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Internationaler Tag des Glücks Warum Glück keine Glückssache ist

Glückliche Menschen sind gesünder, kreativer und leistungsstärker. Und Glück lässt sich erlernen, meinen Wissenschaftler. Ein Plädoyer für mehr gute Gefühle.
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Eine wichtige Rolle für das Glücklichsein spielt die Lebensumgebung. Quelle: dpa
Lebensqualität

Eine wichtige Rolle für das Glücklichsein spielt die Lebensumgebung.

(Foto: dpa)

DüsseldorfFür Eckart von Hirschhausen ist das Glück der dritte Platz. „Go for Bronze!“, rät der Arzt und Kabarettist. „Mit wem vergleicht sich Silber? Er schielt nach oben, und flucht: Drei Hundertstel und du hättest Gold! Bronze denkt: Drei Hundertstel und du hättest gar keine Medaille! Bronze ist glücklich, denn er weiß: Richtig doof ist Vierter.“

Allerdings ist das Leben ja kein sportlicher Wettkampf. Wo liegt dann das Glück, jenseits der Bronze-Medaille? Mit dieser Frage beschäftigt sich seit rund zwei Jahrzehnten die Positive Psychologie, die Wissenschaft des Glücks. Sie fragt danach, was das Leben lebenswert macht, wie Menschen Sinn und Erfüllung finden.

Glück im Sinne der Positiven Psychologie ist nicht das Zufallsglück – das, was die Briten „Luck“ nennen: der Lottogewinn oder die Liebe auf den ersten Blick. Vielmehr verstehen Psychologen darunter das subjektive Wohlbefinden. Es ist dann hoch, wenn Menschen häufig positive und selten negative Emotionen erleben.

Zum Glücklichsein gehört außerdem die eigene Lebenszufriedenheit, das Gefühl, dass die Vorstellungen vom eigenen Leben und das tatsächliche Dasein nicht allzu fern auseinander liegen.

Das Glück beschäftigt – den Einzelnen wie die Wissenschaft: Viele Forschungszweige wie die Psychologie, Soziologie, Neurologie, Genetik und Ökonomie suchen nach dem Weg zum Hochgefühl. Dem Glück ist inzwischen sogar ein ganzer Tag gewidmet, der 20. März, den die UN-Hauptversammlung vor sieben Jahren zum Weltglückstag erklärt hat.

Wieder einer der vielen Jahrestage, über die man leicht den Überblick verliert? Nicht ganz, denn mit dem Internationalen Tag des Glücks verbinden die Vereinten Nationen hohe Ziele: Der Tag soll daran erinnern, dass jeder Mensch die Chance auf ein gesundes und glückliches Leben verdient. Politik und Wirtschaft müssten ihre Entscheidungen danach ausrichten, so die UN.

Wenn es beim Glück um das Quantum positiver Gefühle geht – kann man es lernen? Ja, sagen Glücksforscher, so wie die US-amerikanische Professorin für Psychologie Sonja Lyubomirsky („Glücklich sein“, Campus). Nach ihrer Einschätzung werden 50 Prozent des Glückserlebens durch die genetische Ausstattung und nur zehn Prozent durch die äußeren Umstände beeinflusst – macht 40 Prozent, die jeder Mensch selbst in der Hand hat.

Auf solche Rechenspiele will sich Tobias Rahm, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pädagogische Psychologie der Technischen Universität Braunschweig, lieber nicht einlassen. Nach Einschätzung von Forschern unterschätzt diese Formel die Bedeutung der äußeren Umstände.

Dennoch ist der Wissenschaftler davon überzeugt, dass sich das Glück trainieren lässt: „Wir können lernen, mehr positive Emotionen zu erleben und uns in negativen Situationen weniger aufzuregen. Je mehr glückliche Momente wir erleben, desto größer wird unser eigener Gestaltungsspielraum – und desto mehr steigt die Chance auf ein gelingendes Leben.“

Im Rahmen seiner Promotion hat Tobias Rahm das „Braunschweiger Glückstraining“ entwickelt, das er zunächst an Lehrerinnen und Lehrern evaluiert hat, das aber auf andere Zielgruppen übertragbar ist. Auch erste Industrieunternehmen haben Interesse angemeldet.
Kernelement des Trainings ist eine einfache, aber effektive und wissenschaftlich fundierte Methode: die Übung der drei guten Dinge. Die Probanden notieren über ein bis zwei Wochen in einem Übungsheft an jedem Abend drei glückliche Momente ihres Tages. Das kann das Lob vom Chef ebenso sein wie der Augenblick, in dem man dem Eichhörnchen im Garten beim Klettern zugeschaut hat, Rahms Lieblingsbeispiel.

