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Medizin Schon kleine Mengen Alkohol gefährden die Gesundheit

Ein Gläschen Wein am Abend schadet der Gesundheit nicht, so eine weit verbreitete Meinung. In einer Studie kommen Forscher zu ganz anderen Ergebnissen.
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Schon kleine Mengen Alkohol gefährden die Gesundheit. Quelle: dpa
Gesundheitsrisiko Alkohol

Schon kleine Mengen Alkohol gefährden die Gesundheit.

(Foto: dpa)

Seattle Auch geringer Alkoholkonsum birgt gesundheitliche Risiken. Zu diesem Schluss gelangen die Autoren einer Studie über den weltweiten Konsum alkoholischer Getränke und den Zusammenhang mit 23 Krankheiten.

„Frühere Studien haben eine schützende Wirkung von Alkohol unter bestimmten Bedingungen ergeben. Wir aber haben festgestellt, dass die kombinierten Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit Alkohol mit jedem Quantum Alkohol steigen“, so Max Griswold von der University of Washington in Seattle.

Die Forscher um Griswold und Emmanuela Gakidou, ebenfalls von der University of Washington, hatten 694 Studien über Alkoholkonsum und 592 Studien über Gesundheitsrisiken durch den Genuss von Alkohol ausgewertet. Die im Fachjournal The Lancet vorgestellten Daten umfassen die Bevölkerung von 15 bis 95 Jahren in 195 Ländern. Demnach stehen weltweit 2,8 Millionen Todesfälle pro Jahr mit Alkoholkonsum in Verbindung.

Was Alkohol mit uns macht
Im Karneval fließt reichlich Alkohol
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Bier auf Wein, das lass' sein. Was ist dran an den Volksweisheiten über Alkoholgenuss? Ein paar Antworten passend zur Karnevalszeit.

(Foto: dpa)
Bier auf Wein, das lass' sein – ist da was dran?
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Was man zuerst trinkt, spielt überhaupt keine Rolle. Es geht immer um die Menge. Wein reizt den Magen mehr durch die höhere Alkoholkonzentration. Von Schnaps ganz zu schweigen. Und die Kombination aus allem kann Übelkeit beschleunigen.

(Foto: dpa)
Wie viele Gläser Wein, Bier oder Schnaps muss ein Erwachsener trinken, um sich auszuhebeln?
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Die Verträglichkeit ist sehr individuell. Das liegt an den Genen. Die Leber und Enzymsysteme spielen dabei eine große Rolle. Es gibt Menschen, die nach zwei Gläsern Wein richtig einen im Tee haben. Andere merken da subjektiv noch gar nichts. Viele Menschen sind aber überrascht, wie niedrig risikoarme Mengen angesetzt sind. Bei Frauen ist das ein Glas Weißwein, bei Männern sind es zwei - bei mindestens zwei alkoholfreien Tagen in der Woche.

(Foto: dpa)
Der totale Absturz – wie viele Gehirnzellen kostet das?
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Auch das ist sehr individuell. Ein Vollrausch ist immer eine arge Belastung für das Gehirn. Alkohol ist ein Nervengift, das einzelne Zellen negativ beeinflussen kann, bis hin zur Zerstörung. Es ist ebenfalls genetisch bedingt, wie viele nervenschützende Faktoren ein Mensch hat. Es spielt auch eine Rolle, ob Erkrankungen angelegt sind. Wer zum Beispiel familiär belastet ist, später eine Demenz zu entwickeln, für den können wiederholte Alkoholexzesse mehr ins Gewicht fallen als für andere.

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Was passiert bei Alkoholexzessen im Gehirn?
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Im Grunde ist das wie eine Narkose. Auch häufige Operationen sind ja nicht günstig, weil jede Narkose Stress für das Gehirn darstellt. Der Rausch an Karneval hat eine gesellschaftliche Akzeptanz. Wenn Menschen es schaffen, danach wieder zum Tagesalltag zurückzufinden, ist ein einzelner Rausch in der Summe des Lebens sicher nicht gefährlich.

