannendste Musik der Welt entdeckt. Das Acht-Minuten-Stück kommt von der Band Marconi Union, heißt „Weightless” und ist in der Lage, unser Stresslevel um ganze 65 Prozent zu senken.

Inzwischen gibt es auch Firmen, die direkt ins Kopfkissen winzige Lautsprecherleisten nähen, sodass sich per angeschlossenem Smartphone die schlaffördernden Sounds direkt ganz nah am Kopf abspielen lassen. Das Soundkissen Aivi der Kölner Firma Infrasonics etwa kostet 195 Euro (ich habe es allerdings nicht getestet) und ist in Pflegeheimen und Kliniken erfolgreich im Einsatz.

Sekunden zählen statt Schafe

Zum Schluss noch eine sehr simple Methode, die nichts kostet, aber garantiert hilft und weniger als eine Minute dauert: Der 4-7-8-Einschlaf-Trick. Dabei zählen Sie keine Schafe, sondern Sekunden. Und zwar die, in denen Sie bewusst atmen. So geht's: Atmen Sie vier Sekunden durch die Nase ein, halten Sie die Luft für sieben Sekunden an, und atmen Sie acht Sekunden durch den Mund aus. Diese Atemtechnik wirkt beruhigend, senkt den Puls und hilft so beim Einschlafen. Also – wenn Sie das nächste Mal nicht müde werden, verbannen Sie das Handy aus Ihrem Bett und zählen Sie keine Schafe, sondern Sekunden. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

Transparenzhinweis: Für das Experiment stellten uns die Firmen Smartsleep, Sleep Ink, Braineffekt und Therapiedecken.de ihre Produkte kostenlos zur Verfügung.

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