Mehr Eichhörnchen als Säbelzahntiger

Hintergrund ist, dass die Wahrnehmung des Menschen stärker auf negative Reize ausgerichtet ist und positive leicht verdrängt. „Das ist evolutionär bedingt. Wenn es um unser Überleben ging, zählte der Säbelzahntiger eben mehr als die Blume am Wegrand“, sagt der Wissenschaftler. Die Blume oder das Eichhörnchen sollen durch das Training wieder mehr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken.

Zum zweiten Teil der Übung gehört, dass die Teilnehmer aufschreiben, inwiefern sie selbst zum Glückserleben beigetragen haben. Dieser Teil soll den Glauben an die eigene Selbstwirksamkeit stärken, die Gewissheit, dass wirklich jeder seines Glückes Schmied ist. Nach Erhebung von Tobias Rahm trägt das Training nachhaltig zu mehr positiven Emotionen bei, der Effekt sei auch Monate später noch messbar. Ein Übungsheft bietet die TU Braunschweig kostenlos zum Download an.

Zum Braunschweiger Glückstraining gehört aber auch, dass die Teilnehmer darüber nachdenken, was das Hochgefühl eigentlich ausmacht und welche Glücksquellen sie im Alltag erleben. Das Glück hat viele Facetten. Einer der wohl wichtigsten Faktoren sind enge menschliche Beziehungen.

So konnten Forscher der Universität Harvard in zwei lang angelegten Studien, der „Glueck Study“ und der „Grant Study“, nachweisen, dass es vor allem gute Beziehungen sind, die zu Wohlbefinden und Gesundheit beitragen. Die Betonung liege dabei auf gut, betont Studienleiter Robert Waldinger: Es gehe um die Qualität der Beziehungen, nicht um die Anzahl der Freunde.

Die Forscher verfolgten die Lebensläufe von Harvard-Absolventen, mehr als 600 Lebensgeschichten kamen so im Laufe von rund 80 Jahren zusammen. Und noch etwas hat die Harvard-Studie bewiesen: Die Qualität menschlicher Beziehungen hat einen unmittelbaren Einfluss auf die Gesundheit. „Die Menschen, die im Alter von 50 Jahren mit ihren Beziehungen besonders zufrieden waren, sind mit 80 am gesündesten“, sagt Studienleiter Robert Waldinger.

Das Glück hat nicht nur einen Wert an sich, sondern wirkt sich unmittelbar auf Gesundheit, Arbeitserfolg und Lebensqualität aus. „Glückliche Menschen sind gesünder, zumindest gehen sie seltener zum Arzt“, sagt Tobias Rahm. „Wir können auch eine klare Korrelation zwischen Glück und beruflichem Erfolg feststellen. Glückliche Menschen fehlen weniger im Job und wechseln seltener den Arbeitsplatz. Sie sind resistenter gegen Stress und besser ins Team integriert.“

Und sie entwickeln die kreativeren Lösungen: Positiv gestimmten Menschen gelingt es eher, neue Wege zu gehen, auch mal quer zu denken – eine Eigenschaft, die besonders im digitalen Zeitalter mit seiner hohen Veränderungsgeschwindigkeit gefragt ist.

Es sind nicht nur die individuellen Lebensbedingungen, die das Glück bremsen oder stärken. Eine wichtige Rolle spielt auch die Lebensumgebung – ein Grund, warum die Vereinten Nationen jährlich den „World Happiness Report“ herausgeben. Zu den Spitzenreitern zählen regelmäßig die skandinavischen Länder, so schaffte es dieses Jahr wieder Finnland auf Platz 1 unter 156 Ländern, gefolgt von Dänemark und Norwegen.

Deutschland ist zwar nicht unter den Top Ten vertreten, landete aber auf einem soliden 17. Platz. Die Wissenschaftler untersuchen für den Glücksreport Faktoren wie Wohlstand, Gesundheit, Freiheit und Lebenserwartung. llerdings ist es dem Glück abträglich, zu viel nach rechts und links zu schauen. Oder wie es Søren Kierkegaard formuliert: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ Insofern hat Eckart von Hirschhausen mit seiner Bronze-Medaille doch Recht.

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