(Foto: MGH-UCLA Human Connectome Project)
Welche Risiken gibt es noch?
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Viele Menschen machen sich die Risiken des Kontrollverlusts nicht klar. Da geht es nicht nur um gestohlene Brieftaschen. Es geht um Verkehrsunfälle. Und auch der Anteil schwerer Körperverletzungen unter Alkoholeinfluss ist erschreckend hoch. Da geht es nicht allein um Schlägereien, auch Vergewaltigungen kommen vor. Es gibt auch Alkoholvergiftungen, die tödlich enden. Nicht nur bei Teenagern, die bei diesem Thema unsere besondere Aufmerksamkeit brauchen. Auch Erwachsene verschätzen sich.

(Foto: dpa)
Ist der Kater am Morgen danach bereits ein Anzeichen einer kleinen Alkoholvergiftung?
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Im Grunde ja. Das ist eine Warnung des Körpers: Mach das bitte nicht mehr, das vertrag ich nicht. Dieses Katergefühl wird durch Abbauprodukte des Alkohols hervorgerufen. Man fühlt sich krank – Übelkeit, Mattigkeit, Kopfschmerzen.

(Foto: dpa)

Die konkreten Todesursachen unterscheiden sich je nach Alter: In der Altersgruppe 15 bis 49 Jahre sind Tuberkulose, Verkehrsunfälle und Selbstverletzung am häufigsten. In der Gruppe ab 50 Jahren hat Krebs den höchsten Anteil an den alkoholbedingten Todesursachen. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Alle Altersgruppen zusammengenommen, lassen sich 2,2 Prozent der Tode von Frauen und 6,8 Prozent der Tode von Männern auf Alkoholkonsum zurückführen.

Auch bei der durchschnittlichen Alkoholmenge pro Tag zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern: In Deutschland trinken Männer vier Einheiten, während Frauen nur 2,9 Einheiten trinken. Eine Einheit legten die Forscher dabei auf zehn Gramm reinen Alkohol fest, was etwa einem Viertelliter Bier oder 100 Milliliter Wein entspricht.

Weil Männer weltweit deutlich mehr Alkohol trinken, stehen die deutschen Männer mit diesem Konsumwert in einem internationalen Ranking auf Rang 34, während die deutschen Frauen auf den 9. Platz kommen. Der Konsum von Alkohol ist in Deutschland sehr verbreitet: 94,3 Prozent der Männer und 90 Prozent der Frauen trinken wenigstens gelegentlich Alkohol.

Weil in diversen Studien positive Effekte von mäßigem Alkoholkonsum auf Diabetes oder die Erkrankung der Herzkranzgefäße festgestellt wurden, rechneten die Forscher dies gegen die negativen Folgen auf. „Insbesondere der starke Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und dem Risiko von Krebs, Verletzungen und Infektionskrankheiten gleicht die schützenden Wirkungen für Erkrankungen der Herzkranzgefäße bei Frauen in unserer Studie aus“, erklärt Griswold.

Zehn Gramm Alkohol pro Tag erhöhen das Risiko, eine alkoholbedingte Krankheit zu bekommen, demnach um 0,5 Prozent. Bei 20 Gramm pro Tag steigt das Risiko bereits um 7 Prozent und mit jeder täglichen Alkoholeinheit mehr wird es höher.

„Weltweit müssen wir die Alkoholkontrollpolitik und Gesundheitsprogramme überdenken und Empfehlungen für den Verzicht auf Alkohol in Erwägung ziehen“, ist Gakidou überzeugt. In einem Kommentar in „The Lancet“ schreiben Robyn Burton und Nick Sheron vom King's College London, die Studie sei die bisher umfassendste Schätzung der globalen Belastung durch Alkoholkonsum.

Auch sie fordern politische Konsequenzen: „Die Lösungen sind einfach: Die Erhöhung der Besteuerung schafft Einkommen für bedrängte Gesundheitsministerien. Und wenn Kinder weniger dem Alkoholmarketing ausgesetzt sind, hat das keine Nachteile.“

  • dpa
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